A 72 Teilstück Borna
Seit Sonnabend wird der Verkehr über eine Fahrbahn geführt. Die Gegenfahrbahn in Richtung Chemnitz muss noch gebaut werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Teilstück freigegeben A72 führt jetzt bis Borna-Nord

Seit Sonnabend rollt der Verkehr auf einem neuen Teilstück der Autobahn A72. Auf dem Abschnitt zwischen Borna und Rötha gibt es auf 1,7 Kilometern je eine Fahrspur pro Richtung. Die endgültige Fertigstellung der Verbindung zwischen Chemnitz und Leipzig dauert noch Jahre.

A 72 Teilstück Borna
Seit Sonnabend wird der Verkehr über eine Fahrbahn geführt. Die Gegenfahrbahn in Richtung Chemnitz muss noch gebaut werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Südraum von Leipzig ist am Sonnabend ein neues Teilstück der Autobahn A72 freigegeben worden. Auf dem Abschnitt zwischen Borna und Rötha - konkret zwischen Borna-Süd und Borna-Nord - gibt es auf 1,7 Kilometern je eine Fahrspur pro Richtung. Nachdem am Morgen nur wenige Fahrzeuge den neuen Abschnitt befuhren, rollte am Mittag der Verkehr.

Die insgesamt 62 Kilometer lange Autobahnverbindung vom Bayerischen Vogtland über Chemnitz bis Leipzig entsteht seit 2003 Stück für Stück. Der Abschnitt von Borna-Nord bis Rötha ist insgesamt zehn Kilometer lang. In den kommenden Monaten sollen die Fahrbahn Richtung Chemnitz und bis Ende 2018 der dann vierspurige Abschnitt bis Rötha folgen. Die Kosten sind mit rund 125 Millionen Euro veranschlagt. Mit der Fertigstellung des Abschnittes bis Rötha wird die Gemeinde Espenhain laut Wirtschaftsministerium vom Durchgangsverkehr entlastet. Die Anwohner von Borna, Kesselshain und Gestewitz werden durch Lärmschutzwände geschützt.

Neues Teilstück A72 Borna-Rötha
Die Ruhe vor dem Sturm: Die A72 einen Tag vor der Freigabe. Bildrechte: Mario Unger

Schwieriges Gelände

Die Strecke zwischen Rötha und der A38 verläuft über schwierigen Untergrund. 90 Prozent der Trasse wird auf früherem Tagebaugelände errichtet. "Das macht die Sache teuer", sagte Projektleiter Klaus-Peter Lechner. Das Kippengelände müsse über die sogenannte Rüttelstopfverdichtung stabilisiert werden.

Der noch fehlende Anschluss zur A38 südlich von Leipzig soll ab Herbst gebaut und 2026 fertig sein. Für die sieben Kilometer lange Strecke sind aktuell Kosten von 224,5 Millionen Euro kalkuliert.

Erheblicher Bauverzug des Gesamtprojektes

Eigentlich sollte die Autobahn zwischen Chemnitz und Leipzig schon zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fertig sein. Als damals nur ein kurzes Teilstück bei Chemnitz befahren werden konnte, prognostierte der damalige Regierungspräsident Karl Noltze: "So wie ich es jetzt einschätze, 2010. Wenn es gutgeht."

Und selbst das war viel zu optimistisch. Die Autobahn wuchs nur im Schnecken- statt im Eiltempo. Immer wieder klagten Anwohner oder Umweltschützer gegen die Baupläne. Seltene Tiere seien bedroht wie heller und dunkler Wiesenkopf-Ameisenbläuling. Und dann kam auch noch der schlecht tragfähige Baugrund in ehemaligem Braunkohletagebaugelände dazu, der den Autobahnbau weiter verzögert hat.

200 Millionen Euro Mehrkosten

Doch nicht nur die Dauer der Bauarbeiten sorgt für Kritik, sondern auch die Kosten. Grünen-Bundestagsmitglied Stephan Kühn ließ sich im vergangenen Jahr mal die Kosten zukommen. Fazit: 200 Millionen Euro Mehrkosten im Sommer 2017. Kühn erklärte dmals: "Der Freistaat Sachsen nimmt in der Liste der kostenmäßig aus dem Ruder gelaufenen Straßenbauvorhaben ein Spitzenplatz ein. [...] Dass die Trasse hier zu 80 Prozent über die ehemaliges Kippengelände des Tagebaus Espenhain führt, war den Planern vorher klar. Zusammen mit den weiteren im Bau befindlichen Abschnitten und dem 2013 fertiggestellten Teilstrecke Frohburg – Borna addieren sich die Kostensteigerungen bei der A 72 auf bisher 195,2 Millionen Euro. Was der Bund allein bei diesen drei Autobahnabschnitten an Geld bis heute nachschießen musste, übersteigt, die veranschlagten Kosten für die ausstehende Elektrifizierung der Bahnstrecke Leipzig - Chemnitz."

Neubau der Bundesautobahn A72 Chemnitz - Leipzig Mit dem Neubau der ca. 62 Kilometer langen A72 soll der Südraum von Leipzig erschlossen werden, insbesondere dessen Anbindung an wirtschaftliche Regionen in West- und Südsachsen. Die neue A72 soll die stark frequentierte B95 entlasten.

Der erste Abschnitt vom Autobahnkreuz Chemnitz bis Niederfrohna wurde 2006 fertiggestellt, der zweite von Niederfrohna bis Rathendorf im Jahr 2011 und der dritte Abschnitt Rathendorf bis Borna 2013. Seit Mitte 2013 wird der nächste Abschnitt zwischen Borna und Rötha gebaut, dessen erster Abschnitt Ende Juni 2018 freigegeben wurde. Bis Ende 2019 soll der zweite Teil folgen. Ab Herbst 2018 soll zudem der Bau von Rötha bis zur A38 beginnen. Dei Fertigstellung ist Ende 2026 geplant.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 30.06.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.06.2018 | ab 08:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2018, 20:46 Uhr

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3 Kommentare

02.07.2018 14:59 Krüger Marcus 3

Bauende der A72 im Jahr 2026?????Ich glaube das mit Bau-Ende 2026 erst, wenn ich 2026 von Chemnitz nach Leipzig über die komplette A72 fahren kann. Das ganze Theater mit der A72 können wir den sogenannten Umweltaktivisten verdanken. Denn die haben die Verzögerung verursacht. Ebenso unsere glorreiche Bundesregierung. Für Hunz und Kunz und den Banken ist Geld genug da, aber für wichtige Dinge wie eben der Neubau der A72, da fehlt das dann. Oder es wurden anderweitige Haushaltslöcher mit dem Geld gestopft. Grosse Projekte zu planen, zu finanzieren und zu realisieren ist in Deutschland immer wieder ein Trauerspiel. Das Paradebeispiel dafür steht in Berlin-Schönefeld. Oder Stuttgart 21,um nur zwei Katastrophen zu nennen. Da kann man sich von den Schweizern mit Ihrem Gotthard-Basistunnel mal ne Scheibe von abschneiden. Da wird vernünftig geplant, finanziert, gebaut und ein Projekt fertiggestellt. Und in Deutschland???

02.07.2018 09:28 Pendler 2

Ich bin heute wegen der Vollsperrung A14 mal via Chemnitz nach Leipzig gefahren und musste, wie alle anderen auch, in Borna Nord von der A72 abfahren. Bis Rötha geht da aktuell (2.7.) nix...auch nicht einspurig! So sieht man es auch auf dem 1. Bild! Keine Ahnung wie ich die ersten 2 Sätze in diesem Artikel verstehen soll!?

[Vielen Dank für den Hinweis. Die zuständigen Kollegen sind informiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de Redaktion]

01.07.2018 00:47 Na so was 1

Nur mal so nebenbei. Zu obigen Bericht über die Fertigstellung eines 1,7 km "langen Teilstückes" der A72 war bereits einmal die Kommentarmöglichkeit freigegeben. Dann wurden die bereits veröffentlichten Kommentare gelöscht und das Kommentarschreiben zum gleichen Thema begann wieder von vorn. Ist es möglich, dass ein Mitarbeiter von MDR.DE uns allen das mal verständlich erklären kann ? Am Besten die- oder derjenige, der das angeordnet hat. Dieser "schnelle Bau", der auf der gesamten Strecke 2006 fertig sein sollte, ist nun für Ende 2026 geplant. Also erstmal rund 20 Jahre Bauverzug. Ich habe mit Absicht "erstmal" geschrieben. Es fehlen einem die Worte über diese Arbeitsweise.

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