Auf einer Tafel steht in einer Grundschule "1./2. Stunde fällt aus!!!".
Vor allem in den Grundschulen sind Stellen unbesetzt. Bildrechte: dpa

Sachsen fehlen die Lehrer Viele Quereinsteiger und noch freie Stellen an Schulen

Auf einer Tafel steht in einer Grundschule "1./2. Stunde fällt aus!!!".
Vor allem in den Grundschulen sind Stellen unbesetzt. Bildrechte: dpa

In Sachsens Schulen fehlen immer noch Lehrer. Wie das Kultusministerium am Mittwoch mitteilte, konnten für das zweite Schulhalbjahr von 660 freien Stellen erst 622 besetzt werden. Dazu hat sich der Anteil an Quereinsteigern deutlich erhöht. Nach derzeitigem Stand des Besetzungsverfahrens gehen 237 Stellen an grundständig ausgebildete Lehrkräfte und 385 an Seiteneinsteiger. Mit letzteren sollen vor allem die großen Lücken an den Grundschulen und den Oberschulen geschlossen werden.

Die Zahlen sind dramatisch und die Zeit läuft gegen uns.

Christian Piwarz Kultusminister

Sachsens neuer Kultusminister Christian Piwarz bezeichnete die Situation in der Bildungslandschaft als ernüchternd. Es sei fünf nach zwölf. Nicht nur die vor allem an Grundschulen und Gymnasien offen gebliebenen Stellen sind ein Problem. Große Sorge bereite der hohe Anteil an Quereinsteigern. So sehr er die Expertise der Seiteneinsteiger schätze, "es muss aber unser Ziel sein, die freien Stellen mit denjenigen zu besetzen, die dafür ausgebildet wurden. Wir müssen Neulehrern dringend ein besseres Angebot unterbreiten und älteren Lehrkräften mit finanziellen Anreizen und Entlastungen zusätzliche Motivation verschaffen", so der Minister.

Große Lücken an Grundschulen und Gymnasien

Der Anteil an Seiteneinsteigern bei den Einstellungen hat sich mit 62 Prozent gegenüber Februar 2017 mehr als verdoppelt. Damals betrug er rund 30 Prozent. Insgesamt hatten sich in diesem Jahr rund 2.100 Bewerber für die ausgeschriebenen Jobs interessiert. Davon sind lediglich 323 grundständig ausgebildete Lehrer, die aber nicht alle ihre Bewerbung aufrecht erhielten.

Damit können an den Grundschulen von 217 freien Stellen 196 besetzt werden. An den Oberschulen sind von 208 Arbeitsplätzen 206 und an Gymnasien von 92 Stellen 78 besetzt worden. Bei Förderschulen konnten für alle 84 Stellen geeignete Bewerber gefunden werden. Bei den Berufsbildenden Schulen blieben zwei von 60 Stellen unbesetzt.

Kritik von den Linken und Grünen

Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Linken, Cornelia Falken, bezeichnete die schlechten Einstellungszahlen als personalpolitisches Armutszeugnis, das auf das Konto der CDU-Kultusminister gehe. Als Konsequenz fordert die Linke, Seiteneinsteiger ein halbes Jahr vor Beginn der Unterrichtsaufnahme einzustellen und berufsbegleitend solide auszubilden. Zudem müssten die Unterrichtsbedingungen und die Bezahlung der Lehrer verbessert werden.

Die mehrfache Verschiebung des angekündigten Maßnahmepakets zur Lehrergewinnung liegt in den Händen der CDU-SPD-Koalition, betonte Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. "Die Eltern interessiert der interne Koalitionsstreit wenig. Sie erwarten zu Recht, dass den vollmundigen Ankündigungen der Regierung Kretschmer endlich Taten folgen."

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 28.02.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.02.2018 | Nachrichten ab 12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2018, 21:31 Uhr

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6 Kommentare

28.02.2018 22:56 Herr Lehmann 6

Ich hoffe nur, dass schnell eine Verbeamtung und eine Absenkung der Wochenunterrichtstunden auf NRW Niveau (20 statt 26 minus 1 Klassenlehrerstunde) stattfindet. Sonst können wir nicht konkurrieren und die Eltern müssen ihre Kinder bald selbst unterrichten.

28.02.2018 18:35 Herrmann 5

Was soll man als Lehrer mit Realitätssinn zu dieser Entwicklung noch sagen? Handeln,handeln,handeln...und einfach etwas tun,z.B.miteinander Lösungen finden. Zu spät ist es schon seit vielen Jahren...Warnrufe wurden flächendeckend ignoriert...

28.02.2018 16:44 Fragender Rentner 4

Man kann ja denken wenn man das von der Tafel liest, dass nur 1/2 Std. ausfällt. :-)

Nicht dass sie 3 Std. meinen. :-)

28.02.2018 16:23 Werner 3

"Wir müssen Neulehrern dringend ein besseres Angebot unterbreiten und älteren Lehrkräften mit finanziellen Anreizen und Entlastungen zusätzliche Motivation verschaffen", so der Minister...."Zudem müssten die Unterrichtsbedingungen und die Bezahlung der Lehrer verbessert werden."
Ja, Ja. Keiner rückt mit Aufwand/ Voraussetzungen und Geld raus. Herr/Frau (Quelle) "ma", aus dem Artikel geht leider wieder nicht hervor, wie hoch der Aufwand für die Weiterbildung und genannte "Bezahlung" in Stufen aktuell ist. Habe mich selbst erkundigt. Eine Bekannte, junge Frau mit pädagogischer Ausbildung und Magister in Germanistik, zeigte Interesse. Jetzt nicht mehr. Uninteressant. Für das Verhältnis von Aufwand an eigener Weiterbildung (nebenbei), Fahrtkosten und Nettolohn, bleiben Sie, liebe(r) "ma" wahrscheinlich im Bett, oder lassen Anderswo die Beine baumeln. Sollten Sie beim MDR Praktikus für nen Äppel un e Ei sein, nehm ich diese freche Aussage zurück. Da würde es den/die Falsche(n) treffen.

28.02.2018 16:01 colditzer 2

"Sachsens neuer Kultusminister Christian Piwarz bezeichnete die Situation in der Bildungslandschaft als ernüchternd."
Der 386. Seiteneinsteiger, grundständig unausgebildet.

28.02.2018 15:30 Na so was 1

Die Anzahl der Seiteneinsteiger ist größer als die der ausgebildeten Lehrer. Ich muß dem Kultusminister, Herrn Piwarz (CDU) auf seine Äußerung "es sei fünf vor 12" widersprechen. Mittlerweile ist es (mindestens) fünf nach 12. Wo sind denn nun diejenigen, die das Dilemma verzapft haben ? Bestimmt aus dem Dienst ausgestiegen und mit dem Übergangsgeld sich den Tag schön machen oder in der Wirtschaft beschäftigt und das fette Geld einstecken. CDU, ihr seid dafür verantwortlich, denn ihr seid seit langen die Regierungspartei in Sachsen. Die "Erfolge" sehen wir jetzt und hier. Ausbaden müssen es unsere Kinder bzw. Enkel. Wie heißt es doch vielfach, "Die Kinder sind das Beste, was wir haben. " Unter diesem Aspekt muß man obigen Bericht lesen.