Lehr- und Forschungsgut Köllitsch
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

02.10.2019 | 16:49 Uhr Besuch auf dem digitalen Bauernhof in Köllitsch

Die Digitalisierung hält Einzug in den Bauernhof: In Köllitsch trifft Hightech auf Landwirtschaft. Hier wird nach Lösungen für die Zukunft geforscht – und die hängt eng mit dem künftigen Mobilfunkstandard 5G zusammen.

Lehr- und Forschungsgut Köllitsch
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Von außen wirkt das Lehr- und Forschungsgut in Köllitsch bei Torgau wie ein ganz normaler Bauernhof. Doch die Antennen am Stall und den umliegenden Gebäuden deuten darauf hin: Hier wird mit modernster Technik gearbeitet. Uwe Bergfeld, Leiter der Abteilung Landwirtschaft beim sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, erklärt: "Wir bauen hier ein Test- und Demonstrationsfeld auf, um digitale Technologien zu testen und in die Praxis zu bringen. Es ist heute viel möglich, um die Landwirtschaft viel präziser und zielgerichteter zu betreiben."

Digitalisierung im Kuhstall

Die Digitalisierung macht vor dem Stall nicht Halt. Dort ist es ein bisschen wie auf dem Flughafen: Um an ihr Futter zu kommen, laufen die Kühe durch eine Schleuse. Messgeräte erkennen jede Einzelne anhand eines Chips im Ohr und scannen sie per Ultraschall. Die Daten landen bei Franziska Deißing. Sie prüft zum Beispiel anhand des Rückenfetts, ob die Kuh gesund ist, bestimmt die Futtermenge und den Melkzyklus. Nach dem Kalben nehmen die Tiere ab, die Futteraufnahme, und damit das Fettdepot, nimmt zu. Die Technik hilft hier die Waage zu halten.

Auf dem Forschungsgut Köllitsch wird die Digitalisierung der Landwirtschaft geprobt

Das Lehr- und Forschungsgut in Köllitsch bei Torgau testet neue Formen der Landwirtschaft.

Lehr- und Forschungsgut Köllitsch
Mit moderner Technik kann Franziska Deißing sehen, wie es den Tieren geht. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Lehr- und Forschungsgut Köllitsch
Mit moderner Technik kann Franziska Deißing sehen, wie es den Tieren geht. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Lehr- und Forschungsgut Köllitsch
Per Ultraschall wird u.a. das Rückenfett der Tiere analysiert. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Auf dem Lehr- und Forschungsgut werden neue Formen der Landwirtschaft erprobt. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Das Lehrgut wurde in den 1990ern eingerichtet und hat sich in den vergangenen Jahren zum Hightech-Think-Tank entwickelt. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Im Inneren sieht es aus wie auf einem ganz normalen Bauernhof. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Doch die Antennen an den Gebäuden weisen auf modernste Technik hin. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Die schlummert auch in den Fahrzeugen auf dem Hof. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Lehr- und Forschungsgut Köllitsch
Auf dem Bildschirm hat der Landwirt die Daten im Blick ... Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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... die ihm die Drohne liefert. Allerdings ist ihr Einsatz wetterabhängig: Bei starkem Wind kann sie nicht starten. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
Lehr- und Forschungsgut Köllitsch
Im ländlichen Raum ohne 5G-Mobilfunkabdeckung kommt satellitengesteuerte Kommunikation zum Einsatz. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Teilnehmer aus aller Welt am "5G Summit" in Dresden machten sich am Dienstag ein Bild der Zukunft auf dem Hof in Köllitsch. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay
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Die Mitarbeiterin des Lehr- und Forschungsguts erklärt: "Mit Sensoren können wir die Kühe berührungslos vermessen, was deutlich stressfreier für die Tiere ist." Mit der digitalen Technik lassen sich die Tiere noch besser beobachten. Technische Geräte, wie z.B. Melkroboter, haben sich in der Landwirtschaft bereits etabliert, sagt Uwe Bergfeld. Aber die Digitalisierung geht weiter. "Im Mittelpunkt steht nicht nur die Leistung, sondern auch das Wohlbefinden der Tiere. Wir haben heute sehr viele Indikatoren am Tier, die wir erfassen können, um zu ermitteln, wie es dem Tier geht." Mit Hilfe der Technik sollen die Tiere gesund und leistungsfähig gehalten werden, erklärt Bergfeld.

Im Mittelpunkt steht immer noch das Tier und die landwirtschaftliche Produktion. Jede Digitalisierung ist Mittel zum Zweck. Sie soll uns helfen, die Dinge noch besser und präziser zu machen.

Uwe Bergfeld Leiter der Abteilung Landwirtschaft beim sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Drohnen über dem Kornfeld

Nebenan surren Drohnen über das Feld, um die Beschaffenheit des Bodens zu analysieren. Ziel sei auch der Klimaschutz, sagt Bergfeld: "Die Bedingungen in der Landwirtschaft sind sehr heterogen. Wir haben unterschiedliche Boden- und Klimabedingungen. Wir sind daran interessiert, sehr präzise zu produzieren, um Dünger und Pflanzenschutzmittel sehr zielgenau auszubringen und damit auch die Umwelt zu schonen. Dazu brauchen wir exakte Informationen, wie die Bedingungen genau vor Ort sind. Da hilft die Digitalisierung mit Sensoren und Positionierungsdaten bei der Umsetzung."

5G in Köllitsch

Der zukünftige Mobilfunkstandard 5G ist ein wichtiges Werkzeug bei der Umsetzung. Durch die sekundenschnelle Übertragung können die Daten in Echtzeit ausgewertet werden. Eine Technik, die weltweit Interesse weckt. Bis Mittwoch tagte der vierte "5G Summit" in Dresden, der größte Mobilfunkkongress seiner Art. Veranstaltet wird er von der Technischen Universität Dresden und dem Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE), dem weltweit größten technologischen Fachverband. So besuchten die Experten aus Estland und Großbritannien auch das kleine Köllitsch, um zu erfahren, wie die Landwirtschaft der Zukunft aussehen könnte.

Berufsbild im Wandel

Die Automatisierung erleichtert die alltäglichen Arbeit der Bauern, sagt Bergfeld. Das Berufsbild verändert sich grundlegend: "Zunächst bedeutet Digitalisierung einen Mehraufwand, da ich die neuen Instrumente und Möglichkeiten erstmal nutzbar machen muss. Mittelfristig werden einige Tätigkeiten digitalisiert und nicht mehr notwendig sein. Aber die Arbeit verschiebt sich. Sie wird gänzlich anders, viel intelligenter und vielfältiger, weil ich in Zukunft präziser und mit mehr Informationen arbeiten werde. Das macht die Landwirtschaft spannender denn je."

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.10.2019 | ab 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2019, 16:50 Uhr

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