Rechtsextremismus Ermittlungen gegen Prepper-Netzwerk in Nordsachsen eingeleitet

Die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg ermittelt gegen mutmaßliche Mitglieder des in Sachsen und Sachsen-Anhalt aktiven rechtsextremen Prepper-Netzwerks "Zuflucht". "Wir haben ein Verfahren gegen mehrere Beschuldigte eingeleitet", sagte der Sprecher der Behörde, Klaus Tewes, am Mittwoch. Dabei gehe es vor allem um Verstöße gegen das Waffengesetz und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Der Schwerpunkt der Ermittlungen gegen die Gruppe werde wahrscheinlich aber in Sachsen und bei den sächsischen Behörden liegen, so Tewes. Die Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Leipzig dauern laut "taz" noch an.

Männer in Burschenschaftkleidung posieren für das Foto
Zur Gruppe sollen auch Mitglieder der Leipziger Burschenschaft "Germania" zählen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die "taz" und das Recherchenetzwerk "LSA Rechtsaußen" hatten das Netzwerk im Juni mithilfe geleakter Chatprotokolle enttarnt. Mehrere Bundeswehr-Reservisten und Burschenschafter sollen sich demnach im Internet zu der Gruppe zusammengeschlossen und unter anderem über private Bewaffnung und einen möglichen "Rassenkrieg" diskutiert haben.

Giebelseite eines unsanierten Hauses
In diesem Haus in Nordsachsen wollte sich die Gruppe offenbar verschanzen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verbindungen zu Burschenschaften, AfD und CDU

Im Mittelpunkt der Naumburger Ermittlungen stehen nach Angaben von Tewes illegale Schießübungen, die die Gruppe im Landkreis Wittenberg abgehalten haben soll. Den Berichten vom Juni zufolge gehörten der Gruppe unter anderem Mitglieder aus Sachsen-Anhalt und Sachsen an, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sein sollen.

Frau steht in einem Schießkeller und zielt mit einem Gewehr
Eine der beteiligten Frauen aus der Gruppe beim Schießtraining. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Mann hat demnach in einem Corona-Krisenstab eines Landkreises in Sachsen-Anhalt gedient, ein anderer als Reservist zum Einsatz bereitgestanden. Zudem habe es Bezüge zu einer Burschenschaft in Leipzig sowie zum Reservistenverband Sachsen gegeben. Mindestens ein Mitglied der Gruppe soll jahrelang für die AfD gearbeitet haben, ein weiteres Mitglied soll der CDU angehört haben. Die Spitze der Landespartei in Sachsen-Anhalt hatte in Folge der Berichte ein Ausschlussverfahren gegen den Mann eingeleitet, dem der allerdings durch seinen Austritt zuvorgekommen war.

Mitglieder im Pflegeelternverein aktiv

Die Gruppe hat auch den Pflegeelternverein Nordsachsen in Misskredit gebracht. Ein Ehepaar, das sich in der Prepper-Gruppe rassistisch und gewaltverherrlichend äußerte, stand dem Verein vor. Es ist inzwischen zurückgetreten und der Verein hat einen neuen Vorstand gewählt.

Was sind Prepper? "Prepper" versuchen sich mit Vorräten auf ein weitgehend autarkes Leben während einer schweren Krise oder dem Zusammenbruch staatlicher Strukturen vorzubereiten. Dafür wird von manchen "Preppern" auch der Einsatz von Schusswaffen eingeplant.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.08.2020 | 20:00 Uhr in den Nachrichten

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