Erster Wolfsriss in Nordsachsen Wölfe töten sechs Rehe in Schildau

Der Wolf ist auf dem Vormarsch: Seit einigen Jahren kommt es in Sachsen vermehrt zu Übergriffen. Bisher konzentrieren sich die Vorfälle auf Ostsachsen. Nun gab es den ersten Wolfsriss im Landkreis Nordsachsen.

In der Nacht zum Sonnabend ist in Schildau ein Wolfsrudel in ein Wildtiergatter eingedrungen und hat sechs Rehe gerissen. Nach Angaben der Unteren Naturschutzbehörde krochen die Wölfe unter dem Zaun hindurch und töteten die Jungtiere. Drei der Rehe fraßen die Wölfe komplett bis auf die Knochen.

Den Naturschutzexperten des Landratsamtes zufolge deutete das Fraßbild eindeutig auf einen Wolf bzw. mehrere Wölfe hin. Sachgebietsleiter Giso Damer sagte MDR SACHSEN, das seien solche Kilomengen Fleisch, dass es ein Wolf allein nicht fressen kann. "Deshalb gehen wir auch davon aus, dass es mehrere Wölfe waren." Der Behörde zufolge handelt es sich um den ersten derartigen Fall im Landkreis Nordsachsen. Bisher sind dort drei Wolfsrudel bekannt.

"Starker Rückgang an Rehwild"

Lutz Sommer, Besitzer des Schildauer Wildgeheges, fand die Überreste seiner Tiere am Sonnabendmorgen. Knochen und Kadaver lagen überall verstreut. Ein Anblick, den er mittlerweile gewohnt ist. "Wir haben einen ganz starken Rückgang an Rehwild. Das ist bezeichnend." Im 3,5 Hektar großen Areal des Schildauer Wildtiergeheges sind von 16 Tieren nur noch fünf übrig.

Keine Angst vor Menschen

Die Wölfe haben keinen Respekt mehr vor dem Menschen, sagte Sommer MDR SACHSEN. Mitunter kämen die Tiere bis auf 20 Meter an die Jäger in der Dahlener Heide heran. Am liebsten würde Sommer selbst zur Flinte greifen. Aber damit würde er sich strafbar machen. "Der Wolf ist geschützt und darf weder beschossen, noch bejagt werden, noch werden die Zahlen reguliert." Sommer setzt jetzt auf Draht als einen zusätzlichen Unterwühlschutz von außen.

So geht es nicht weiter, dass der Wolf sich hier unkontrolliert ausbreiten kann. Der Wolf muss reguliert werden.

Lutz Sommer Wildgehegebesitzer

Der Wildhüter sieht auch eine große Einschränkung für die Anwohner. Der Kinderspielplatz ist nur wenige Meter vom Gehege entfernt und unter den Anwohnern mache sich schon Unbehagen breit.

Laut sein hilft

Giso Damer von der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Nordsachsen sieht keine Gefahr für die Menschen, denn der Wolf weicht ihnen im Regelfall aus. "Wer aber ängstlich ist, braucht nur ein Lied zu pfeifen. Das hilft auf jeden Fall." Wer einen Wolf sichtet, solle sich lautstark bemerkbar machen, dann ergreife das Tier sofort die Flucht, so Damer.

"Wildgehegebesitzer müssen vorbereitet sein"

Damer erklärte MDR SACHSEN, Wildgehegebesitzer müssten sich auf die Wölfe einstellen. "Das heißt für Schäfer 90 Zentimeter hohe Elektrozäune, bei Wildgehegen genügen 1,80 Metern hohe Zäune, wenn es geht mit Unterwühlschutz." Vor einem Wolfsüberfall schützt das die Tiere zwar nicht unbedingt, aber der Halter hat zumindest Anspruch auf Schadensersatz vom Freistaat, sagte Damer.

Der Wolf hat ein Territorium von 200-250 Quadratkilometern. Das entspricht dem zentralen Waldgebiet der Dahlener Heide. Dieses Territorium durchstreift der Wolf regelmäßig nach Beute. Deswegen ist das Auftauchen der Wölfe in Schildau eigentlich normal.

Giso Damer Untere Naturschutzbehörde im Landkreis Nordsachsen

Deutschlandweit 73 Wolfsrudel

Der Wolf ist auf dem Vormarsch, vor allem in Mitteldeutschland: Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) gibt es derzeit 73 Wolfsrudel in Deutschland. Das Wolfvorkommen konzentriere sich auf das Gebiet von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Niedersachsen. Zum ersten Mal seit der Ausrottung der Art in Deutschland vor mehr als 150 Jahren ist zudem ein Rudel in Bayern bestätigt. Die meisten Tiere leben in Brandenburg, gefolgt von Sachsen und Niedersachsen. In Sachsen konnten 2017/2018 insgesamt 17 Wolfsrudel gezählt werden.

Quelle: MDR/lt/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 18.12.2018 | ab 6:30 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 13:10 Uhr

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26 Kommentare

21.12.2018 09:59 Sascha10 26

Entscheidend ist der Satz: "Vor einem Wolfsüberfall schützt das die Tiere zwar nicht unbedingt, aber der Halter hat zumindest Anspruch auf Schadensersatz vom Freistaat. "
Damit wird die Weidehaltung offiziell zur Wolfsfutterproduktion abqualifiziert.

20.12.2018 11:24 Peter Wölflick 25

#20#21
ich hab mir den MDR Beitrag nochmal genauer angeschaut, weitläufiges Gehege in einem Waldstück. Sieht eigentlich nach einer artgerechten Haltung aus, gleichwohl ich die Sinnhaftigkeit nach Schalenwild im Gehege nicht so recht verstehen kann.
Eingezäunt ist das ganze Areal mit Knotengeflecht, ohne Untergrabschutz. Die im Bericht gezeigten Heringe die den Zaun an den Boden drücken sollen, sind faktisch sinnlos. Bauwerke wie im Zoo sind natürlich unrealistisch, da gebe ich Ihnen Recht.
Aber Untergrabschutz und stromführende Litzen währen hier zu empfehlen. Ist zwar Arbeit, aber Alternativlos. Denn der Wolf wird wiederkommen um leichte Beute zu machen.

20.12.2018 08:55 Wolpertinger 24

@19.12.2018 16:00 Zeigeist
Nur zur Info: Rehwild ist kein Rotwild.

19.12.2018 18:48 Wolfgang Nawalny 23

@1 - "Dieser Jäger hat leider keinen Respekt vor wilden Tieren?"

Wir leben hier nun mal nicht mehr in der Wildnis, sondern in einer Kulturlandschaft. Wenn der unbedarfte "Städter" dann doch mal durch die Wälder schlendert, hat diesen Wald mindestens ein "Dörfler" und seine Vorfahren mit viel Schweiß und Sachverstand und Erfahrung angelegt, gehegt und gepflegt.

Analoges gilt für die traditionellen Schäfer, die auch in der Landschaftspflege unverzichtbar sind.

Also mal die Wolfsnaivität an den Nagel hängen und den naivgrünen Brummkreisel bei Seite lassen.

"Die Toleranz steigt mit dem Abstand zum Problem."

19.12.2018 17:21 Zellerberger 22

...alle werden erst wach, wenn ein Wolf einen Menschen angegriffen hat, wer legt seine Hand ins Feuer, dass dies niemals passieren kann....und wer ist dann bereit, Verantwortung zu übernehmen...

19.12.2018 16:04 Känguru @ Wölfling #18 21

"Verwunderlich nur, das in einem Wolfsland der Schutz von Gehege-Wild immer noch
nicht funktioniert!" Oh heilige Einfalt. Wie ein wolfssicherer Zaun aussieht, können Sie im Tierpark bewundern: 3 m hoch und mit Untergrabschutz. Bitte erklären Sie uns:
1. Wer kann das bei den riesigen Weiden bezahlen?
2. Welche Bauaufsichtsbehörde genehmigt solche Monster im Außenbereich?

19.12.2018 16:00 Zeigeist 20

zu Peter Wölflick,
es wird fast ausschließlich nur Dammwild in Gehegen gehalten. Rotwild wie Rehe eigentlich nicht. Für Schutzmaßnahmen sorgt der Halter in Absprache mit den Jägern
( Beispiel Gefahr durch Füchse ). Werden auch Hirsche gehalten ist oft ein Hirschbock dabei. Der erledigt Eindringlinge mit Geweih oder Hufen.
Zum Thema Wolf, in Sachsen wird z. Z. dieses Tier besser geschützt als der Mensch auf der Straße in der Dunkelheit !... Zeit / time MEZ 15:29 Uhr.

19.12.2018 15:28 Wolpertinger 19

@19.12.2018 13:33 Mentor an Wolpertinger 14
Super. Dankeschön =).

19.12.2018 13:34 Peter Wölflick 18

wieder mal ein Grund für Panikmache...Wölfe fressen halt mal Damm-Wild.
Und wenn die Beute leicht zu erreichen ist, tut er das.
Verwunderlich nur, das in einem Wolfsland der Schutz von Gehege-Wild immer noch
nicht funktioniert! Und wieso eigentlich Wild im Gehege halten?

19.12.2018 13:33 Mentor an Wolpertinger 14 17

Teil 2: Aus dem Rußland des 19. Jh. sind jährlich hunderte Fälle von Wolfsangriffen bekannt. Das hindert Wikipedia-Ideologen nicht daran, im Artikel "Wolf" unsachliche stalinistische Propaganda (Kaverznev von 1933) zu kolportieren. Selbst das Buch Bibikows, in dem Kaverznev zitiert wird, stammt in der russischen Erstauflage aus den 80ern.

Die KPDSU hatte seinerzeit beschlossen, daß es im Arbeiterparadies keine Probleme mit Wolfsangriffen mehr gibt. Sie können sich vorstellen, was Kaverznev und selbst Bibikow widerfahren wäre, wenn sie der Partei-Linie widersprochen hätten.

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