Zwischenbilanz Badesaison Badeunfälle in Sachsen: Zu viel Alkohol, Imponiergehabe oder Leichtsinn

Kaum ist es heiß, müssen Lebensretter in Sachsen fast jeden Tag Badeopfern helfen. So auch am Mittwochabend, als ein junger Mann von einer Klippe im Steinbruch bei Ammelshain gesprungen war. Doch in vielen Fällen kommt die Hilfe zu spät. Vier von fünf Badeopfern sind Männer. Sie überschätzen sich oft vor dem Sprung ins kalte Wasser.

Jugendliche springen von einem Steg aus in den Kulkwitzer See in Markranstädt bei Leipzig
Kopfsprünge ins Wasser sollten Badende nur an gesicherten und bewachten Badestellen machen und wenn sie das Gelände kennen, rät die DLRG. Bildrechte: dpa

Ein 20 Jahre alter Mann ist in den Steinbruch Ammelshain bei Leipzig gesprungen und hat sich dabei verletzt. Ein Polizeisprecher sagte MDR SACHSEN, der Mann habe das Wasser verfehlt und sei auf einem Felsen aufgeschlagen. Rettungskräfte stabilisierten den Mann und brachten ihn auf einem Rettungsboot über das Gewässer ans Ufer und ins Krankenhaus. Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG ) ereignen sich erfahrungsgemäß im August die meisten Badeunfälle mit Querschnittlähmungen, etwa durch einen leichtfertigen Kopfsprung in flache Gewässer oder Saltos in den Pool.

Vom See in den Rollstuhl

Hans Jürgen Gerner, emeritierter Direktor der Heidelberger Universitätsklinik für Orthopädie II, registrierte seit dem Jahr 1976 weit mehr als 1.800 Querschnittlähmungen vom Hals abwärts durch Badeunfälle. Betroffen sind nach den Statistiken der Experten und Lebensretter der DLRG sowie des Deutschen Roten Kreuzes in fast allen Fällen junge Männer zwischen 16 und 25 Jahren. "Sie springen aus Imponiergehabe, wegen einer Mutprobe oder aus Leichtsinn. Sehr oft ist dabei Alkohol im Spiel", weiß Hans Jürgen Gerner.

Hauptsächlich Männer Badeunfall-Opfer

Männer auf einem Kahn suchen in der Neiße nach dem Jungen.
Vorige Woche ertrank ein Jugendlicher in der Neiße auf deutscher Seite. Rettungskräfte aus Sachsen und Polen halfen bei der Suche. Bildrechte: xcitepress

Der Bade-Unfall im Ammelshainer Steinbruch ist nur einer von vielen, den die Polizeidirektionen in Sachsen in den zurückliegenden Wochen vermelden mussten. Die Zahl der Badetoten im Freistaat mit Stand 20.7.2018 bei zwölf, teilte die DLRG mit. Seitdem hat MDR SACHSEN über mindestens fünf weitere tödliche Badeunfälle berichtet. Bundesweit sind in den ersten sieben Monaten des Jahres bereits knapp 300 Menschen ertrunken. "Hatten wir im letzten Jahr durch den eigentlich nicht vorhandenen Sommer vergleichsweise geringe Ertrinkungszahlen, beweisen die anhaltenden Temperaturen und das schöne Wetter einmal mehr, dass es leider auch in die andere Richtung gehen kann", beklagte der DLRG-Sprecher Achim Wiese.

Mehr als 80 Prozent aller Badeopfer seien Männer, 19 Prozent Frauen. Die Leipziger Rettungsschwimmerin Marianne Starke überrascht das nicht: "Das liegt vor allem an der Selbstüberschätzung, Männer möchten ja häufig was beweisen."

Quelle: MDR/kk/afp

Dieses Thema im Programm des MDR MDR Aktuell | 01.08.2018 | 07:24 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 02. August 2018, 20:50 Uhr

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