verpixeltes Porträtfoto der vermissten Studentin Sophia L. aus Leipzig
Bildrechte: Polizei Leipzig

Chronologie der Ereignisse Der Fall Sophia L.

Eine 28-jährige Studentin will aus Leipzig nach Bayern trampen - in ihrer Heimatstadt Amberg kommt sie aber nie an. Ein Lkw-Fahrer steht unter Verdacht, sie ermordet zu haben. Die Rekonstruktion eines Falls.

verpixeltes Porträtfoto der vermissten Studentin Sophia L. aus Leipzig
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Donnerstag, 14. Juni 2018: Zum letzten Mal gesehen

Die Leipziger Studentin Sophia L. steigt am frühen Abend an einer Raststätte an der A9 bei Schkeuditz in einen Lkw. Dort hat sie nach einer Mitfahrgelegenheit nach Nürnberg gesucht, um von da aus weiter in ihre bayerische Heimatstadt Amberg zu trampen.

Später verschafft sich der Bruder von Sophia Zugang zu einem Überwachungsvideo - es zeigt wie seine Schwester 18:20 Uhr auf der Aral-Tankstelle am Bierweg in den Lkw steigt. Andreas L. zu BILD: "Mein Ermittlungsteam machte die Spedition ausfindig."

Freunde von Sophia lesen ihre Handydaten aus - das letzte Funksignal kam vom Hermsdorfer Kreuz in Thüringen.

15. Juni 2018: Bruder und Polizei recherchieren

Sophias Bruder recherchiert auf Grundlage der Videoaufnahmen von der Tankstelle. Er kommt über die Speditionsfirma an den Fahrer und telefoniert mit ihm. Der Fahrer sagt ihm, Sophia sei A9-Ausfahrt Lauf/Hersbruck ausgestiegen. Die Aussage wirkt nicht glaubwürdig, denn Sophia wollte nach Nürnberg und von dort aus weiter mit dem Zug nach Amberg. Warum hätte sie vorher aussteigen sollen?

Unterdessen rekonstruiert die Polizei mit Hilfe von Aufzeichnungen der Mautstationen in Frankreich und Spanien die Fahrtroute.

18. Juni 2018: Öffentlichkeitsfahndung

Vier Tage nach Sophias Verschwinden sucht die Polizei per Öffentlichkeitsfahndung nach der 28-Jährigen.

19. Juni 2018: Suche und Festnahme

Die Polizei geht mittlerweile von einem Gewaltverbrechen aus, Beamte durchkämmen ein Waldstück an der Autobahn 9, um die Ausfahrt Lauf/Hersbruck in Bayern. Am Nachmittag wird das Wäldchen hinter dem Autobahnparklatz Sperbes zwischen Plech und Hormersdorf durchkämmt – ohne Erfolg.

Ein 41 Jahre alter Hauptverdächtiger wird in Jaén/Andalusien festgenommen. Er sei vermutlich auf dem Weg nach Gibraltar gewesen, um dort mit einer Fähre nach Marokko zu gelangen, berichten Medien. Er soll gestanden und den Ort der Leiche preisgegeben haben. Nach unbestätigten Angaben stammt der Tatverdächtige aus Marokko.

21. Juni 2018: Leichenfund

Die baskische Polizei findet an einer Tankstelle in Asparrena in Nordspanien eine Frauenleiche mit klaren Zeichen von Gewalteinwirkung. Der Körper befindet sich bereits im fortgeschrittenen Zustand der Verwesung. Der Tatverdächtige soll versucht haben, die Leiche zu verbrennen.

Polizisten sichern am Fundort einer Frauenleiche, nahe der Autobahn bei Asparrena, Spuren.
Polizisten sichern den Fundort einer Frauenleiche nahe der Autobahn bei Asparrena in Spanien. Bildrechte: dpa

22. Juni 2018: DNA-Profil soll Gewissheit bringen

Noch ist unklar, ob es sich bei der Leiche um die vermisste Tramperin handelt. Ein DNA-Profil soll deshalb Gewissheit bringen. Die deutsche Staatsanwaltschaft hat unterdessen die Auslieferung des Tatverdächtigen beantragt. Der Mann soll eine Überstellung an die deutschen Behörden akzeptiert haben. Inzwischen hat die Polizei Hinweise darauf, dass einer der Tatorte in Oberfranken liegen könnte.

25. Juni 2018: Deutsche Polizisten in Spanien eingetroffen

Im Rahmen der Ermittlungen um die verschwundene Studentin sind mehrere deutsche Polizeibeamte in Spanien angekommen. Zwei Ermittler der Kriminalinspektion Bayreuth landen am späten Vormittag in Spanien. Unterstützt wird das Team von Beamten der Leipziger Polizei. Immer noch ist unklar, ob es sich bei der gefundenen Leiche um die vermisste Sophia handelt. Auch zur Todesursache ist zunächst nichts bekannt.

26. Juni 2018: DNA-Ergebnis steht weiter aus

Im Fall der seit fast zwei Wochen vermissten Sophia warten die Ermittler weiter auf das Ergebnis des DNA-Abgleichs. Indes hat ihr Bruder die Hoffnung aufgegeben. Auf Twitter und Facebook teilt er mit: "Ruhe in Frieden, meine wundervolle Schwester, Ruhe in Frieden. Du hast diese Welt zu einem besseren Ort gemacht."

27. Juni 2018: Bruder im Gespräch mit MDR SACHSEN

Im Gespräch mit MDR SACHSEN erklärt der Bruder der vermissten Studentin, woher er seine Gewissheit nimmt, dass seine Schwester tot ist. Er habe seine Quellen und die wolle er schützen, sagte er. Er kündigt eine Stellungnahme an.

29. Juni 2018: Leiche identifiziert

Traurige Gewissheit: Bei der in Nordspanien gefundenen Frauenleiche handelt es sich zweifelsfrei um die vermisste Tramperin Sophia L. Dies teilen Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Bayreuth mit. Angaben zu den Todesumständen machen die Behörden nicht.

10. Juli 2018: Details zur Tatwaffe

Knapp drei Wochen nachdem die Leiche von Sophia L. in Spanien gefunden wurde, sind Details zur Tat bekannt geworden. Wie spanische Reporter MDR SACHSEN bestätigen, soll die 28-Jährige mit einem Messer oder einem stumpfen Gegenstand getötet worden sein. Hinweise auf einen sexuellen Hintergrund der Tat konnten die Kollegen nicht bestätigen. Das Gutachten der Obduktion läge noch nicht vor.

16. Juli 2018: Tatverdächtiger soll nach Deutschland ausgeliefert werden

Der marokkanische Tatverdächtige im Fall der getöteten Leipziger Studentin Sophia L. soll nach Deutschland ausgeliefert werden. Wie die Staatsanwaltschaft Bayreuth mitteilt, hat die spanische Justiz der Auslieferung nun zugestimmt. Wann der 41-jährige Lastwagenfahrer nach Bayern gebracht wird, ist noch unklar.

28. August 2018: Leichnam von Sophia von Spanien nach Deutschland überführt

Mehr als zwei Monate nach dem Tod der Leipziger Studentin Sophia L. ist nun ihr Leichnam nach Deutschland überführt worden. Das hat die Staatsanwaltschaft Bayreuth MDR SACHSEN bestätigt. Der Leichnam müsse nochmals rechtsmedizinisch untersucht werden, bevor er zur Bestattung freigegeben wird. Das in Spanien geführte Verfahren sei abgeschlossen. Die Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Bayreuth dauern an. Wann die teils noch ausstehenden Ermittlungsakten, Asservate sowie der Lastwagen nach Deutschland gebracht werden, steht derzeit noch nicht fest.

30. August 2018: Tatverdächtiger von Kripo-Beamten aus Spanien abgeholt

Der 41-jährige LKW-Fahrer wurde in die Justizvollzugsanstalt St.Georgen-Bayreuth gebracht.

21. Februar 2019: Staatsanwaltschaft Bayreuth erhebt Mordanklage

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Marokkaner, Sophia L. im Juni 2018 angegriffen, in seine Gewalt gebracht und getötet zu haben. Mit dem Mord habe er zuvor begangene Straftaten verdecken wollen.

23. Juli 2019: Der Prozess beginnt

Vor dem Landgericht Bayreuth muss sich der marokkanische Tatverdächtige wegen Mordes an der 28-jährigen Tramperin Sophia L. aus Leipzig verantworten. Ihre Familie tritt als Nebenkläger auf und wird zum ersten Mal den Mann sehen, der ihre Tochter getötet haben soll. Es sind zwölf Verhandlungstage bis Mitte September angesetzt.

Quellen: MDR/st/dk/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.07.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 13:24 Uhr

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