Klimacamp, Fahne
Bildrechte: MDR / Lars Tuncay

Campen für den Umweltschutz Aktionswoche gegen Braunkohleabbau im Leipziger Land

Mit zahlreichen Aktionen machen Umweltschützer seit Sonnabend in Leipzig und Umgebung auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam. Unter dem Motto "Klima retten! Kohle stoppen!" wurde in der Leipziger Innenstadt gegen den Braunkohleabbau demonstriert. In dem kleinen Dorf Pödelwitz begann das erste Klimacamp der Region, zu dem bis zum 5. August bis zu 1.000 Menschen erwartet werden.

Klimacamp, Fahne
Bildrechte: MDR / Lars Tuncay

Südlich von Leipzig, in dem kleinen Dorf Pödelwitz, haben sich Hunderte Umweltschützer und Braunkohlegegner zum ersten Klimacamp im Leipziger Land versammelt. Bis zum 5. August wollen sie über alternative Energieformen diskutieren. Im Raum steht dabei die zentrale Frage, wie die Zukunft ohne Braunkohle aussehen kann.

Am Sonnabendnachmittag ist das Klimacamp mit einer Demonstration in der Leipziger Innenstadt eröffnet worden. Sie stand unter dem Titel "Klima retten! Kohle stoppen!". Nach Angaben eines Reporters von MDR SACHSEN beteiligten sich mehrere hundert Menschen an dem Protest vor dem Naturkundemuseum. Zur Demonstration hatten unter anderem Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Leipzig, die Naturfreunde Deutschlands und die sächsischen Grünen aufgerufen. Greenpeace kritisierte, in Sachsen würden weiterhin fast 80 Prozent des Stroms durch Braunkohle erzeugt. Mit Blick auf die globale Klimakrise sei es dringend notwendig, aus der Nutzung fossiler Energieträger auszusteigen.



Die Demonstration war auch der Startschuss für das einwöchige Klimacamp in Pödelwitz. Dort wird es Workshops zu Klimagerechtigkeit und zu Strategien gegen Rechts, Podiumsdiskussionen und Exkursionen unter anderem zum Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt und eine Radtour von Leipzig nach Pödelwitz geben.

Demo und Klimacamp für Klimaschutz

Teilnehmer einer Demonstration im Zentrum der Messestadt halten ein Banner mit der Aufschrift >>Klima schützen, Kohle stoppen<<
Am Sonnabend gab es in der Leipziger Innenstadt eine Demonstration für Klimaschutz und gegen den Abbau von Braunkohle. Nach Angaben eines MDR-Reporters beteiligten sich mehrere hundert Menschen an dem Protest. Bildrechte: dpa
Teilnehmer einer Demonstration im Zentrum der Messestadt halten ein Banner mit der Aufschrift >>Klima schützen, Kohle stoppen<<
Am Sonnabend gab es in der Leipziger Innenstadt eine Demonstration für Klimaschutz und gegen den Abbau von Braunkohle. Nach Angaben eines MDR-Reporters beteiligten sich mehrere hundert Menschen an dem Protest. Bildrechte: dpa
Demonstraten bei einem Protest gegen Braunkohleabbau
Die Demo stand unter dem Motto "Klima retten! Kohle stoppen!". Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Demonstraten bei einem Protest gegen Braunkohleabbau
Greenpeace kritisierte auf der Demo, in Sachsen würden weiterhin fast 80 Prozent des Stroms durch Braunkohle erzeugt. Mit Blick auf die globale Klimakrise sei es daher dringend notwendig, aus der Nutzung fossiler Energieträger auszusteigen. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Die Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Lippendorf dampfen hinter dem Dorf Pödelwitz südlich von Leipzig.
Die Kohle, die unter dem Dorf Pödelwitz liegt, soll ab 2026 abgebaut werden und ist vornehmlich für das Braunkohlekraftwerk Lippendorf bestimmt. Bildrechte: dpa
Aufbauarbeiten des Camps.
Ohne Braunkohle geht es auch. Die Teilnehmer des Klimacamps in Pödelwitz versorgen sich mit Strom aus Sonnenenergie. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aufbau des Klimacamps
Bereits am Donnerstag begann der Aufbau des Klimacamps in Pödelwitz bei Leipzig. Bis zu 1.000 Teilnehmer werden insgesamt erwartet. Bildrechte: MDR / Lars Tuncay
Privatgelände Hinweisschild MIBRAG
Etliche Grundstücke sind bereits verlassen, aufgekauft durch die MIBRAG. Nur noch 30 von ehemals 130 Bewohnern leben in dem Dorf. Damit unbefugte Personen nicht die bereits leerstehenden Gebäude in Pödelwitz betreten, wurden Warnschilder angebracht. Bildrechte: MDR / Lars Tuncay
Ein Basketballkorb an einer weiß-schwarzen Platte mit der Aufschrift 'Der Kohle einen Korb geben!'
Mit Podiumsdiskussionen und Workshops wollen die Umweltschützer darüber diskutieren, wie die Zukunft ohne Kohle aussehen kann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
An einen Kühlturm des Kraftwerkes Lippendorf wird der Schriftzug 'Kohle befeuert Hitzewellen' projiziert.
Schon zwei Tage vor dem Start des Klimacamps gab es von Greenpeace-Aktivisten eine Aktion am Kraftwerk Lippendorf. Bildrechte: dpa
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Camp-Ort Pödelwitz nicht ohne Grund

Dass sich die Umweltschützer in Pödelwitz treffen, geschieht nicht ohne Grund. Das rund 700 Jahre alte Dorf liegt am Rande des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain. Der Tagebau-Betreiber MIBRAG (Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH) will dort sein Abraumgebiet ab 2026 erweitern. Dafür muss Pödelwitz weichen. Etliche Grundstücke sind bereits verlassen, aufgekauft durch die MIBRAG. Nur noch 30 von ehemals 130 Bewohnern leben in dem Dorf. Um gegen die geplante Abbaggerung zu protestieren, haben diese nun die Umweltaktivisten eingeladen, in ihrem Dorf das erste Klimacamp der Region zu veranstalten.

Friedlicher Protest geplant

Das Klimacamp ist Teil einer globalen Klimagerechtigkeitsbewegung. Dieses Jahr finden allein in Europa acht Camps und weitere Proteste gegen die Nutzung fossiler Energie statt. In Deutschland sind Klimacamps vor allem im Ruhrgebiet und in der Lausitz bekannt. Mit dem ersten Camp im Leipziger Land soll auch diese Braunkohleregion mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, erklärte Camp-Organisator Florian Teller MDR SACHSEN. Damit soll zudem für den Erhalt des Dorfes friedlich gekämpft werden. Auch Vertreter der MIBRAG seien eingeladen, um mit den Camp-Teilnehmern zu diskutieren.

Wir freuen uns, wenn die Leute von der MIBRAG vorbeikommen. Weil wir mit denen diskutieren wollen, was ein sozialverträglicher Kohleausstieg bedeutet.

Florian Teller Organisator Klimacamp Leipziger Land

MIBRAG befürwortet Camp, fürchtet aber Krawallmacher

Die MIBRAG selbst befürwortet das Camp. Geschäftsführer Heinz Junge sagte, dass sich die Menschen in Pödelwitz in einem Klimacamp treffen, um über die Braunkohle zu sprechen, sei eine demokratische Form, die er befürworte, solange sie friedlich bleibe. Allerdings befürchtet er Krawallmacher unter den friedlichen Demonstranten. Aus Sorge vor Erstürmung der Anlagen, wie vor zwei Jahren beim Anti-Kohle-Camp in der Lausitz, hat die MIBRAG die Umweltaktivisten ausdrücklich vor den Gefahren des Geländes gewarnt. Die Tagebaukanten seien instabil und es werde auch während des Camps Kohle abgebaggert.

Ein Mann im Interview.
Heinz Junge, Geschäftsführer der MIBRAG Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In dieser Woche haben wir leider eine ganze Reihe von Aufrufen im Internet, unsere Infrastruktur zu stören und das ist für mich nicht mehr friedlich.

Heinz Junge Geschäftsführer MIBRAG

Kohle für Kraftwerke

Im Mitteldeutschen und im Lausitzer Braunkohlerevier wird immer noch Braunkohle abgebaut. In den Tagebauen Profen und Vereinigtes Schleenhain holt die MIBRAG jährlich rund 18 Millionen Tonnen Braunkohle aus dem Boden. Der größte Anteil davon geht ebenfalls in Kraftwerke, vor allem nach Lippendorf und Schkopau.

Die LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG) fördert in ihren beiden sächsischen Tagebauen Nochten und Reichwalde sowie in den brandenburgischen Tagebauen Jänschwalde und Welzow-Süd jährlich zusammen rund 60 Millionen Tonnen Braunkohle. Es ist das zweitgrößte Braunkohlerevier Deutschlands. Mit dem Rohstoff werden vor allem die Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg sowie die Heizkraftwerke Berlin-Klingenberg und Chemnitz befeuert.

Quelle: MDR/bb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.07.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.07.2018 | ab 7 Uhr 30 in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 28. Juli 2018, 20:28 Uhr

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