Schulöffnung Corona-Tests an Schulen: "Für die Sicherheit hilft es nicht weiter"

Seit Montag dürfen Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an Gymnasien und Oberschulen in Sachsen wieder in die Schule gehen. Wer möchte, konnte sich vorher auf das Coronavirus testen lassen. Ein Besuch an zwei Schulen in Borna zeigte aber: Von der Möglichkeit, sich testen zu lassen, machten längst nicht alle Gebrauch.

Nach einer langen Pause kehren die Schüler der letzten Klasse aufgrund der Corona-Virus-Krankheit COVID-19 wieder zum Gymnasium zurück
Nach einer langen Pause kehren die Schüler der Abschlussklassen zur Schule zurück. Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Schulen für mehrere Wochen geschlossen worden. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Action Pictures

Frank Ziemann schwankt zwischen Erleichterung und Sorge. Als Leiter der Dinter-Oberschule in Borna ist er froh, dass seine Einrichtung nicht - wie ursprünglich geplant - zur Corona-Testschule geworden ist: "Das Deutsche Rote Kreuz hat angeboten, direkt an die betroffenen Schulen zu kommen. Wir waren eine Testschule, für fünf andere mitverantwortlich", berichtet der Schulleiter. "Aber das DRK hat so viel Personal, dass sie jetzt selber an die entsprechenden Schulen fahren können. Das erleichtert natürlich für uns die Arbeit. Es sind keine Transporte nötig und wir haben auch besser im Griff, dass wir die Schüler dann testen können und abholen können, wenn wir sie brauchen." Aber so viele sind es gar nicht. Und das bereitet Schulleiter Frank Ziemann Sorge: Nur 30 von 73 Schülerinnen und Schülern haben sich für die Tests angemeldet.

Schulleiter: "Zugewinn an Gewissheit"

Aber sind die Testungen dann überhaupt sinnvoll? Der Pädagoge meint, "es macht dahingehend Sinn, dass wir vielleicht Schüler finden, die eine Infektion haben. Aber für die Sicherheit der Schule hilft es mir nicht weiter." Es sei ein Problem, dass sich Schüler, die sich testen lassen, am Ende mit denen, die sich nicht testen lassen, eben doch wieder im Unterricht zusammensitzen. Es gebe zwar strikte Abstand- und Hygieneregeln, aber ein erhöhtes Risiko bleibe. Das sieht Axel Mohr, Leiter des Gymnasiums "Am Breiten Teich" in Borna, ganz ähnlich. Auch wenn sich in seiner Schule immerhin etwa die Hälfte der Jugendlichen testen lassen hat: "Es ist ein Zugewinn an Gewissheit, dass die Ansteckungsgefahr geringer ist, als würde man gar nicht prüfen."

Schülerinnen und Schüler setzen auf AHA-Regeln

Der 18-jährige Valentin hat die Prozedur gerade hinter sich gebracht: "Es ist unangenehm, aber man kann es aushalten." Dass er gleich, natürlich negativ getestet, in seinen Klassenraum zurückkehrt und auf nicht getestete Mitschülerinnen und Mitschüler trifft, sieht er gelassen. "Das bleibt ja jedem selbst überlassen", meint der Schüler. "Wenn man die Hygieneregeln einhält, ist es egal, ob sich da welche nicht testen lassen haben. Man sieht ja, ob die anderen Symptome haben oder nicht." Auch Sarah setzt auf die Hygieneregeln: "Solange ich meinen Abstand halte und die ihre Masken aufsetzen und ich meine Maske aufsetze, mache ich mir da jetzt eigentlich keine großen Sorgen.

DRK bescheinigt reibungslosen Ablauf

Rico Bohne vom DRK Kreisverband Geithain ist in Borna für die Tests verantwortlich - und zufrieden. "Es läuft hervorragend", sagt er. "Die Schüler haben sehr großes Verständnis für die Testmaßnahmen. Vonseiten der Schule war es hervorragend organisiert, wir haben gute Absprachen getroffen, sodass die Tests heute pünktlich und reibungslos starten konnten."

Schulleiter: "Bildung nicht mit Gesundheit erkaufen"

Schulleiter Frank Ziemann schwankt inzwischen nicht mehr: Die Erleichterung ist gewichen, die Sorge geblieben. Der Leiter der Dinter-Oberschule in Borna hätte sich gewünscht, dass man insgesamt noch etwas gewartet hätte mit den Schulöffnungen, "auch wenn das natürlich ein schwieriges Feld ist und die Schüler ein Recht auf Bildung haben. Das sehe ich auch so. ich hoffe, dass wir die Bildung unserer Schule nicht mit der Gesundheit unserer Lehrer erkaufen müssen." Die haben sich - wie auch die Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasiums "Am Breiten Teich" - ausnahmslos testen lassen.

Ministerpräsident zu weiterem Vorgehen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bezeichnete das aktuelle Vorgehen am Montagabend in der Sendung Fakt ist! als verantwortungsvoll. Schnelltests zum Schulstart, entzerrte Klassen und später festere Gruppen im Wechselunterricht bis zum Schuljahresende seien aber keine Garantie. "Wenn es Corona-Ausbrüche an Schulen gibt, werden wir stringent vorgehen", sagte Kretschmer. Bildung und Abschlüsse für die berufliche Zukunft der Jugendlichen hätten neben der Wirtschaft oberste Priorität. Kretschmer zufolge haben sich sachsenweit rund 3.500 Schülerinnen und Schüler am Montag den freiwilligen Tests an den Schulen unterzogen.

Auswertung des Kultusministeriums Nach Angaben des Kultusministeriums haben sich am Montag insgesamt 12.190 Schülerinnen und Schüler von 403 Schulen im Freistaat einem Corona-Test unterzogen. Das seien 38 Prozent der Berechtigten gewesen. Bei 23 Schülern sei ein positives Testergebnis festgestellt worden. Das sind 0,19 Prozent der getesteten Schüler. Laut Kultusministerium hatten sich am Montag außerdem 3.745 sächsische Lehrkräfte testen lassen. Acht von Ihnen seien positiv gewesen. Das entspreche einer Infektionsrate von 0,21 Prozent.

Quelle: MDR/rk/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 18.01.2021 | 19:00 Uhr

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