S-Bahn-Mitteldeutschland
Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Kai-Michael Neuhold

Auseinandersetzung im Zug Schock in der S-Bahn Torgau-Leipzig: Fahrgäste zittern vor zehn Prüglern

In einer S-Bahn von Torgau nach Leipzig haben sich am Sonnabend Männer Schlägereien geliefert. Gegen mehrere Personen wird wegen Landfriedensbruch ermittelt. Jetzt berichtet ein Augenzeuge von schlimmen Szenen, Angst der Fahrgäste und dass sie mehr als eine Stunde auf die Polizei warten mussten.

S-Bahn-Mitteldeutschland
Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Kai-Michael Neuhold

In einer S-Bahn von Torgau nach Leipzig hat es am Sonnabend eine schwere Auseinandersetzung gegeben. Zehn kräftig gebaute, dunkel gekleidete junge Männer sollen schon auf dem Bahnsteig in Torgau aggressive Stimmung wie nach Fußballspielen verbreitet haben, sagte Wolfram Günther. Der Grünen-Politiker und Fraktionsvorsitzende der Partei im Sächsischen Landtag hatte als Fahrgast neben der Truppe gestanden. Die Männer sollen sich durch die übervolle S-Bahn gewühlt und Mitreisende als "Zecken" beschimpft haben. "In der Mitte angekommen fingen sie an, andere Leute anzuschreien, zu schlagen. Da ist dann auch Blut geflossen, Brillen sind zu Bruch gegangen. Ein älterer Herr hatte hinterher einen blutigen Kratzer im Gesicht", berichtet der Augenzeuge im Gespräch mit MDR SACHSEN. Fahrgäste seien "regelrecht an die Scheibe gequetscht worden", eine Armlehne ging zu Bruch.

Es haben viele Fahrgäste etwas abbekommen. Kinder saßen zitternd da. Eine ältere Frau stand wie unter Schock.

Wolfram Günther Fahrgast und Augenzeuge

Nachdem Fahrgäste protestierten, seien die Männer an eine andere Stelle im S-Bahn-Abteil gegangen, um dort wieder auf Leute einzuschlagen. "Dann gab es noch eine Prügelei vor der Bahn, wo ein junger Mann auf ein Gleis gefallen ist. Mehrere stellten sich drumherum und haben auf ihn eingetreten."

Wir haben ein Problem mit gewaltbereiten Menschen. Man hat deutlich gemerkt: Für die ist eine gewaltbereite Auseinandersetzung etwas ganz Normales. Für sie gibt es überhaupt keine Hemmschwelle.

Wolfram Günther Fraktionsvorsitzender der Grünen
Wolfram Günther, neuer Fraktionschef der Grünen im sächsischen Landtag
Wolfram Günther Bildrechte: Bündnis 90 Die Grünen im Sächsischen Landtag/Dirk Hanus

Fahrgäste hätten sofort versucht, die Polizei herbeizurufen. "Es hat sich dann einer dazwischen gestellt, von dem sich herausstellte, dass es ein Polizist in seiner Freizeit war", so Wolfram Günther. Es sei schwierig gewesen, die offensichtlich angetrunkenen Männer zu bändigen. Erst nach einer Stunde und 15 Minuten sei die Polizei gekommen.

Der Grünen-Politiker regte nach dem Vorfall an - von dem andere Augenzeugen berichten, dass es sich um Täter aus der rechten Szene handeln soll - mehr Personal bei Volksfesten und an Bahnsteigen präsent zu haben und ein Auge auf gewaltbereite Gruppen bei Volksfesten zu haben, eventuell Platzverweise zu erteilen. Auf alle Fälle sollten Bahn und Polizei aus Sicht von Günther bei großen Festen Personal haben, das in kritischen Situationen schneller reagieren könnte.

Polizei prüft Überwachungsvideos

Die Beschreibungen des Grünen-Politikers bestätigt die Bundespolizei MDR SACHSEN. Sprecher Jens Damrau sagte, nach ersten Erkenntnissen sind zehn junge Männer erst verbal, dann körperlich aufeinander losgegangen. In der Bahn hätten sie Sitze demoliert und Unbeteiligte verletzt. Gegen sie wird wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Aktuell wertet die Polizei Überwachungsvideos aus dem S-Bahn-Wagen vom Sonnabend aus.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.09.2018 | ab 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Erst verhalten, jetzt umso kraftvoller: die Sängerinnen und Sänger des Hoyerswerdaer Bürgerchores mussten sich erst mit der unverblümten Sprache Gerhard Gundermanns anfreunden, bevor sie dessen Lieder auf die Bühne bringen konnten. Bildrechte: Kulturfabrik Hoyerswerda/Gernot Menzel

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2018, 09:37 Uhr

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