24.06.2019 | 05:52 Uhr Quereinsteiger für Schulen in Sachsen reichen nicht

Schüler während einer Unterrichtsstunde.
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Quereinsteiger aus anderen Berufen sollten die offenen Lehrerstellen in Sachsen besetzen. Aber: es fehlen weiterhin Pädagogen. Zum Halbjahr konnten von den 600 offenen Stellen nur 438 besetzt werden, sagte Kultusministeriumssprecher Dirk Reelfs. Derzeit liefe die Einstellungsphase für das Schuljahr 2019/2020. Aktuelle Zahlen, wie viele Lehrer fehlen, gibt es laut Reelfs noch nicht. Mittlerweile brächen zwar weniger Quereinsteiger die Ausbildung zum Lehrer ab. Dennoch fehlten gerade auf dem Land Pädagogen.

Einstellungen für neues Schuljahr

Für das kommende Schuljahr will der Freistaat 1.101 neue Lehrer einstellen. Dafür haben sich bis Ende April 2.871 Interessenten beworben, mehr als 1.600 waren Seiteneinsteiger. Die meisten angehenden Lehrer wollten in den Ballungszentren Leipzig und Dresden unterrichten, sagte der Sprecher. Die Arbeitsstellen an Gymnasien seien zudem gefragter als die an Oberschulen oder Grundschulen.

Seit 2015 setzt Sachsen verstärkt Lehrer ein, die nicht auf Lehramt studiert und zuvor in einem anderen Beruf gearbeitet haben. Inzwischen habe etwa jeder zehnte der 32.000 Lehre in Sachsens Klassenzimmern einen anderen Beruf gelernt. Die Meinungen darüber sind geteilt: Befürworter freuen sich über frischen Wind in den Schulen, andere kritisieren, dass Arbeitszeit für die Einarbeitung der zusätzlichen Lehrer verschwendet werde.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Dasd Sachsenradio | 24.06.2019 | ab 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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9 Kommentare

26.06.2019 06:57 Grundschullehrer 9

Während der bis 17.04.19 laufenden Bewerbungsphase wurde mit "Landzulage" für neue Lehrer geworben. Auch dies war ein Grund, sich in Sachsen zu bewerben. Diese Reklame wurde jedoch still und heimlich aus dem Netz genommen, sodass sie für alle, die sich in diesem Jahr bewarben nicht mehr gilt. Auf Anfrage beim LASuB hieß es, dass es nun so umgesetzt wird, dass die Referendare diese bekommen. Im Übrigen galt diese Landzulage auch nicht für verbeamtete Lehrer. Auch bei der Verbeamtung kommt viel Unmut auf. So gibt es eine Vielzahl an Junglehrern, die monatelang keine Besoldung erhalten, weil die zuständigen Stellen die Bearbeitung noch immer nicht aufgenommen oder abgeschlossen haben. Zwar wird dies nachgezahlt, aber Fixkosten hat man jeden Monat, von eventuellen Studienkostenrückzahlungen, zu finanzierenden Kindern oder Kreditzahlungen ganz abgesehen. Oben genanntes stellt nur einen Bruchteil der Unstimmigkeiten dar. "Lehrer werden in Sachsen. Mit Leidenschaft."

25.06.2019 22:46 Jasmin 8

Also ich muss sagen, so richtig verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich habe meinen Meister in der Industrie vor einigen Jahren gemacht und möchte nun Lehrerin an einer Grundschule im ländlichen Raum werden. Wurde schon 4 mal abgelehnt, weil mein bildungsniveau zu gering war. Dass ich 11 Jahre lang auf der Schulbank saß, danach eine 3,5 Jahre lange Ausbildung gemacht habe und mich später während der Arbeit noch abends weitergebildet habe, interessiert niemanden.
Schade eigentlich.

25.06.2019 10:53 Frau S 7

Dieser Artikel bzw die Pressemitteilung des SMK suggeriert wieder genau das Falsche! Mir als gymnasialabsolventin wird keine Stelle angeboten. Gar nichts! In Dresden, wo angeblich kein Lehrermangel herrscht, werden wissentlich stellen an Gymnasien frei gelassen und Stunden gekürzt, um den Mangel an allen Schularten und Regionen gleich zu verteilen! (s. PVS Homepage) es ist skandalös, was hier abläuft !

25.06.2019 07:41 Ullrich 6

@ Geht's noch. Das Problem ist nicht, dass die älteren angestellten Lehrer nicht einarbeiten wollen. Sie sollen das in ihrer Freizeit tun, weil dafür kaum Arbeitszeit zur Verfügung gestellt wird.

24.06.2019 23:44 Geht's noch 5

"andere kritisieren, dass Arbeitszeit für die Einarbeitung der zusätzlichen Lehrer verschwendet werde." ... Das gehört einfach dazu... Ich werd's mal einem Chef so sagen , der lacht mich aus. So ein sinnloses Gequatsche.

24.06.2019 21:31 Andrea Lichter 4

Wie viele Artikel zum Lehrermangel wird es noch geben müssen, bis sich was ändert?
Ich habe mich bereits zweimal als Quereinsteigerin für die Oberschule beim LaSuB beworben und wurde zweimal mit der Begründung abgelehnt, dass ich mit meinem Master in Politik nicht einmal das Fach Gemeinschaftskunde unterrichten könnte. Wer weiß, wie viele andere Bewerber bereits auch abgelehnt wurden und dann ihr Glück in den alten Bundesländern Deutschlands suchen. Ich erinnere hier nur an einem Bewerber, der einen Doktor im Physik hat und das LaSuB seine Bewerbung ebenfalls ablehnte, weil er zu wenig Punkte in Mathematik hätte. Der abgelehnte Bewerber fand dann eine Stelle als Quereinsteiger zum Lehrer in Niedersachsen und unterrichtet eben dort Mathematik.
Der Lehrermangel in Sachsen wurde erst durch die Politik hausgemacht und wird weiter durch das schlechte Agieren des LaSuB künstlich am Leben erhalten.

24.06.2019 18:19 Frank von Bröckel 3

Lehrermangel nicht nur in Sachsen!

Dabei hat der demographische Wandel, indem extrem viele Lehrer der Baby Boomer Jahrgänge in den Ruhestand treten werden, noch nicht einmal richtig begonnen!

In den 2030er Jahren wird der Lehrermangel erst richtig seine volle Wirkung auf die deutschen Schulen haben!

Dem demographischen Wandel sei DANK!

24.06.2019 15:05 Lehrer aus Sachsen 2

Lieber MDR,
vielleicht sollte ihr euch mal konkreter mit dem Einstellungsverfahren in Sachsen beschäftigen. Sollte es stimmen, was man da so von Referendaren hört wäre dies skandalös. Viele bekommen immernoch kein Übernahmeangebot. Einigen wurde gesagt, dass Bewertber aus anderen Bundesländer bei passender Fächerkombination bevorzugt werden. Die Art und Weise wie das LaSuB mit Referendaren umgeht soll wohl mehr als Respeklos sein.

24.06.2019 11:42 Der Denker 1

Es wird aber bei der Studienplatzvergabe weiter auf den NC gesetzt, anstatt sächsische Studienbewerber den Vorrang zu geben und Anwärter mit ausdrücklichem Wunsch in ländlichen Gebieten zu bleiben, werden nicht beachtet.

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