Demonstration gegen Lehrermangel
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Bildung Lehrermangel zum Schulstart in Sachsen

Noch können Sachsens Schüler den Sommer genießen. Doch die Ferien neigen sich dem Ende zu. Am Montag geht die Schule wieder los. Und ganz reibungslos wird dieser Schuljahresstart nicht verlaufen, darauf hat am Donnerstag der Kultusminister Eltern und Lehrer eingestimmt. Denn der Lehrermangel wird noch deutlicher als jemals zuvor spürbar werden, etliche Schulen werden zumindest teilweise die Stundentafeln kürzen müssen, weil nicht alle offenen Stellen besetzt werden konnten. 

von Daniela Kahls

Demonstration gegen Lehrermangel
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Für 230 offene Lehrerstellen in ganz Sachsen konnten keine neuen Lehrer gefunden werden. Zum ersten Mal startet der Freistaat mit einer so großen Zahl an unbesetzten Lehrerstellen ins Schuljahr. Kultusminister Christian Piwarz weiß, dass das die Schulen vor Herausforderungen stellen wird: "Es wird ohne Zweifel ein nicht ganz leichtes Schuljahr werden. Wir müssen mit den Hypotheken der Vergangenheit umgehen und werden das bestmöglich tun."

Mit Hypotheken der Vergangenheit meint der CDU-Minister, dass seine Amtsvorgänger viel zu spät dem drohenden Lehrermangel entgegengesteuert haben. Erst in diesem Frühjahr hat die Regierung sich zu umfassenden Maßnahmen durchgerungen, um den Lehrerberuf in Sachsen attraktiver zu machen, unter anderem durch die Verbeamtung von jungen Lehrern. Das wird jedoch erst im nächsten Jahr in die Tat umgesetzt werden können. Große Effekte bei der jetzigen Einstellungswelle seien deshalb auch nicht zu erwarten gewesen, meint der Minister.

Immerhin konnten von 1.100 offenen Stellen 870 Stellen besetzt werden. Insgesamt liegt die Seiteneinsteigerquote dieses Schuljahr bei 35 Prozent. Vor allem bei Ober-, Grund- und Förderschulen ist der Lehrermangel so gravierend, dass einige Schulen an Kürzungen in der Stundentafel nicht vorbei kommen werden. Das räumt Kultusminister Piwarz ein:

Christian Piwarz
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Es ist klar, dass wir in so einer angespannten Situation den Ergänzungsbereich reduzieren, zum Teil auch gegen Null fahren müssen. Wir werden jedoch alles daran setzen, um Kürzungen im Grundbereich zu vermeiden. Das ist, glaube ich, die Hauptaufgabe, die sich für uns stellt.

Christian Piwarz Kultusminister Sachsen

Zum Ergänzungsbereich gehören beispielsweise Förderstunden oder Projekte. Zum Grundbereich gehören alle Fächer, die laut Lehrplan unterrichtet werden müssen. Es werde wohl von Schule zu Schule geschaut werden müssen, sagt der Kultusminister, welche Einschnitte man vornehmen muss. Regional sind jedoch nach wie vor Ostsachsen und der Raum Chemnitz vor allem vom Lehrermangel betroffen. Die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Uschi Kruse, meint, es sei ein Armutszeugnis, wenn nun auch der Grundbereich nicht mehr abgesichert werden könne:

Die GEW-Landesvorsitzende Ursula-Marlen Kruse
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Vor jeder Klasse wird ein Lehrer stehen. Das kann man wohl aufrechterhalten. Allerdings nicht, dass vor jeder Klasse in jeder Stunde ein Lehrer steht. Das ist schon lange nicht mehr der Fall, auch nicht im kommenden Schuljahr.

Uschi Kruse Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW

Sowohl die Gewerkschaft als auch der Kultusminister hoffen deshalb, dass das geplante Handlungsprogramm bald greifen wird. Wobei über Details hinter den Kulissen noch heftig diskutiert wird. So oder so warnt Kultusminister Piwarz vor übertriebenen Hoffnungen: Erst in den nächsten Jahren werde eine Verbesserung der Situation eintreten, so der Minister. Er verweist jedoch auf positive Entwicklungen, die jetzt schon sichtbar werden: Das neue Schuljahr beginnt mit mehr Schülern und insgesamt zehn neuen Schulen in Sachsen.

"Dass  im öffentlichen Bereich, gerade in den großen Städten, neue Schulen ans Netz gehen, wissen wir. Ich will daher ausdrücklich noch einmal betonen, dass wir in Sachsen zum ersten Mal im ländlichen Raum wieder eine Oberschule neu eröffnen. Die Oberschule in Klingenthal wird jetzt ans Netz gehen. Die Zeit der Schulschließungen ist vorbei."

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.08.2018 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 09. August 2018, 21:34 Uhr

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11 Kommentare

11.08.2018 11:29 Robert Musil 11

Warum nicht gleich die Schulen schließen? Dann gibt's auch keinen Lehrermangel mehr. Problem gelöst. Und die Kinder könnten sich dann endlich ebenfalls produktiv am monetären Wachstum der reichen Ober- und Superschicht beteiligen. Früher hätte man so etwas Kinderarbeit genannt, heute würde ich diesen Unterrichtsersatz als "praktisches Erfahren" bezeichnen.

10.08.2018 17:11 pkeszler 10

Seiteneinsteiger sind sicherlich nur eine Notlösung. Als Chemie und Biologielehrer kann ich mir nicht vorstellen, flexibel in verschiedenen Schulen eingesetzt zu werden. Da ist der Unterricht nur sinnvoll, wenn der betr. Stoff auch über mehrere Schuljahre kontinuierlich nach einem Plan durchgeführt wird.
Aber unbestritten ist die gesamte Bildungspolitik unseres Staates, der es hauptsächlich an Weitsicht und Kontinuität fehlt.

10.08.2018 15:37 Enrico 9

Der aktuelle Lehrermangel ist angeblich den falschen Prognosen des statistischen Bundesamtes geschuldet. Warum wurden diese Prognosen aber nicht regelmäßig mit den tatsächlichen Geburtenzahlen abgeglichen? Diese Zahlen sollten exakt sein, den es ist ja so, das ein neugeborenes Kind schon den Brief mit seiner lebenslang gültigen Steuernummer im Briefkasten hat bevor es überhaupt die Klinik verlassen hat.
Auch wenn es dann noch das Problem gibt, das eine Lehrerausbildung sieben Jahre dauert und unter Umständen die Lehrerzahl an den Grundschulen nicht hundertprozentig gewährleistet werden kann, an den weiterführenden Schulen dürfte nicht ein Lehrer fehlen. Für jeden Geburtsjahrgang hat man dafür zehn jahre Zeit, um dies zu gewährleisten.

10.08.2018 11:17 Bernd L. 8

Ich halte Piwarz ebenso für wenig kompetent, aber an der Lehrermisere trägt er wenig Schuld. Die Ursache liegt im rotgrün geprägten Unisystem, dass einfach zu wenig Lehrer ausgebildet hat (vor allem in den NaWi), dafür viel in völlig nutzlose Studienrichtungen steckt. Wie so oft im Leben: Man erntet meist, was man sät.

10.08.2018 09:41 Leipzig 7

Diese CDU Versager Gilde gehört nächstes Jahr abgewählt .
Im Interesse unserer Kinder .

10.08.2018 08:46 ralf 6

Wo ist denn unser Ministerpresident Kretsche..... ist abgetaucht wenn es um Misstände
geht.
Er erscheint nur zu schönen Fototerminen die anderen Sachen müssen ja nicht sein!!!

10.08.2018 06:50 Der Wolf 5

... Piwarz, CDU-Versager und Bildungs"experte",...

10.08.2018 06:48 Der Wolf 4

Nichts Neues unter der Sonne: Piwarz, CDU-Versager und Bildungs"experte" hat das Erwartete geliefert - Pfusch. Wie lange muten wir uns die Staatspartei und ihre Wasserträger eigentlich noch zu?

09.08.2018 23:11 real_silver 3

Es war so klar. Und dann über Fachkräftemangel jammern und man holt sich Leute aus Arabien her, die das ganze beheben sollen - es aber nur verschlimmern. Wenn "unsere" Regierung endlich mal das durch unsere Bevölkerung erarbeitete Geld auch wirklich für eben diese einsetzen würde, sähe die Sache anders aus. Für Bildung, Familien. Aber man verschleudert es lieber für alles andere - nur nicht für Deutschland und seine Bevölkerung. Schande!

09.08.2018 21:38 Hempel U. Sofa 2

Gab's früher ein Fach mit der Bezeichnung "Politikversagen"?
Was die alten Männer und Frauen in der Politik so geleistet haben ist dort wohl gelehrt worden. Damals gab's immerhin noch genug fähige Lehrer für dieses Fach.

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