Pödelwitz
Bildrechte: imago/Tim Wagner

13.04.2019 | 18:04 Uhr Frühlingsaktion gegen Abbaggerung von Pödelwitz

Pödelwitz
Bildrechte: imago/Tim Wagner

In Pödelwitz bei Leipzig hat am Sonnabend eine Frühlingsaktion zum Erhalt des Dorfes stattgefunden. Unter dem Motto "Keinen Meter der Kohle - Alle Dörfer bleiben - überall" gab es ein Kulturprogramm und Informationsstände. Nach Angaben der Organisatoren folgten 100 bis 150 Menschen der Einladung. Höhepunkte waren ein Dorfspaziergang und am frühen Abend ein Gedenken an die bereits mehr als 60 abgebaggerten Dörfer und Städte im Mitteldeutschen Braunkohlerevier.

Mit der Aktion wollen wir zeigen, was hier passiert: Ich bin einfach fassungslos, dass in Zeiten des Klimawandels der Tagebaubetreiber Mibrag und die sächsische Landesregierung noch über Tagebauerweiterungen nachdenken.

Jens Hausner Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz"

Neues Leben statt Abbaggerung

Luftaufnahme von Abrissdorf Pödelwitz, 2013.
Eine Luftaufnahme von Pödelwitz aus dem Jahr 2013. Inzwischen ist der Tagebau noch näher an das Dorf herangerückt. Bildrechte: dpa

Nach den Plänen der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft soll das 700 Jahre alte Pödelwitz 2026 dem Tagebau "Vereinigtes Schleenhain" weichen. Rund 100 Bewohner wurden bereits umgesiedelt. 27 Verbliebene weigern sich bisher und hoffen auf Zuwachs. "Alle Welt sucht Wohnraum und in Pödelwitz lässt die Mibrag denkmalgeschützte Häuser leerstehen und verfallen. Wir würden uns freuen, wenn hier wieder Familien und junge Menschen herzögen", erklärt Jens Hausner von der Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz". Ihn ärgert, dass die Mibrag schon Teile des Dorfs aufgekauft hat, obwohl sie noch keine Genehmigung zum Abbaggern habe.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohle-Kommission hatte Ende Januar empfohlen, dass Deutschland bis 2038 aus der Braunkohleverstromung aussteigt. Die betroffenen Regionen sollen Milliardenhilfen für den Strukturwandel erhalten. Allerdings hat sich die Kommission in ihrem Bericht nicht für den Erhalt von Dörfern im mitteldeutschen Revier, in der Lausitz und im Rheinland ausgesprochen, die trotz des Ausstiegs von der Abbaggerung bedroht sind.

Mibrag sieht sich zu Unrecht in der Kritik

Die Mibrag kann die Aktionen zum Erhalt von Pödelwitz nicht nachvollziehen. Sprecher Maik Simon sagte MDR SACHSEN, die Mehrheit der Einwohner habe selbst das Unternehmen um das Ausloten von Umsiedlungsmöglichkeiten gebeten. Der Mibrag könne nicht vorgeworfen werden, dass sie solch ein freiwilliges Angebot auch genutzt habe. Simon verwies auf den 2012 mit der Stadt Groitzsch geschlossenen Umsiedlungsvertrag. 86 Prozent der Pödelwitzer hätten diese Möglichkeit genutzt. Der Mibrag-Sprecher zeigte sich zuversichtlich, auch mit den meisten noch verbliebenen Pödelwitzern eine Einigung zu erzielen. Gespräche dazu würden laufen. Auf eine Abbaggerung von Pödelwitz verzichten will das Unternehmen nicht. Es geht davon aus, dass das Kohlekraftwerk Lippendorf bei Leipzig als bundesweit letztes 2038 vom Netz gehen wird. Für den Betrieb bis dahin werde die Braunkohle unter Pödelwitz gebraucht.

Quelle: MDR/epd/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.04.2019 | ab 08:00 Uhr in den Nachrichten

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9 Kommentare

15.04.2019 13:01 Eulenspiegel 9

Hallo Denkender Bürger 8
Vielleicht sollten sie sich erst ein mal informieren bevor sie anfangen zu denken sonst blamieren sie sich noch. Z.B. über Norwegen. Ein Land das sein Strom zu 95 % aus Wasserkraft erzeugt. Ja und da sind zwei Unterseekabel nach Norwegen im Bau. Denn dieses Land will uns eine riesige Kapazität an Wasserspeicherkraftwerken zur Verfügung stellen. Und das ist nur ein Punkt.

14.04.2019 19:47 Denkender Bürger 8

Keine will Braunkohle Strom. Atomstrom will sowieso keiner.
Strom aus Gaskraftwerken erzeugt auch nur Emissionen. Außerdem könnte Putin ja mal den Gashahn abdrehen. Und da das Theater u die Nordstream-2 Gaspipeline sei nur am Rande erinnert.
Ökostrom aus Windrädern gibts nur, wenn genügend Wind da ist.
Solarstrom gibt es nur, wenn die Sonne scheint.
Speicher für überschüssigen Ökostrom stehen nur begrenzt zur Verfügung.
Aber Strom aus der Steckdose und ein warmes Zimmer im Winter will trotzdem jeder rund um die Uhr haben.
Alles haben aber nichts dafür geben scheint hier die Devise zu sein.
Wunderland gibts aber nur im Märchen !
Und der Strom kommt nun mal nicht einfach so aus der Steckdose !

14.04.2019 10:56 Historiker 7

Die genannte Prozentangabe von 86% steht im MDR-Beitrag und ist natürlich korrekt. Die Angabe von 99% ist fiktiv.

14.04.2019 09:27 Mane 6

Strom wird gebraucht und gut.Aber Ihr wollt ja sehr teuren Strom haben.Haben jetzt ja schon den 2höchsten in der EU.Bald werden wir bei 50 cent liegen.

14.04.2019 08:20 na so was 5

Wer das Geld hat, hat die Macht. Wer die Macht hat, bestimmt, was richtig und falsch ist, was wahr und was unwahr ist. Noch Fragen ???

13.04.2019 20:25 Denkender Bürger 4

Ich habe in der Schule und im Studium mal gelernt, daß in einer Demokratie die Mehrheit entscheidet.
86 % haben für die Umsiedlung gestimmt - eine erdrückende Mehrheit.
Die beinah verschwindende Minderheit von 14 % macht jetzt mobil.
Und alle jubeln und unterstützen das.
Das offenbart ein höchst eigenartiges Verständnis von Demokratie.
Darüber sollten alle mal nachdenken - vor allem die Medien ...

13.04.2019 17:19 Fragender Rentner 3

Was stimmt denn nun, der eine schreibt etwas von 99% und der andere von 86%?

Und 1% ist bei ihm scheinbar eine "sehr große Mehrheit"?

Wenn man Wohnungsunternehem enteignen will ist dies wohl i.O., wo es die Kommunen ihnen erst in den Rachen geschoben haben und sich noch dafür haben feiern lassen, mit den Worten wir sind jetzt schuldenfrei !! :-((

13.04.2019 13:22 beyer 2

Selbst wenn 99% der Ureinwohner für eine Umsiedlung gestimmt haben so gibt es immer noch 1% der dagegen ist. Das ist ein unzulässiger Eingriff in die Eigentumsrechte. So zumindest hat es das BGH in einem weniger existenziellen Fall gestern entschieden.

13.04.2019 12:10 Historiker 1

Ich kenne Pödelwitz. Die Alteinwohner (86%) haben das Angebot der MIBRAG angenommen und ihre neuen Häuser bezogen. Die 14% jetzt dort Wohnenden gehören wohl nicht zu den bereits 2012 Vorhandenen.

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