Flughafen Leipzig/Halle Erneuter Abschiebeflug nach Afghanistan

Nach MDR-Informationen soll vom Flughafen Leipzig/Halle am Abend eine Maschine mit abgelehnten Asylbewerbern Richtung Afghanistan abheben. Die Flüchtlingsräte von Sachsen und Sachsen-Anhalt kritisierten die Abschiebungen als gedankenlos und riefen für den Nachmittag zu Protesten am Flughafen auf.

Der Bayerische Flüchtlingsrat informierte über den Nachrichtendienst Twitter als erster über die geplante Abschiebung. Sprecher Stephan Dünnwald sagte, er wisse bisher von drei Abschiebekandidaten aus Bayern, zwei aus Baden-Württemberg und einem aus Rheinland-Pfalz. Nach MDR-Informationen schiebt Sachsen niemanden ab.

Kein Kommentar von Bund und Ländern

Afghanische Behörden bestätigen derweil die geplante Ankunft eines aus Deutschland kommenden Fluges mit abgelehnten Asylbewerbern an Bord für Dienstagmorgen. Eine Quelle aus dem Flüchtlingsministerium in Kabul sagte, man sei benachrichtigt worden, dass ein Flug mit maximal 50 Passagieren ankommen werde. 50 ist die mit der deutschen Regierung abgesprochene Obergrenze für Abschiebeflüge. Wieviele Menschen genau an Bord sein werden, ist nicht bekannt. Bund und Länder kommentieren anstehende Abschiebeflüge grundsätzlich nicht.

Protestaktion angekündigt

Die Flüchtlingsräte Sachsens und Sachsen-Anhalts haben den geplanten Abschiebeflug nach Afghanistan scharf kritisiert und sprachen von "willfährigen Abschiebungen in ein Kriegsgebiet". Die vom Flughafen Leipzig/Halle aus geplanten zwangsweisen Rückführungen seien an Absurdität nicht zu überbieten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung: "Letzte Woche werden beim afghanischen Neujahrsfest Naurus mindestens 26 Menschen durch einen Anschlag in Kabul getötet, heute sollen Menschen genau dahin abgeschoben werden." Flüchtlingsräte und weitere Aktivisten und Unterstützer haben für Montagnachmittag zu einer Protestaktion am Flughafen aufgerufen.

Bundeswehr-Einsatz verlängert

Nach einem schweren Bombenanschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017 hatte die Bundesregierung Abschiebungen beschränkt auf Straftäter und Gefährder - also Menschen, denen die Behörden terroristische Taten zutrauen - sowie Menschen, die sich "hartnäckig einer Identitätsfeststellung verweigern". Abschiebungen bleiben aber umstritten, weil sich in Afghanistan der Konflikt mit den radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat seit Ende der Nato-Kampfmission drastisch verschärft hat. Die Bundeswehr ist bereits seit mehr als 16 Jahren in Afghanistan im Einsatz, inzwischen nur noch zur Ausbildung der afghanischen Truppen. Erst vergangene Woche hatte der Bundestag die Verlängerung des Einsatzes um ein Jahr beschlossen.

Quelle: MDR/dpa/lm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.03.2018 | 15:30 Uhr Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2018, 17:32 Uhr

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36 Kommentare

27.03.2018 09:19 irrsinnig 36

Die Damen und Herren vom Flüchtlingsrat sollte man gleich mit in den Flieger setzen.

27.03.2018 08:08 D.o.M. 35

@Andrea Heiß33: Sagen Sie das bitte den Eltern jener Mädchen, die friedlich auf Afghanen zugegangen sind und es dann teuer bezahlt haben.

Und was Ihre Kenntnisse des Kriegsgebietes angeht. Geben Sie mal die Suchbegriffe "Afghanistan" und "Skiparadies" ein. Ich weiß nicht, was unmenschlich daran ist, jemanden dorthin zu schicken.

27.03.2018 07:43 Ludwig 34

"... Wieviele Menschen genau an Bord sein werden, ist nicht bekannt. Bund und Länder kommentieren anstehende Abschiebeflüge grundsätzlich nicht."
Wie bitte? Richtig müsste es heißen, "selbstverständlich ist bekannt, wieviele Menschen an Bord sein werden. Die verantwortlichen Politiker wollen es dem Volk jedoch nicht mitteilen."
Will man auf diese Weise verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen?

27.03.2018 06:56 Andrea Heiß 33

Wer hier so fleißig kommentiert in der Überzeugung, sich mit Flüchtlingsrat und afghanischen Flüchtlingen auszukennen, der sollte sich besser informieren. Stellt Euch ganz einfach vor, Ihr werdet in ein Kriegsland zurückgeschickt, wovor Ihr unfreiwillig geflüchtet seid. Geht friedlich auf Afghanen zu und bildet Euch bitte erst dann eine Meinung!

27.03.2018 02:29 Andreas 32

Bin natürlich auch dafür das die Menschen die sich für Kriminelle die abgeschoben werden sollen einsetzen auch mal Belohnt werden sollen.
Jeder bekommt 2 bis 4 mit nach Hause. Das war mit Sicherheit dann Ihre letzte Demo.

26.03.2018 23:47 Werner 31

Wieso "Flug"?
Sie sollen zu Fuß gehen oder per Anhalter fahren. Warum sollen wir dafür zahlen, dass sie wieder nach Hause kommen? Gehts noch, die sind hier illegal hergekommen. Das ist doch nicht unser Problem, wie sie wieder nach Hause kommen. Sollen es ihre Botschafter zahlen.

26.03.2018 23:25 mark 30

@22 Ich denke die Mehrheit sind Kaukasier mit russischen Pass , die der friedlichsten Religion zugehörig ! Es gibt viele Staaten die froh sind wenn ihre straffälligen Staatsangehörige in den Westen verschwinden . Der Westen bietet es doch an , es geht sogar soweit das sich immer mehr Flüchtlinge anzeigen in ihrem Heimatland eine Terrorgruppe unterstützt zu haben , um hier länger Asyl zu genießen ... Man kann auch sagen diese Personen haben keine Reisedokumente und aus Asyl wird Duldung und aus Duldung wird Asyl...

26.03.2018 23:18 Mediator an Norbert (24) 29

Ihre Argumentation bezüglich des Bundeswehreinsatze in Afghanistan ist absolut unlogisch! Unsere Soldaten sind in Afghanistan nicht zur Erholung, sondern eben genau weil dort ein innerstaatlicher bewaffneter Konflikt tobt.
Wer nicht einmal diese einfache Wahrheit akzeptieren kann, der ist in meinen Augen nicht an einer wirklichen sachorientierten Diskussion interessiert.

Annsonsten finde ich ihren Hinweis auf Kandel pietätlos! Glauben sie nur weil man Kandel, Köln oder Breitscheidtplatz buchstabieren kann muss man keine Argumente mehr bringen? Ich denke keines der an diesen Orten zu beklagenden Opfer will oder wollte von Rechtspopulisten und schlimmeren Zeitgeossen für ihre Propaganda missbraucht werden.

26.03.2018 22:55 Wachtmeister Dimpfelmoser 28

Wer wird denn jetzt abgeschoben? Einer oder alle beide?

26.03.2018 22:46 Rico 27

@Nr.22 ...und jetzt bitte noch der Expertenkommentar zu den anderen straffälligen Staatsangehörigen!