Streckenausbau in Sachsen Deutsche Bahn investiert 420 Millionen

Mehr Qualität und Kapazität - das hat sich die Deutsche Bahn auf die Fahne geschrieben. Um dieses Ziel zu erreichen, will der Konzern rund 420 Millionen Euro in diesem Jahr für das Schienennetz in Sachsen ausgeben. Davon profitiert vor allem auch die Stadt Leipzig. Denn hier laufen gleich mehrere Großprojekte zusammen.

Ein ICE hält im Leipziger Hauptbahnhof.
Bildrechte: IMAGO

Bequem, günstig und vor allem schnell - so kommen Reisende am liebsten ans Ziel. Damit das klappt, braucht es eine Menge Organisation, aber auch zeitnahe Verbindungen und zügige Züge. Das alles sind Baustellen, an denen die Deutsche Bahn momentan noch arbeitet. Damit das alles in Zukunft besser klappt, will der Konzern mehrere hundert Millionen Euro in das sächsische Streckennetz und seine Großprojekte investieren.

Die aktuellen Pläne dazu wurden am Donnerstag in Leipzig vorgestellt. Und das sind die Schwerpunkte:

Berlin – Leipzig – München

In drei Stunden und 15 Minuten von Leipzig nach München – das ist das Ziel der Deutschen Bahn. Nach Angaben des Konzerns ist der Streckenausbau zwischen Berlin und München das größte deutsche Bahnprojekt der Nachwendezeit. Bis zum Ende der Bauarbeiten werden in Sachsen 14 Kilometer neue Gleise sowie 80 Weichen und rund 50 Kilometer Oberleitungsanlagen verbaut. Noch im Dezember 2017 sollen wesentliche Teile der Strecke in Betrieb gehen.

Allerdings nur dann, wenn der Bahnknoten Leipzig umgebaut ist. Denn noch fahren die Züge verhältnismäßig langsam durch die Stadt. Wichtig ist auch das elektronische Stellwerk in Mockau. Das soll Ende November an das Netz angeschlossen werden. Fertig sind hingegen schon einige extra lange Bahnsteige von 410 Metern im Leipziger Hauptbahnhof.

Leipzig – Dresden

Ein weiteres Aushängeschild für die Bahn in Sachsen verbirgt sich hinter der Abkürzung VDE 9 - "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 9". Zurzeit braucht man von Leipzig aus eine Stunde und zehn Minuten nach Dresden – in ferner Zukunft soll das dank Tempo 200 schneller gehen. Wann genau, steht noch nicht fest.

Grund dafür ist nach Angaben der Bahn, dass die Planung des Bundesverkehrsministeriums noch nicht steht. In letzter Zeit wurde auch immer wieder gemutmaßt, ob der Bahnhof Riesa in Zukunft noch angefahren wird. Dazu hieß es am Donnerstag von der Bahn, Riesa werde selbstverständlich weiter zur Strecke gehören. Eine Umfahrung sei definitiv nicht geplant.

Sachsen-Franken-Magistrale

Auf dem Plan für das laufende Jahr steht auch die Modernisierung der Bahnstrecke zwischen Markkleeberg und Lehndorf. Unter anderem will die Bahn hier Brücken, Gleise und Weichen erneuern. Außerdem sollen die Bahnhöfe Markkleeberg-Gaschwitz, Borna, Neukieritzsch und Großdeuben modernisiert und barrierefrei werden. Die Bauarbeiten am Teilabschnitt des sogenannten Leipzig-Asts sollen bis 2019 beendet sein.

Zukunftsmusik in Leipzig und Chemnitz

SPD-Kandidat Burkhard Jung
Bildrechte: PR Burkhard Jung

Die Bahn äußerte sich auch zum Vorstoß von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung. Der hatte erst kürzlich mit einer Idee für Aufsehen gesorgt: Er wünscht sich einen zweiten Citytunnel für die Stadt. Der soll dann den Bahnverkehr auf der Ost-West-Achse kanalisieren. Lutz Winkler von der DB Netz-AG begrüßt den Vorstoß: "Richtig ist, sich Gedanken darüber zu machen. Ob ein Tunnel in Ost-West-Richtung das geeignete Mittel ist, das müssten Gutachter näher untersuchen."

Schon sehr viel länger wird über die Elektrifizierung der Strecke zwischen Leipzig und Chemnitz gesprochen und gestritten. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde das Projekt endgültig scheitern. Laut Bahn-Konzern prüft ein Gutachter des Bundesverkehrsministeriums aber zurzeit, ob das Projekt eine Zukunft hat. Auch Sachsens Verkehrsministerium wartet ungeduldig auf eine Entscheidung. Auf Anfrage des MDR hieß es aus dem Ministerium: "Wir sind uns einig, dass der Bund endlich seine Bewertung der Schienenmaßnahmen des Bundesverkehrswegeplanes vornehmen muss."  

Vollsperrungen und Behinderungen im November

Auf Leipziger Pendler kommen wieder schwere Zeiten zu. "Wir mussten in den vergangenen Monaten mehrfach den Leipziger Hauptbahnhof wegen der Einbindung der Leit- und Sicherungstechnik in die elektronischen Stellwerke total sperren", sagt Eckart Fricke von der Deutschen Bahn. "Das wird uns auch in diesem Jahr im November noch einmal passieren. Ab dem 23. November soll der Hauptbahnhof für acht Tage schließen. Zur Fahrplanumstellung am 10. Dezember soll wieder alles in geregelten Bahnen laufen.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch in Radio und Fernsehen: MDR 1 RADIO SACHSEN Nachrichten| 09.03.2017 | 13:00 Uhr

MDR SACHSENSPIEGEL| 09.03.2017 | 19:00 Uhr

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8 Kommentare

10.03.2017 13:50 Ulrich Neef 8

Weitere Investitionen in ICE-Schnellfahrstrecken erforderlich

Die Franken-Sachsen-Magistrale (Strecke Nürnberg - Leipzig/Dresden) sowie die Strecken Chemnitz - Leipzig und Plauen - Cheb können auf Grund ihres sehr kurvigen Streckenverlaufes nicht mit zeitgemäßen hohen Geschwindigkeiten befahren werden, weshalb die DB AG hier keinen IC- bzw. ICE-Verkehr anbietet und eine Elektrifizierung der bestehenden Strecken allein daran nichts ändern wird. Es ist daher unbedingt der Bau einer geraden ICE-Schnellfahrstrecke Nürnberg - Plauen - Gera - Leipzig erforderlich, welche durch 3 weitere ICE-Schnellfahrstrecken Plauen - Zwickau - Chemnitz - Dresden, Chemnitz - Leipzig sowie Plauen - Cheb ergänzt wird.

In Leipzig muss der 2. Citytunnel kommen. Beide Leipziger Citytunnel sollten 4-röhrig ausgebaut werden, damit diese neben dem S-Bahn-Verkehr auch den Fernverkehr mit aufnehmen können.

10.03.2017 13:39 Ulrich Neef 7

Schlechte Anschlüsse in Zwickau und in Leipzig

Heute dauert eine Fahrt zwischen Plauen über Zwickau und Leipzig und Berlin mehr als 4 Stunden pro Richtung, weil in Zwickau beim Umsteigen von der RE-Linie Hof - Dresden zur Linie S 5X und umgekehrt eine Übergangszeit von einer halben Stunde und in Leipzig beim Umsteigen von der S-Bahn zum ICE nach Berlin und umgekehrt eine Übergangszeit von einer Dreiviertelstunde vorhanden ist. Würde man die Fahrzeiten der Linie S 5X um 30 Minuten verschieben, so wäre in Zwickau ein direkter Umstieg möglich und in Leipzig die Übergangszeit nur noch ca. 15 Minuten in deren Folge sich die Fahrzeit zwischen Plauen und Leipzig auf 3 Stunden in beiden Richtungen verkürzen würde.

10.03.2017 12:12 Tom 6

Umfahrung Knoten Riesa war schon Anfang der 90er angedacht. Wegen enormer Kosten und Eingriffe in Natur & Schutzgebiete aber sein gelassen! in den nächsten Jahren soll dann zwischen Riesa & Leckwitz(Nünchritz) auf 200km/h ausgebaut werden! Der Rest sollte soweit fertig sein zwischen L & DD!

10.03.2017 09:39 Bahnfahrerin 5

Das in der Bundeslandshauptstadt auf nur 1 Strecke ICE fährt und gerade so 2 weitere Strecken in den Westen gehen, wird immer schön untern Tisch gekehrt!
Die 1 Stunde nach Leipzig kommt auch nur hin wenn man ICE fährt.Ansonsten ist man 2h mit dem unbequemen,überfüllten und immer kalten Saxoniaexpress unterwegs.

toller Fortschritt...

09.03.2017 20:10 Paulchen 4

"Bequem, günstig und vor allem schnell" mag ja sein, aber alle oben stehenden Projekte orientieren sich an einem einzigen zentralen Knoten, Leipzig. Was, wenn man nicht dort wohnt? Mit den immer weniger werdenden Privatbahn-Bummelzügen hinfahren und lange auf einen unsicheren Anschluss warten? Oder doch wieder auf das Auto umsteigen? Alles nicht zu Ende gedacht und Verkehrsverlagerung von der Schiene auf die Straße (Busse). Man vergleiche mit dem vorbildlichen Bahnverkehr in der Schweiz. Übrigens, die "Sachsen-Franken-Magistrale" ist auch etwas anderes als der Artikel suggeriert, eigentlich sollte sie nämlich nicht wie derzeit faktisch an der Grenze zum bayrischen Ausland in Hof enden ;-) Eine schnelle umsteigefreie Verbindung von Dresden nach Süden/Nürnberg/München, Fernverkehr und Sitzplatzreservierung wird es auf dieser Strecke wohl für Jahrzehnte nicht geben!

09.03.2017 20:06 Zwon81 3

Ja klar noch einen Tunnel. Der erste hat schon das Etat von geplanten 390Mio Euro gesprengt, am Ende ne Milliarde gekostet. Nun fahren statt IC´s nur S-Bahnen- zu eng gebaut. Macht das mit dem 2. Tunnel auch so. Kohle gibt's eben nur um L herum. Und statt die A72 zügig zu bauen, für eine ICE fähigen Ausbau der Strecke nach Chemnitz gemeinsam an einem Strang zu ziehen, reicht es der fetten Schwester Leipzig und dem überheblichen Dresden, die meiste Kohle für sich zum rausputzen zu beanspruchen. Mein Mitgefühl.

09.03.2017 19:39 Oberlausitzer 2

Vom 23.11. bis 9.12. sind es 17 Tage und nicht 8 (acht).

09.03.2017 19:36 Kritiker 1

Ich hoffe, in Lehndorf baut man einen Innenbahnsteig. Derzeit ist das Umsteigen von den Zügen der Strecke Zwickau - Leipzig zu den Zügen Altenburg - Gera/Erfurt eine blanke Katastrophe.

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