Als Audi noch Horch heißen durfte... August Horch Klassik im Kohrener Land

Es war einmal, da hatten Autos noch unverwechselbare Gesichter und klangvolle Namen. Auch heute noch, da das Ende der Benzinautos zu Ende zu gehen scheint, verströmen die Oldtimer eine unglaubliche Faszination.

Ein Oldtimer fährt am Töpferbrunnen Kohren-Sahlis vorbei
Die achte Auflage der "August Horch Klassik" führte durch Kohren-Sahlis. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

150 Jahre wäre der Zwickauer Automobilpionier August Horch in diesem Jahr geworden. Die achte Auflage der Oldtimerrallye "August Horch Klassik", war ihm gewidmet. Die Veranstalter, das August Horch Museum Zwickau und der Motorsportclub Zwickau, hatten für den Sonntag eine Strecke durch das Kohrener und Altenburger Land ausgesucht. 170 Fahrzeuge, die meisten etwas 70 bis 80 Jahre alt, passierten am späten Vormittag den Töpferbrunnen in Kohren-Sahlis. Historische Fahrzeuge vor traumhafter Kulisse - für Fahrer und Zuschauer war das ein Genuss.

Alte Autos vor altem Gemäuer - Schloss Prießnitz

Nördlichster Punkt der Strecke war das Schloss Prießnitz. Eine Ruhepause für Fahrer und Material und Zeit für Hunderte Besucher aus der Region, die Oldtimer aus der Nähe betrachten zu können. Natürlich wurde gefachsimpelt über die Geschichte der Fahrzeuge, über seltene Technik und die Restaurierung der alten Fahrzeuge.

Ein Oldtimer und viele Schaulusige auf dem Hof von Schloss Prießnitz
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

August Horch und Audi in Zwickau August Horch wurde 1868 in Winningen geboren. 1904 gründete er in Zwickau die "A. Horch & Cie Motorenwerke Actiengesellschaft". Nach fünf Jahren musste er das Unternehmen verlassen und gründete seine eigene Fabrik. Nach einem Rechtsstreit um den Namen Horch übersetzte der Sohn eines Geschäftspartners den Namen kurzerhand ins Lateinische. Der Markenname "Audi" war geboren.

Mein Großvater hat mir meinen eigenen Horch gebaut

Heike Müller, die Enkelin von August Horch
Sie fuhr als Kind eine Horch-Seifenkiste - Heike Müller, die Enkelin des berühmten Konstrukteurs. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Heike Müller, die Enkelin des berühmten Konstrukteurs, war in diesem Jahr die Schirmherrin der "August Horch Klassik". Sie war extra aus Winningen angereist. "Ich denke jedes Mal, wenn ich nach Sachsen komme, hier ich bin zu Hause. Die Sachsen, und besonders die Zwickauer, sind so autobegeistert. Das ist eine Freude, so etwas zu erleben." Einige der Teilnehmer der Rallye kenne sie auch persönlich. Es mache ihr große Freude zu sehen, wie an ihren Großvater erinnert werde. Sachsen sei schließlich eine Wiege des deutschen Automobilbaus. Und diese Tradition werde hier in großartiger Weise wachgehalten.

Für mich war er einfach der Opa, nicht der berühmte Konstrukteur. Als ich klein war, hat er mir eine Seifenkiste gebaut. So hatte ich auch einen 'Horch'.

Heike Müller Enkelin des Automobilkonstrukteurs August Horch

Werner Zinke und der seltenste Horch aller Zeiten

Werner Zinke, Oldtimerrestaurator, vor einem restaurierten Oldtimer-Cabriolet
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Werner Zinke, ein - wenn nicht der - deutsche Automobilrestaurator, war mit einem Horch angereist, den es nur ein einziges Mal gibt. Bei der Restaurierung des Fahrzeuges stellte sich heraus, dass es sich nicht um eines der sieben gebauten Luxus-Roadster Horch 855 handeln konnte, sondern um einen Prototyp für diese Kleinserie. "Beim Vermessen des nahezu ungeschweißten Rahmens haben wir festgestellt, dass der Radstand anders ist als bei den 855er Modellen. Es konnte sich also nur um einen Prototyp handeln. Das ist schon ein Glücksgriff."

Der Wert eines solchen Fahrzeuges ließe sich sicher beziffern. "Unbezahlbar" trifft wohl eher zu bei einem solchen Schatz aus der Zwickauer Horch-Schmiede, das bei Werner Zinke zum zweiten Mal das Licht der automobilen Welt erblickt hat. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt. Manche ließen ihr Fahrzeug gleich in seinen Händen. "Die Besitzer machen dann immer mal eine Ausfahrt durch das Erzgebirge und stellen das Auto wieder bei mir ab. Wir übernehmen auch die Pflege und Wartung. Das ist leichter, als in der eigenen Garage", meint Zinke.

Ein Oldtimer-Cabriolet, der Horch 855, ein absolutes Einzelstück
Dieser Horch - ein Prototyp des Spezial-Roadster Horch 855 - ist ein absolutes Einzelstück. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Am Nachmittag führte die Rallye noch über das thüringische Altenburg und das Renaissanceschloss Ponitz zurück nach Zwickau. Sieger und Platzierte gab es bei dieser Fahrt nicht. Nur die Teilnahme zählte und die Erinnerung an den sächsischen Automobilpionier August Horch.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.07.2018 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2018, 06:20 Uhr

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