Nachfolger gesucht Elbfähre in Belgern vor dem Aus






Fähre Belgern
Bildrechte: Belgern Karl - Otto Weck

Die Zukunft der Elbfähre zwischen Belgern-Schildau und Arzberg ist ungewiss. Karl-Otto Weck, Stadtratsmitglied in Belgern-Schildau, erklärt das Dilemma: "Unser jetziger Pächter, der Fährmann Werner Ruben, geht zum kommenden Jahr alters- und gesundheitsbedingt in den Ruhestand. Somit versuchen wir, die Stadtverwaltung und der Stadtrat, die Fähre wieder zu verpachten, was uns bis jetzt aber noch nicht gelungen ist." Bisher gebe es nur drei Interessenten, teilte die Stadt mit, jedoch noch keine konkrete Zusage.

Fährmann Werner Ruben
Fährmann Werner Ruben geht in den Ruhestand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Betrieb für die Stadt nicht wirtschaftlich

Betrieb und Wartung der Fähre würden die Stadt pro Jahr rund 10.000 Euro kosten. Daher habe man sie an Werner Ruben verpachtet. Der 70-jährige gelernte Binnenschiffer betreibt die Fähre Belgern seit drei Jahren. Im Juni soll Schluss sein. Der stellvertretende Bürgermeister Ingolf Gläser ist besorgt: "Die Existenz der Fähre ist nicht gesichert. Wir müssen sehen, dass wir hier öffentliche Mittel bekommen, um sie weiter betreiben zu könne." Eine Aufnahme in den öffentlichen Personennahverkehr wäre denkbar oder Fördermittel für den umweltfreundlichen Betrieb der Längsseilfähre ohne Verbrennungsmotor.

Für uns ist die Fähre nicht nur ein Kulturgut, sondern auch ein wichtiges Transportmittel. Sie hat auch ihren touristischen Wert. Ich denke, es würde eine Menge fehlen, wenn es die Fähre nicht gäbe.

Ingolf Gläser Stellvertretender Bürgermeister Belgern-Schildau

Touristischer Anziehungspunkt

"Sie ist auch ein Anziehungspunkt für die vielen Fahrradfahrer am Elbradweg", ergänzt Weck. Würde sie nicht mehr verkehren, bedeutet das einen nicht unwesentlichen Umweg, erklärt Gläser. "Es gibt zwei Brücken, eine in Torgau, eine in Mühlberg. Das sind jeweils etwa 15 Kilometer Umweg. Das kann man so nicht akzeptieren. Deswegen ist diese Fähre für uns sehr wichtig."

Fähre Belgern
Nur bei Eis und Hochwasser steht sie still: Die Elbfähre Belgern Bildrechte: MDR/Dirk Henze

Historisches Verkehrsmittel

Die Fähre Belgern am Elbkilometer 140 verbindet die Stadt Belgern-Schildau mit der anderen Elbseite. Sie transportiert Autos, Radfahrer, Fußgänger und Reiter. Sie hat 30 Tonnen Tragfähigkeit, fasst maximal 40 Personen. Die Elbfähre blickt auf eine lange Geschichte zurück: Im 13. Jahrhundert wurde sie erstmals erwähnt.

Quelle: MDR/dh/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 27.10.2020 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN | 27.10.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

1 Kommentar

Harka2 vor 4 Wochen

Es wäre leider nicht die erste Elbfähre, die verschwindet. Erstaunlich, die notorische klamme DDR konnte sich die Fähren leisten, eine der größten Industrienationen der Welt hingegen nicht.

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