Getränke in Gläsern
Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Mit Schirmchen, Charme und Melone Ostdeutsche Cocktailmeister in Leipzig gekürt

Manchmal fruchtig, oft bunt und vor allem lecker gab es die am Sonntagnachmittag im Bayerischen Bahnhof: Bei der Ostdeutschen Cocktailmeisterschaft in Leipzig waren die Profis hinter der Bar am Werk. 

Getränke in Gläsern
Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Zugegeben, ein früher Sonntagnachmittag im April ist nicht die übliche Zeit für einen Cocktail. Aber es gibt Ausnahmen: Zum Beispiel, wenn sich die besten Barkeeper aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Ostdeutschen Cocktailmeisterschaft treffen. 

Eine Frau neben einen Mann
Kati Oestreich und Norbert Ernst bei letzten Vorbereitungen der Meisterschaft. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Wer hier antreten möchte, muss Mitglied der Deutschen Barkeeper-Union sein und eine ganz besondere Cocktail-Idee haben, erklärt Norbert Ernst, Vorsitzender der Deutschen Barkeeper-Union in Sachsen: "Bedingung ist: Du musst ein eigenes Getränk entwickeln, das innerhalb unseres Partnerpools ist. Das sind allerdings 13 A4-Seiten mit Produkten - also eine ganze Menge."

Monatelange Vorbereitungen

27 Mixologen wollten es in diesem Jahr wissen und natürlich auf die vordersten Plätze. Denn klar ist, wer hier einen der ersten drei Plätze ergattert, qualifiziert sich für den großen Deutschland-Entscheid. Doch bevor es aber überhaupt zur Landesmeisterschaft geht, heißt es üben, üben, üben. Teilweise arbeiten die Barkeeper, die hier antreten, seit über fünf Monaten an ihren Kreationen. 

Norbert Ernst verrät: "Es gibt durchaus Leute, die sowas auch in den letzten drei Tagen machen. Manchmal ist da auch einer dabei, der direkt durchstartet und sich auf den ersten drei Plätzen wiederfindet. Aber diejenigen, die sich wirklich lange vorbereiten und sehr viel Gehirnschmalz in die Sache stecken, die sind tendenziell immer sehr weit vorn. Da wurde alles durchgespielt. Es gibt sehr wenige Risikofaktoren."

Streikende Technik

Aber einige bleiben eben doch - das musste zumindest Teilnehmerin Suzanne Fiebiger aus Dresden ausgerechnet auf der Bühne feststellen. Die Teilnehmerin, die als einzige mit einem alkoholfreien Cocktail angetreten war, musste ihren Start verschieben. Grund war ein widerspenstiger Elektro-Mixer, der einfach nicht anspringen wollte. Bis ein Ersatz gefunden war, hieß es Nerven behalten.

Dabei sah am Anfang bei Suzanne alles so gut aus: Die 15 Minuten Vorbereitungszeit musste sie nicht mal ganz ausschöpfen. Routiniert setzte sie Erdbeeren und Physalis auf große Ameisen und die wiederum auf vorbereitete Untersetzer mit Kunstgras. Eine ungewöhnliche Präsentation eines Cocktails. Doch wer hier punkten will, muss sich etwas einfallen lassen.

Cocktailmeisterschaft in Leipzig Gerührt, geschüttelt, geeist und heiß

Gläser mit Getränken
27 Cocktails gab es zum Testen für die Jury. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Gläser mit Getränken
27 Cocktails gab es zum Testen für die Jury. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Männer mixen ein Getränk
Da wurde gerührt, geschüttelt, aufgeschäumt und sogar gekocht. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Eine junge Frau mixt ein Getränk
Die Dresdnerin Suzanne Fiebiger ist mitten in den Vorbereitungen. Für ihre Cocktailkreation braucht sie jede Menge Limettensaft. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Eine Hand greift nach verschiedenen Früchten
Auch an der Dekoration spart sie nicht. Plastik-Ameisen tragen Beeren und Physalis. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Eine junge Frau mixt ein Getränk
Garniert wird das Ganze mit getrockneter Orangenscheibe. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Eine junge Frau mixt ein Getränk
Auf der Bühne dann wird es ernst: Reicht der Limettensaft? Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Eine junge Frau mixt ein Getränk
Und funktioniert der neue Mixer? Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Eine junge Frau mixt ein Getränk
Eine strahlende Teilnehmerin: Das Mixerproblem ist gelöst. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
Eine junge Frau präsentiert ein Getränk
Der fertige Cocktail - eine alkoholfreie Variante - kann sich sehen lassen. Suzanne Fiebiger holt mit ihrem Rezept den ersten Platz in Sachsen. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow
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Sechs Minuten, fünf Drinks

Doch nicht nur die Optik ist entscheidend, weiß Norbert Ernst: "Die erste wirkliche Bewertungseinheit sind die Technik-Juroren. Jeder Barkeeper, der auf der Bühne mixt, hat eine Person, die ihm über die Schulter guckt. Er bewertet verschiedene Faktoren wie Erscheinungsbild, Warenaufbau, vorgekühlte Gläser." Außerdem messen die Technik-Juroren die Zeit. Jeder Teilnehmer hat genau sechs Minuten auf der Bühne, um fünf gleiche Drinks herzustellen. Ob gerührt, geschüttelt, geeist oder heiß, ist völlig egal.

Ist das geschafft, werden die fertigen Cocktails zur Jury gebracht. Die sitzt in einem separaten Raum und hat keine Ahnung, was auf der Bühne passiert ist und wer welchen Drink hergestellt hat. Sie bewerten Gesamteindruck, Aroma, Geschmack und Innovation, erklärt Ernst: "Es ist ziemlich schwer, so einen Drink zu bewerten. Man muss seine Persönlichkeit und seinen Geschmack zurücknehmen. Es geht darum, ob er ausgewogen ist oder nicht. Fehlt Säure? Das sind fachliche Sachen, die da bewertet werden. So objektiv wie möglich."

Das Finale ruft

Was innovativ bedeuten kann, lässt sich schon rein optisch feststellen: Cocktails im Flakon, eine bunte Obstwiese oder eine giftgrüne Kreation mit Totenkopf - die Teilnehmer haben sich wirklich etwas einfallen lassen. 

Am Ende konnten sich sieben Mixologen für die deutsche Meisterschaft qualifizieren - aus Sachsen kommen drei von ihnen: Sebastian Arndt, Tilo Erdmann und Dresdnerin Suzanne Fiebiger. Die starken Nerven haben sich also gelohnt.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 15.04.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 05:39 Uhr

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