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Schloss Hubertusburg ist nur eines der vielen Schlösser, die man im Landkreis besichtigen kann. Bildrechte: MDR/Axel Berger

Kommunalwahl 2019 Unterwegs auf Nordsachsens überfüllten Straßen

Nördlich von Leipzig liegt der Landkreis Nordsachsen, gekennzeichnet durch eine ausbaufähige Infrastruktur. MDR SACHSEN unterwegs, auf der Suche nach Antworten für die wachsende Verkehrslast auf dessen Straßen.

von Roland Kühnke

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Schloss Hubertusburg ist nur eines der vielen Schlösser, die man im Landkreis besichtigen kann. Bildrechte: MDR/Axel Berger

Nordsachsens überfüllte Straßen

Gut anderthalb Stunden sind es mit dem Auto von Dresden bis nach Torgau. Die Autobahn ist weit weg und die Bundesstraße überfüllt, Lkw reiht sich an Lkw, bis zum Horizont und dahinter sieht es sicher auch nicht besser aus. Überholen ist kaum möglich und darüber hinaus sinnlos, der nächste Laster wartet schon. Die Zuckelei nervt, in einem flächenmäßig so großen Landkreis müsste man viel besser vorankommen auf den Straßen. Die Infrastruktur ist ein zentrales Thema, auch weil in Nordsachsen "zentral" relativ ist.

LK Nordsachsen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine bessere Infrastruktur - das zentrale Thema

Torgau, das Verwaltungszentrum liegt beispielsweise alles andere als zentral. Tief im Osten, die Wege sind lang bis in die Metropolen Dresden und Leipzig. Und selbst die Mittelzentren wie Oschatz, Eilenburg, Taucha oder Schkeuditz sind schwer zu erreichen. Die CDU-Kreistagskandidatin Stefanie Schweiger hat sich von Mügeln aus auf den Weg nach Torgau gemacht. Für die 45 Kilometer braucht sie fast eine Stunde, das ist zu viel:

Gerade in einem so großen Landkreis, der sich so weit hinzieht, ist es die Verkehrsinfrastruktur - sowohl die öffentlichen Verkehrsmittel, für die der Landkreis ja zuständig ist, als auch natürlich die Straßen - dass da einfach immer weiter gearbeitet wird.

Stefanie Schweiger (CDU) Kreistagskandidatin

Investitionen trotz Schulden

Ein Mann fächert ein Glasfaser-Kabel mit farbigen Einzelsträngen auseinander
Glasfaserkabel sollen im Landkreis für schnelleres Internet sorgen. Bildrechte: dpa

Straßeninstandsetzungs- oder gar Ausbauarbeiten aber kosten eine Menge Geld. Der Landkreis hat vor allem eine Menge Schulden. Rund 100 Millionen Euro. Und doch muss investiert werden und es tut sich eine Menge im Landkreis, auch was Investitionen betrifft. Mit 94 Millionen Euro - nie zuvor hat der Landkreis so viel in ein Projekt investiert – wurde zum Beispiel der Ausbau des Glasfasernetzes gefördert. Damit es - wenn schon nicht auf den Straßen - wenigstens im Internet schneller voran geht!

Ein Landkreis mit Zukunftsperspektiven?

Auf der Bundesstraße Richtung Torgau staut sich indessen der Verkehr. Das bringt Zeit zum Nachdenken. Der Zukunftsatlas Deutschland hat den Landkreis vor Jahren als Ort mit hohen Zukunftsrisiken eingestuft, auf Platz 372 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten. In Taucha, Schkeuditz oder Eilenburg sieht man keine hohen Risiken. Warum auch? Die geografisch günstige Lage im erweiterten Speckgürtel von Leipzig bringt viele Vorteile, die man nur nutzen muss. "Das Beste an Leipzig" werben sie zum Beispiel in Eilenburg. Bauland gibt es hier kaum noch.

Aber es gibt auch abgehängte Gebiete, Wolfserwartungsland nennt sie Michael Friedrich von der Partei "Die Linke".

Wir müssen darauf achten, dass sich der gesamte Landkreis entwickelt. Wir sind schon sehr gespalten.

Michael Friedrich (Linke) Fraktionsvorsitzender

Zwischenstopp in Torgau

Endlich ist Torgau erreicht. Die Stadt an der Elbe bietet weit mehr als nur Schloss Hartenfels. Die Landesgartenschau 2022 wird der alten Residenzstadt zu neuer Blüte verhelfen. Doch nach einem schnellen Kaffee auf dem Markt geht es weiter in Richtung Leipzig. Die Bundesstraße 87 - ein weiteres Dauerthema. Immerhin, streckenweise ist sie inzwischen dreispurig ausgebaut und so rollt der Verkehr zwischendurch immer mal wieder ganz ordentlich. Landrat Kai Emanuel - Landrat in Nordsachsen weiß, dass "ganz ordentlich" nicht reicht.

Karte LK Nordsachsen
Die Wege sind weit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kai Emanuel/CDU-Landratskandidat Nordsachsen
Bildrechte: CDU-Landesverband Sachsen

Da braucht es einen gewissen langen Atem. Wir sind bei der B87 in verschiedenen Projektphasen, wo wir diese Strecke beschleunigen wollen.

Kai Emanuel (CDU) Landrat

Kurz vor Taucha ist an Beschleunigung nicht zu denken, hier steht der Verkehr. Stop and go durch die gesamte Stadt. Eine Ortsumfahrung ist immer wieder mal im Gespräch, mehr nicht. In Wellaune im Norden des Landkreises treffen sich drei Bundesstraßen. Hier träumen sie seit 17 Jahren von einer Ortsumfahrung. Das lässt nicht unbedingt hoffen für Taucha.

ÖPNV - die Alternative zum Pkw

S-Bahn-Mitteldeutschland
Wer keine Lust auf möglichen Stau hat, sollte über einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nachdenken. Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Kai-Michael Neuhold

Endlich, nach weit über einer Stunde, ist der Hauptbahnhof in Leipzig erreicht. Beinahe pünktlich. Zu spät allerdings kommt der Gedanke. Mit der S-Bahn geht es - quer durch Nordsachsen - von Torgau nach Leipzig schneller. Alle 30 Minuten fährt sie und braucht nicht mal eine Stunde.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.04.2019 | 19:00 Uhr

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