Die Waldbrand-Überwachungskameras sind auf hohen Türmen angebracht. Der Stahlgitter-Turm bei Tiefensee ist 37 Meter hoch.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

05.07.2019 | 16:45 Uhr Landkreis Nordsachsen: mit Weltraumtechnik gegen Waldbrände

Die nordsächsischen Wälder sind ausgetrocknet, schnell kann hier ein Feuer entstehen. Damit sich die Flammen im Ernstfall nicht in Windeseile ausbreiten, setzt der Landkreis Nordsachsen auf hochmoderne Technik. MDR SACHSEN hat sich das ausgeklügelte System erklären lassen.

Die Waldbrand-Überwachungskameras sind auf hohen Türmen angebracht. Der Stahlgitter-Turm bei Tiefensee ist 37 Meter hoch.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Es ist Freitagmorgen, der Himmel ist bedeckt, es tröpfelt sogar etwas. Trotzdem zeigt ein Schild an der Zufahrt zum Forst die Waldbrandwarnstufe IV an: hohe Gefahr. Wir sind mit Markus Bachmann von der Forstbehörde des Landkreises Nordsachsen verabredet. Unser Treffpunkt ist kaum zu verfehlen, obwohl wir uns in einem kleinen Waldstück bei Tiefensee verabredet haben und die Kiefern dicht beieinander stehen. Markus Bachmann steigt aus dem Auto und zeigt auf einen 37 Meter hohen Stahlgitter-Turm. Dort wollen wir hinauf.

Einsam summt die Überwachungskamera

Markus Bachmann schließt eine schwere Metalltür auf, wir steigen über 200 Stufen nach oben, vorbei an den Baumwipfeln. Auf der oberen Plattform weht ein kräftiger Wind und in aller Einsamkeit surrt eine Kamera, immer wieder um die eigene Achse.

Markus Bachmann von der Unteren Forstbehörde Nordsachsen steht neben der Waldbrandüberwachungskamera.
Markus Bachmann von der Forstbehörde Nordsachsen auf dem Brandschutzturm Tiefensee. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

"Wir stehen jetzt mitten in der Dübener Heide und haben einen wunderschönen Blick über die Kiefernwälder", sagt Bachmann. Von oben sieht man vereinzelt abgestorbene Bäume. "Die sind aufgrund der Trockenheit abgegangen. Sehr traurig, aber nicht zu ändern." Früher, erklärt der Forstbeamte, hätten hier oben noch Menschen mit dem Fernglas gesessen und nach Waldbränden Ausschau gehalten. Heute übernimmt diese Aufgabe eine kleine Kamera. "Die Kamera ist hier oben fest installiert und dreht sich in acht Minuten einmal komplett im Kreis. Alle paar Millimeter stoppt sie und schießt drei Bilder."

Die Überwachungskameras können sogar Rauchschwaden in zehn Kilometern Entfernung erkennen.
Die Spezialkameras kosten rund 50.000 Euro. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Die Kamera ist ein Spezialmodell, Technik aus der Weltraumforschung mit einer extrem hohen Auflösung. Damit könne man sogar in zehn Kilometern Entfernung noch eine kleine Rauchsäule erkennen. "Die Kamera wertet die Bilder aus und sucht nach Abweichungen zwischen den drei Einzelbildern. Das kann dann für eine Rauchentwicklung stehen", erklärt Bachmann. Die Daten werden anschließend über eine Funkstrecke in die Zentrale in Eilenburg geschickt.

Bis zu 1.000 Warnmeldungen am Tag

Dort, vierzehn Kilometer Luftlinie entfernt, sitzt heute Uwe Funke in einem kleinen Raum. Vor ihm stehen zwei Monitore. "Auf meinen Bildschirmen sehe ich insgesamt fünf Bildleisten. Das sind die 360 Grad-Bilder der fünf Überwachungstürme aus dem Landkreis", sagt Funke. Meldet das System eine Abweichung, geht der Mitarbeiter der Forstbehörde der Ursache auf den Grund.

In der Zentrale der Waldbrandüberwachung stehen Monitore, auf denen die Bilder der Kameratürme zusammenlaufen.
Im Landratsamt des Kreises Nordsachsen überwacht Uwe Funke die Bilder der Feuerwachtürme. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Gerade, als er ein Kamerabild von einem vergangenen Waldbrand heraussuchen möchte, zeigt das System eine Warnmeldung an. Auf dem schwarz-weiß Bild ist eine Art Wolke zu sehen. "Das ist jetzt nicht ganz eindeutig, was es ist. Da ist eine kleine Grauschattierung und ich weiß nicht, ob es Qualm ist oder ob es von einer landwirtschaftlichen Maschine her rührt", erzählt Funke ruhig. Mit ein paar Klicks lässt er sich ein vergrößertes Live-Bild anzeigen und gibt Entwarnung. "Auf dem aktuellen Bild ist keine Wolke mehr zu sehen. Wahrscheinlich war es ein Traktor, der etwas Staub aufgewirbelt hat."

"Bis zu 1.000 Warnmeldungen gibt das System täglich aus", sagt Frieder Voigt, Sachgebietsleiter der Unteren Forstbehörde. "Mit den fünf Kameratürmen können wir die Waldbestände im ganzen Landkreis abdecken und überwachen." Das sind immerhin 42.800 Hektar.

"Nicht warten, bis die Rauchfahne am Himmel steht"

Ein Bild auf dem Computerbildschirm zeigt einen Waldbrand - aufgenommen von einer Überwachungskamera der Forstbehörde.
Kamerabild eines "echten" Waldbrandes Ende Juni 2019. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Besonders stolz ist Voigt auf die Quote seiner Leute. Über 80 Prozent aller Brände würden direkt aus Eilenburg an die Leitstelle in Leipzig gemeldet. "Den Rest entdecken Fußgänger, Rad- oder Autofahrer, bevor wir es erkennen können." Insgesamt 29 reine Waldbrände gab es im vergangenen Jahr, dabei sind im Landkreis rund vier Hektar Wald niedergebrannt. "Dass es nur so wenig ist, ist der Verdienst unserer Waldarbeiter und Förster. Wir wollen nicht warten, bis man die Rauchfahne weithin am Himmel sieht", sagt Voigt. "Das ist für uns zu spät."

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR AKTUELL | 01.07.2019 | 19:30 Uhr im MDR FERNSEHEN

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