20.07.2019 | 16:50 Uhr Schüler veranstaltet ersten "Markt der Parteien" in Torgau

Am Sonnabend konnten die Torgauer auf dem Markt Kandidaten der Parteien für die Landtagswahl treffen. Einige Neugierige waren auch gekommen und im regen Austausch mit den Politikern. Organisiert hat die Veranstaltung der 17-jährige Kurt-Ole Steinhöfel, der Torgauer ist und am Gymnasium St. Afra in Meißen lernt. Mit MDR SACHSEN sprach er über die Idee dahinter und warum er mit solchen Events die nordsächsische Kleinstadt aus dem politischen Schlaf holen will.

Jugendlicher Kurt-Ole Steinhöfel organisiert ersten "Markt der Parteien" Torgau, Landtagswahl 2019 Sachsen
Der Torgauer Kurt-Ole Steinhöfel hat dafür gesorgt, dass sich die Parteien vor dem Rathaus zeigen. Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier

Kurt-Ole Steinhöfel hat seiner Veranstaltung auf dem Torgauer Marktplatz am Sonnabend das Motto "Wir sind für euch da" gegeben. Wie er MDR SACHSEN sagte, wollte er damit zeigen, dass es entgegen mancher Behauptung durchaus die Möglichkeit gibt, sich zu informieren und auszutauschen: "Die Politiker stellen sich den Bürgern. Bis auf die SPD, bei denen es wegen Krankheit Terminprobleme gab, und den Freien Wählern, die im Vorfeld schon abgesagt hatten, waren auch alle Parteien vertreten". Diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen, war gar nicht so schwer, erzählte Steinhöfel weiter: "Ich habe einfach alle in Torgau tätigen Parteien angeschrieben." Dann habe er einen Termin in den Ferien und am Wochenende gewählt, damit jeder Interessierte vorbeikommen kann.

Man sieht Gesichter an Laternen hängen und vielleicht ist durch Zufall einmal ein Stand irgendwo. Da hört man dann eine einseitige politische Meinung und die Möglichkeit des Diskurses ist nicht gegeben. Beim 'Marktplatz der Parteien' hatte man das breite Spektrum. Man konnte mit jedem reden und sich das Parteiprogramm geben lassen.

Kurt-Ole Steinhöfel über das Ziel der Veranstaltung

Miteinander arbeiten und ins Gespräch kommen

Jugendlicher Kurt-Ole Steinhöfel organisiert ersten "Markt der Parteien" Torgau, Landtagswahl 2019 Sachsen
Die Veranstaltung hat keinen Ansturm verursacht, Steinhöfel ist trotzdem zufrieden. Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier

Im Gespräch mit MDR SACHSEN ist Steinhöfel ehrlich und sagt, dass er für die Linken politisch engagiert ist. Als Organisator der Veranstaltung ist es für ihn jedoch selbstverständlich, politisch neutral aufzutreten. Außerdem hat er gesehen, dass politische Arbeit oft über Parteigrenzen hinweg stattfindet: "Torgau liegt den Leuten mehr am Herzen als Parteidogmen, was mich freut und überrascht hat. Ich finde es schade, wenn sich Lager herausbilden, in denen eine Seite sagt, wir wollen nicht mit der anderen reden, und man dann anfängt, sich gegenseitig zu beschimpfen."

"Alle sind gefragt, sich einzubringen"

Obwohl Steinhöfel die meiste Zeit des Jahres im Internat des St. Afra Gymnasiums in Meißen verbringt und noch nicht wählen darf, sieht er sich als politisch interessierter Torgauer. Auch seine Eltern leben in der nordsächsischen Kleinstadt und unterstützen ihn in seinem Engagement gegen Politikverdrossenheit. "Politik soll das Zusammenleben der Menschen organisieren und alle sind gefragt, sich einzubringen", ist der 17-Jährige überzeugt. Nach dem Abitur möchte er gern Rechtswissenschaften studieren und sich weiter gesellschaftspolitisch einsetzen.

Jugendlicher Kurt-Ole Steinhöfel organisiert ersten "Markt der Parteien" Torgau, Landtagswahl 2019 Sachsen
Kurt-Ole Steinhöfel Bildrechte: MDR/Sina Meißgeier

Torgau ist sehr verschlafen. Es ist eine wunderschöne Renaissance-Stadt. Der Tourismus hier müsste eigentlich riesig sein. Ich habe ja den direkten Vergleich mit Meißen - die Albrechtsburg, das Meissener Porzellan. Torgau hat da Potential dafür. Politisch passiert hier auch nicht viel und da stellt sich eine Verdrossenheit ein, die nicht wünschenswert ist.

Kurt-Ole Steinhöfel über Tourismus und Politikverdrossenheit

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm im MDR FERNSEHEN: MDR SACHSENSPIEGEL | 20.07.2019 | 19:00 Uhr

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7 Kommentare

22.07.2019 12:42 Eulenspiegel 7

Also ich denke hier zeigt ein Schüler wie leicht es doch ist sich für für einen demokratischen Umgang miteinander einzusetzen. Der Gedanke für diesen Markt der Parteien stammt sicher aus der Erkenntnis das eben das Ausbuhen und Beschimpfen von Politikern nichts mit Demokratie zu tun hat. Und mit dieser Erkenntnis ist dieser Schüler sehr vielen Erwachsenen weit voraus.

21.07.2019 12:43 Kirchenmitglied 6

@Skywalker (2), woher kommen denn die Wähler der AfD? Im Wesentlichen stammen doch gerade sie aus dem Suppentopf der jahrelangen nicht wählenden Couch potatoes. Was tun die Wähler der AfD? Sie setzen ein Kreuz bei dieser Partei und bilden sich dann ein, die hätten damit die Welt gerettet. Beschimpfungen der Bundeskanzlerin haben mit politischer Aktivität rein gar nichts zu tun. Diese sieht anders aus. Sie entäußert sich vor allem in emsiger Kleinarbeit mit den Menschen an der Basis.

Das mit der Absage seitens der SPD verstehe ich auch nicht!

Und dann noch eine Frage: "Woher kommt die Annahme, dass die Initiative von Herrn Steinhöfel ausgerechnet linken Idealen entspringen soll?" Wer sich mit dem Kampf der Kirchen in den Achtziger Jahren in der DDR beschäftigt, wird feststellen, dass es auch da genug Initiativen dieser Art gegeben hat.

21.07.2019 10:09 Maria A. 5

Dass sich junge Menschen für linke Ideale begeistern können, ist absolut verständlich. Und dass es später bei den meisten Menschen zu einer anderen Sichtweise kommen kann, liegt daran, dass Lebenserfahrung und Altersweisheit dazu kommen. Was also sollte man daran kritisieren, was dieser junge Mann von sich gibt? Oder auch daran, dass er diese Aktion organisiert hat? Weder er, noch die Teilnehmer an diesem parteilichen Gedankenaustausch, werden zum jetzigen Zeitpunkt trotz gemeinsamer Diskussion von ihren Überzeugungen abzubringen sein.

21.07.2019 09:12 Gerald 4

Die SPD sagte ab! Wegen Krankheit gab es Terminprobleme!
Kann man da nicht einen Ersatz schicken! Schon wegen der miserablen Umfragewerte der SPD in Sachsen! Oder ist die Personaldecke der SPD auch in Torgau sehr dünn? Muss der SPD dann zu denken geben! So kann man keinen überzeugen, die SPD am 01.09. zu wählen! Es sei denn, daß man sich mit dem Ergebnis der letzten Wahl zufrieden gibt! Und das als Erfolg wertet! Wie das der Herr Dulig vor einigen Wochen gesagt hat! Auch das muss zu denken geben!

21.07.2019 07:56 Franko54 3

ich habe mit mehr als zwanzig Bundestagsabgeordneten
bzw. Ministern E-Mails ausgetauscht, unter Anderem auch über die Zwangsmitgliedschaft in einer privaten Krankenversicherung. Sie antworten eigentlich Alle. Manche ergriffen, manche
teilnahmslos geradezu desinteressiert, letzteres war besonders bei den Grünen und der CDU zu beobachten. Zusammenfassen kann ich es mit einem Satz:
"Das tut uns ja alles sehr Leid, aber da müssen Sie
(also ich) mal sehen wie sie kommen".
Der junge Mann als Veranstalter wird auch noch lernen,
das seine Aktion nur heiße Luft bringt.

21.07.2019 07:32 Skywalker 2

Das Engagement des jungen Mannes in allen Ehren, aber von Politikverdrossenheit würde ich nicht unbedingt sprechen - in Nordsachsen respektive Torgau war die AFD bei den Europawahlen / Kommunalwahlen Wahlsieger und bereits 2017 haben die Torgauer auf dem Marktplatz Frau Merkel wissen lassen, was sie von ihr und Ihrer Politik halten. Appelle, Verunglimpfungen, die untauglichen Versuche von Schreck & Co....es wird alles nichts nützen

20.07.2019 21:21 Guy Montag 1

Eine Veranstaltung zu organisieren welche verschiedene Meinungen toleriert, ist fuer einen BRD-"Linken" aeusserst ungewoehnlich.
Ein sympathischer und mutiger junger Mann!
Hoffentlich gibt`s keinen Aerger mit den Genossen.

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