Bauliche Kulturgüter Wohin mit dem Sächsischen Bauteilarchiv aus Trebsen?

Das Sächsische Bauteilarchiv und Bergelager in Trebsen bei Grimma kann nicht in seinem hochwassergefährdeten Domizil bleiben. Ein Ausweichquartier gibt es nicht. Die Auflösung des wertvollen Bauarchivs droht. Das wollen die Grünen verhindern und haben am Mittwoch Trebsen zum Thema im Sächsischen Landtag gemacht. Für die Fraktion ist klar: Die wertvollen Bestände dürfen nicht in alle Welt verstreut werden.

Fast 20 Jahre lang wurden in Trebsen wertvolle Bauteile im Bergelager für historische Baustoffe sowie im dortigen Sächsischen Bauteilarchiv gelagert, katalogisiert und für die Nachwelt gesichert. Die Baustoffe stammen von zerstörten oder abgerissenen historischen Gebäuden verschiedenster Bauzeiten und Baustile. Im Bauteilearchiv lagern mehr als 20.000 originalgetreue Exponate. Unter anderem originale Sockelteile der Frauenkirche, Kristallleuchter und Fenster aus der Jakobskapelle des Rathauses Zwickau, Renaissance-Balkendecken aus Freiberg, Bleiglasfenster aus dem ehemaligen Reichsgericht und Guss-Säulen vom Bahnhof Dresden-Neustadt. Doch die Tage des Archivs sind gezählt und auch im Bergelager herrscht seit Monaten Ausverkaufsstimmung. Grund: Der Förderverein Rittergut Trebsen, der Lager und Archiv leitet, muss sein Domizil bis Ende des Jahres räumen. Das Gebäude, die ehemalige Papierfabrik, liegt im Überschwemmungsgebiet der Mulde. Zudem will der Eigentümer geforderte Brandschutzmaßnahmen nicht bezahlen.

Will Sachsen seine Kulturgüter verramschen?

Um die drohende Auflösung des Bauteilarchivs zu verhindern, hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nun einen Antrag im Landtag eingereicht. Gefordert wird entweder ein Ausweichquartier oder dass das Land das Bauarchiv selbst übernimmt und sichert.

Der Freistaat darf nicht tatenlos zuschauen, wie die auch mit öffentlichen Mitteln aufgebauten, kulturell bedeutenden Beständen des Sächsischen Bauteilarchives und des Bergelagers für historische Baustoffe in Trebsen aufgelöst und verramscht werden. Hier trägt die Staatsregierung Verantwortung.

Wolfram Günther Sprecher für Denkmalschutz der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Am Mittwochabend soll nun darüber im Plenum beraten werden. Für Günther ist klar, sollte die Landesregierung nicht aktiv werden, würden es diese wertvollen Bestände, die "historische Handwerkstechniken und die Entwicklungsstufen von regionaltypischen Bauformen dokumentieren" bald nicht mehr geben.

Der Ausverkauf wäre eine kulturhistorische Bankrotterklärung.

Wolfram Günther Sprecher für Denkmalschutz der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Lobenswerter Ansatz - trotzdem keine Hoffnung

Der Antrag der Grünen sei sehr lobenswert, erklärt Uwe Bielefeld vom Förderverein Rittergut Trebsen bei MDR SACHSEN. Doch anscheinend habe die Landesregierung keinerlei Interesse an den baulichen Kulturgütern, vermutet der Vereinschef. Bislang habe es noch keinerlei Anfrage durch die Sächsische Staatsregierung gegeben, was mit dem Bauarchiv bzw. dem Bergelager passieren soll, so Bielefeld.

Auch für ihn und seinen Verein ist klar, das Land Sachsen muss sich zu seinen baulichen Kulturgütern bekennen und für das Bauteilearchiv einen alternativen Standort anbietet.  

Teilumzug und großes Fragezeichen

Das Bergelager ist seit Anfang Dezember für den Publikumsverkehr geschlossen. Trotzdem bleibe das Ziel aber, den kompletten Fundus an potentielle Bauherren zu bringen, erklärte Bielefeld. Im Januar 2018 sollen weitere Verkaufstermine für die historischen Baustoffe auf der Internetseite des Fördervereins bekannt gegeben werden. Einige Fundstücke des Lagers wie zum Beispiel Beschläge oder Stuckornamente wurden bereits im Rittergut Trebsen eingelagert. Wo die anderen historisch wertvollen Baustoffe in Zukunft gelagert werden sollen, weiß Uwe Bielefeld noch nicht.

Wir müssen schauen, welche Entscheidung die Landesregierung trifft, ob es eine eine Option für ein Bauarchiv in Sachsen gibt. Ansonsten stehen wir allein vor dem Problem.

Uwe Bielefeld Förderverein Rittergut Trebsen e.V.

Denn alle baulichen Kulturgüter passen nicht ins Rittergut Trebsen und finanziell hat der Verein nicht die Mittel, passende Lagerhallen anzumieten.  

Sollte wider Erwarten doch noch ein neuer Standort gefunden werden, ist ein Umzug des Lagers und des Archivs für Uwe Bielefeld aus heutiger Sicht logistisch und finanziell allein nicht umsetzbar. So seien im Bergelager derzeit 2.000 bis 3.000 Türen archiviert, die der Verein aufgrund des Aufwandes nicht selbst an einen anderen Standort bringen könne. Zudem würden die laufenden Kosten eines Lagers nicht allein durch die Verkäufe der historischen Baustoffe gedeckt.

Bis zum 31. Dezember 2017 müssen Lager und Archiv die alte Papierfabrik Trebsen verlassen haben. Ein Datum welches aus personellen und technischen Gründen nicht zu schaffen sei, aber zeitgleich auch ein Pfand darstelle, räumt Uwe Bielefeld ein.

Wir versuchen, das solange herauszuzögern wie es möglich ist. Eine andere Alternative gibt es nicht.

Uwe Bielefeld Förderverein Rittergut Trebsen e.V.

Er und sein Förderverein warten nun also auf "eine göttliche Entscheidung" und hoffen, dass bauliche Kulturgüter auch künftig in Sachsen gerettet und bewahrt werden können.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.12.2017 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Quelle: MDR/bb

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2017, 17:39 Uhr

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