MDR-Programm-Macher im Gespräch "Nahverkehr in Sachsen müsste sehr viel preiswerter sein"

Nach Leipzig oder Dresden muss der einstige Berufsschullehrer Kurt Claus aus Torgau nicht mehr pendeln. Die S-Bahn nach Leipzig nutzt er öfter. Ganz aufs Diesel-Auto würde er nur verzichten, wenn die Bahn billiger würde. Und zum Streit der Zweckverbände mit Verkehrsminister Martin Dulig hat er auch eine eigene Meinung.

Herr Claus, Sie leben in Torgau, wie nutzen Sie Bus und Bahn im Alltag?

Programmmacher Kurt Claus
Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Für Kultur und spezielle Ereignisse fahre ich gern mit der S-Bahn nach Leipzig. In die Richtung gibt es eine gute Anbindung. Ab Einstieg in Torgau bis zum Marktplatz in Leipzig benötigt die S-Bahn 40 Minuten. Wenn ich schnell nach Dresden oder Berlin will, sieht es schon schlechter aus. Früher bin ich immer bis nach Oschatz gefahren und dann in den Zug nach Dresden umgestiegen. Im Grunde genommen müsste der Nahverkehr in Sachsen sehr viel preiswerter sein, als er ist. Dann wäre er auch für Autofahrer eine echte Alternative. Ich würde wahrscheinlich auch sofort vom Diesel-Auto umsteigen. Aber es ist eine schwierige Sache mit der Finanzierung von Bussen und Bahnen, ich weiß schon.

Sachsens Nahverkehrsverbünde streiten mit Verkehrsminister Martin Dulig. Der will eine Landesverkehrsgesellschaft für den Schienennahverkehr und den überregionalen Busverkehr. Fünf konkrete Schritte sollen den ÖPNV attraktiver machen - darunter das Bildungsticket für Schüler und Azubis, die Anbindung der Plus-Busse an die Bahntaktung und ein sachsenweiter Dachtarif. Die Regionen fürchten, dass die Verbindungen auf dem Land ausgedünnt werden, weil Geld in die Städte abfließt. Wie denken Sie darüber?

Jeder Landrat denkt zuerst an seine Region. Es ist ein altdeutsches Problem, dass Regionalfürsten gegen die zentrale Macht arbeiten. Vielleicht ist es beim Nahverkehr doch besser, zentral Druck zu machen, wie es Herr Dulig gerade gemacht hat. Ich finde die fünf Punkte, um die es im ersten Schritt der landesweiten Gesellschaft gehen soll, gut und wichtig.

Warum?

Na, zum Beispiel das landesweite Bildungsticket für Schüler und Azubis. Viele können sich noch kein Auto oder einen Führerschein leisten. Die Monatskarten sind sehr teuer, die am Ende meist die Eltern bezahlen müssen. Da wäre das Bildungsticket besonders wichtig. Jede Region in Sachsen muss seinen Berufsnachwuchs so unterstützen, dass er zügig seine Ausbildung abschließen kann und nicht jeden Tag stundenlang auf Bahnhöfen herumhängen muss.

Sie haben jahrzehntelang als Berufsschullehrer gearbeitet. Wenn Sie vom Streit zwischen den Zweckverbänden, deren Vorsitzende die Landräte sind, und dem Verkehrsministerium hören, was raten Sie den Beteiligten?

Ohne die Zusammenarbeit mit der Zentrale geht es nicht, das sollten die Regionen beherzigen. Dresden muss mehr Kraft aufbringen, die regionalen Zentren zusammenzuführen. Es gibt bestimmt viele Sprachschwierigkeiten auf beiden Seiten.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.11.2018 | 17:50 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 18:51 Uhr

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