12.12.2019 | 09:30 Uhr Neuer Ärger um alte Pläne: Benndorfer fürchten B7-Neubau nach Ostthüringen

Eine neue Trasse soll die A72 bei Frohburg mit dem Altenburger Land verbinden. Die geplante Streckenführung besorgt allerdings einige Anwohner. Sogar die Existenz eines Landwirtschaftsbetriebes ist vom Vorhaben bedroht. MDR SACHSEN hat bei den Beteiligten nachgefragt.

Ein Schild weist auf eine Baustelle auf einer Autobahn hin. 
Bildrechte: dpa

Die Projektpapiere sind unspektakulär überschrieben: "B7 Frohburg (A72) - Zeitz (A9)" steht über dem umfangreichen Planungsmaterial aus Karten, Zeichnungen und Datenblättern. Wenn man es auf den Punkt bringen will, soll bei Frohburg eine neue Autobahnabfahrt entstehen, von der aus man bis nach Zeitz bequem auf der B7 fahren kann. Die 36 Kilometer lange Strecke führt gleich durch drei Bundesländer, soll über 150 Millionen Euro kosten und sorgt schon am Ausgangspunkt der Strecke für viel Frust. Bei Frohburg soll die neue B7 über Feld und Bach geführt werden, trennt dabei Natur- und Ackerflächen.

Nicht viele Wege führen nach Benndorf

Die Pläne sind keineswegs neu. Schon seit 1997 muss sich Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) immer wieder mit dem Bauvorhaben beschäftigen. Weil momanten Beschwerden gegen die Planung eingereicht werden können, hat nun auch der Frohburger Stadtrat seine Bedenken an das Landesamt weitergegeben: "Wir sehen das Hauptproblem darin, dass der Ortsteil Benndorf eine vorhandene Ortszufahrt verliert", erklärt Hiensch. "Die soll sozusagen gekappt werden, sodass der Ortsteil nur noch über eine schmale Straße aus Frohburg erreichbar ist." Dort würden aber nicht einmal ein Bus und ein Lastkraftwagen aneinander vorbeipassen.

Verlauf der neuen B7 bei Frohburg

"Deshalb fordern wir und auch eine Bürgerinitiative, dass auf der Straße zwischen Benndorf und Bubendorf eine Brücke gebaut wird. So einfach ist das", ergänzt Hiensch. Diese Brücke ist im derzeitigen Planungsstand nämlich nicht vorgesehen.

"Wer will schon Heidelbeeren vom Straßenrand?"

Heidelbeeren.
Heidelbeeren zum Selbstpflücken. Ob das auch neben einer Bundesstraße funktioniert? Bildrechte: Colourbox.de

Für Tobias Karte wäre das allerdings keine Lösung. Der Landwirt betriebt einen kleinen Hof, der in der Region vor allem durch seine Sommerattraktionen bekannt ist. Neben einem Erdbeer-, Heidelbeer- und Blumenfeld zum Selbstpflücken entsteht jedes Jahr auf seinem Land auch ein Maislabyrinth. "Die Straße ist genau über mein Betriebsgelände drübergeplant. Auf der einen Seite der Straße wären dann die Heidelbeeren und auf der anderen Seite der Rest", erklärt Karte. Niemals könne man die Kunden von der einen Seite durch den Ort auf die andere Seite schicken.

Selbst mit Brücke sieht er keine Chance. "Kommt die Straße, wie sie jetzt geplant ist, wäre es mit ziemlicher Sicherheit vorbei. Wer kommt denn aus Markkleeberg oder dem Erzgebirge zu uns, um an einer Bundesstraße Obst zu pflücken?"

Stadt wünscht sich Neubau, einige Anwohner nicht

Gemeinsam mit anderen Landwirten und Benndorfern organisiert sich Tobias Karte in einer Art Bürgerinitiative. Diese moniert unter anderem, dass die bislang eher unberührte Natur um die Wyhra-Aue durch die neue Bundesstraße durchschnitten wird und auch die Lärmbelastung für die Bewohner zunehmen wird. Die Betroffenen wälzen die Planungsunterlagen, suchen nach Möglichkeiten, ihren Einwänden Nachdruck zu verleihen. Bis Anfang Januar haben sie noch Zeit, ihre Beschwerde abzugeben. "Wir wünschten uns natürlich, dass man zu der Erkenntnis kommt, dass die Straße überhaupt nicht notwendig ist", erklärt Karte. "Wenn man sich in älteren Unterlagen umschaut, ist man von sehr hohen Verkehrsmengen in Verbindung mit der A72 ausgegangen. Jüngere Verkehrszählungen zeigen aber, dass es dieses Verkehrsaufkommen gar nicht gibt."

Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch unterstreicht allerdings die Bedeutung der neuen Trasse für den Ort und die umliegenden Gemeinden. "Von Anfang der Planungen an und auch heute behaupte ich, dass die Anschlussstelle Frohburg und vielleicht auch die B7 existenzwichtig sind, wenn wir nicht zum Schluss ewig am finanziellen Tropf des Freistaates Sachsen und anderer hängen wollen." Durch die verbesserte Infrastruktur würden Frohburg und Umgebung interessanter für die Wirtschaft werden. Natürlich, so Hiensch, müssten Ausgleichsmaßnahmen im Bereich der Natur gemacht werden. "Und zwar bei uns und nicht in Böhlen oder Nordsachsen, wie es uns vorgeschlagen wurde."

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.12.2019 | 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2019, 09:30 Uhr

2 Kommentare

DerIch vor 5 Wochen

Es geht nicht immer um "freie Fahrt für freie Bürger", sondern oft um Bereitstellung ausreichend dimensonierter Infrastruktur zur Entlastung anderer, möglicherweise überlasteter Infrastruktur.

Nicht das Vorhaben selbst, sondern Details der Umsetzung sollten ausdiskutiert werden.

GerdMueller vor 5 Wochen

Freie Fahrt für freie Bürger, und am besten ohne Tempolimit, das müssen die Anwohner in Kauf nehmen.
Wo leben wir, das jeder hier seinen Senf dazu geben kann.
Nur so läuft der Kapitalismus, Wachstum und nochmals Wachstum.
Wer braucht die Natur, ich kaufe mein Kram bei Aldi, fertig.
Der Osten muss umdenken.

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