#verlagegegenrechts Proteste gegen rechte Verlage auf Leipziger Buchmesse

Menschen demonstrieren auf dem Augustusplatz.
Hinter der Initiative stehen mehr als 70 unabhängige Verlage sowie rund 200 Einzelpersonen, die einen Aufruf gegen rechte Stimmungsmache auf der Buchmesse unterzeichnet haben. Auch auf der Messe selbst hat die Initiative Aktionen geplant. Bildrechte: MDR/Dirk Knofe

Etwa 400 Menschen haben am Mittwochabend in Leipzig gegen rechte Verlage auf der Buchmesse protestiert. "Wir werden nicht hinnehmen, dass rechte Ideologien auf der Buchmesse verbreitet werden", sagte René Arnsburg, Mitinitiator von #verlagegegenrechts auf der Kundgebung vor dem Gewandhaus. Es gehe nicht um ein Verbot, sondern um Widerstand.

Wir wollen aber keine Tumulte. Die helfen nur den rechten Verlagen, weil sie dann in der Opferrolle sind. Wir wollen eine politische Diskussion und mit den Messebesuchern ins Gespräch kommen.

René Arnsburg Mitinitiator von #verlagegegenrechts

Unterstützt wurden die Demonstranten unter anderem von Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Bei der Eröffnungsveranstaltung zur Buchmesse am Mittwochabend erklärte die Linke-Politikerin, die Gesellschaft müsse standhaft bleiben und rechtem Gedankengut widersprechen.

"Junge Freiheit" macht einen Rückzieher

Die Leipziger Buchmesse hatte zuvor die Zulassung rechter Verlage verteidigt. "Wenn ein Verlag nicht gegen das Grundgesetz verstößt, kann ihm die Teilnahme auf der Buchmesse nicht verwehrt werden", sagte der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner, am Mittwoch vor der offiziellen Eröffnung. Man müsse auch schmerzhafte Diskussionen zulassen, auch wenn diese nur Provokationen seien.

Die rechtsgerichtete Wochenzeitung "Junge Freiheit" hatte in der Vorwoche ihre Teilnahme an der Buchmesse zurückgezogen. Durch die Standplatzierung in einem von der Messe konstruierten "rechtsextremen Block" von Verlagen sei eine Teilnahme absolut rufschädigend und wirtschaftlich sinnlos, hieß es in der Begründung.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.03.2018 | ab 20:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2018, 19:47 Uhr

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58 Kommentare

16.03.2018 13:51 Anonymer-User 58

Schon lustig aber auch peinlich, dass hier die die Rechtspopulisten, Rechtsradikalen und Rechtsextremen, also die Rassisten/Nationalisten, Faschisten, Anti-Feministen/Misogynisten und Homo- & Transphoben & bigotte "Christen" sich darüber aufregen, dass gegen rechtspopulistische und rechtsradikale Verlage demonstriert wird. Von Demokratie haben diese Autokratie- und
Diktaturfans bekanntlich wenig bis keine Ahnung und stehen ihr bekanntlich dementsprechend ablehnend gegenüber, sonst wüssten Sie dass Demonstrationen sowie Gegendemonstrationen als Demonstrationsrechte genauso wie die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit zu den Grundrechten und universellen Menschenrechten gehören...
Wenn also der asoziale fremdenfeindliche - insbesondere muslimenfeindliche - Mob von "Pegida" (korrekt eigentlich Negida, da es sich nicht um Patrioten sondern um Nationalisten handelt) ist es das gute Recht der Anti-Rassisten und Anti-Faschisten, also der Großteil der Bevölkerung, dagegen zu protestieren

16.03.2018 13:44 Morchelchen 57

Huber, eben, genau das habe ich auch schon heraus bekommen. Übrigens: In 40 Jahren DDR habe ich Brecht bis Oberkante Halskrause serviert bekommen. Sind Sie zu jung, um zu wissen, dass "Mutter Courage" damals jedes Jahr woanders auf dem Spielplan stand? Heutzutage ist dagegen die Auswahl riesengroß - es bleiben noch enorm viele Alternativen. Nach der Wende habe ich nach der Arbeit bevorzugt in Buchläden herum gestöbert - eine herrliche Zeit für Leseratten war angebrochen... Schönes Wochenende noch allerseits!

16.03.2018 08:57 Bernd L. 56

Wird der MDR jetzt das Spass der ganz linken Ecke? Man zitiert mit Ansburg und Jennicke wiedermal zwei ausd em ganz linken Spektrum.

15.03.2018 20:33 Huber 55

@45: Die Demonstranten protestieren nicht gegen die Meinungsfreiheit, sondern gegen eine bestimmte Gruppe, mit deren Zielen sie nicht übereinstimmen. Das tun zu können ist Meinungsfreiheit; und das zu tun ist die Inanspruchnahme derselben

@49: Sie schreiben: "Man büßt nix ein, muss auf kein tolles Buch verzichten, wenn man diesen Verleger zukünftig meiden wird."

Autoren des Suhrkamp-Verlags: Samuel Beckett, Thomas Bernhard, Bertolt Brecht, Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Max Frisch, Jürgen Habermas, Niklas Luhmann, Amos Oz, Gershom Scholem, Theodor Adorno u.a.

15.03.2018 20:03 Stefan (Der) 54

Man kann ja auch mal sachlich über rechte Verlage reden. Hier hilft im übrigen die "direkte Aktion". Jeder kann sich ein Bild von der Auslage dieser Verlage auf der Buchmesse machen. Und wenn er halbwegs bei Verstand ist, dient dies meist zur Belustigung. Ich habe das letzten Jahr getan. Was haben wir gelacht. Ca. 80% (und hier nehme ich ausdrücklich die "Junge Freiheit" aus) stellen verschwörungstheoretischen Unsinn zur Schau. Ich frage mich dann, wer diesen hanebüchenen Blödsinn kauft. Denn den meisten dieser Verlage geht es wirtschaftlich gut. Von mir aus können die da stehen bleiben. Ich brauch zwischen den ernsten Themen immer ein bisschen Humor. Bis Sonnabend!

15.03.2018 19:58 Maria A. 53

Bernd L., super Kommentar. Doch werden weder Sie, noch ich, von bösen russischen Geheimdiensten bezahlt. Nein, für mich gesprochen bin ich nur "ein gebranntes Kind". 40 Jahre SED-Regime haben mich zu sehr geprägt und empfindlich gemacht hinsichtlich erneut drohender Bevormundung und Beschneidung der Meinungsfreiheit. Man möchte solche Zeiten nie wieder erleben, hat die Mitte schätzen gelernt, möchte die demokratischen Verhältnisse bewahren. So empfindet man als älteres Semester diese vielen Linkstrupps als Bedrohung, auch wenn die sich als die Guten sehen. Mit genügend Lebenserfahrung weiß man viel zu genau, was aus den großen Zielen aller großen Streiter für eine gerechte Welt wurde, nachdem die einige Jahre an der Macht waren...

15.03.2018 19:01 ralf meier 52

@Roberto Nr 31. Sie schreiben: 'Es muss doch einen Grund geben, wenn sich Leute erstmal vergewissern, "mit wem sie reden und ob sie offen reden wollen oder nicht". Angst vor staatlicher Repression kann es ja wohl nicht sein.
Vielleicht ist es Angst vor politisch korrekter Selbstjustiz? Nach der Nichtfreigabe einer ersten Rückmeldung verweise ich dazu ohne jede weitere Wertung auf die 'Handlungshilfe für den Umgang mit Rechtspopulisten in Betrieb und Verwaltung der Gewerkschaft Verdi. In dieser internen Handlungsanweisung fordert Verdi seine Funktionäre wörtlich auf, AFD Mitglieder im Betrieb zu isolieren, zu ächten, und die Unternehmensführung anzusprechen. 'Viele Arbeitgeber wollen keine Konflikte....' Nache einem politisch korrekten Shitstorm beim Westfalenblatt hieß das Kündigung der Unruhestifterin. Siehe auch:
Metropolico: ver.di: Checkliste zum Ausspionieren und Denunzieren sowie 'Westfalenblatt Shitstorm'.

15.03.2018 17:54 Brigitte Schmidt 51

Falls noch mehr meinen zweiteiligen Kommentar (41/43) mißverstehen oder nicht verstehen:
Ich gestehe Hr. Arnsburg seine Einstellung und seine Aktionen zu, ich verstehe es als seinen "Klassenkampf" (den ich nicht teile oder unterstütze!) resp. seinen Beitrag zum "linken Projekt".
Ich möchte nur, daß klar ist, wo er herkommt und auch wo er möglicherweise hin will. Er kommt eben nicht aus der Mitte der Gesellschaft, sondern vom linken Rand. Das muß allen Beteiligten einfach nur klar sein (und hätte für mich bei der Berichterstattung dazu gehört).

15.03.2018 16:29 Bernd L. 50

mattotaupa 44:
Die Bundesregierung gibt über 100 Millionen jährlich aus im "Kampf gegen rächts"- davon lebt eine ganze Armada an linken Vereinen inklusive Personal. Ein Kampf gegen rechts darf in einer Demokratie nicht vom Staat gefördert werden.
P.S. Natürlich werden die kritischen Stimmen hier im Forum auch bezahlt. Ich gebe zu, ich bekomme regelmässig Schecks von V. Putin, der ja auch die US-Wahlen gehackt hat.

15.03.2018 15:19 Morchelchen 49

Brigitte Schmidt, Ihr Glauben in allen Ehren, aber es kann sich jeder Blogger seine eigenen Gedanken dazu machen... Wie auch um die ständige Bezugnahme im Fernsehen, wenn von der Buchmesse die Rede ist, auf die Querelen des Suhrkamp-Verlags mit dem Herrn Tellkamp. Als Sachse stehe ich "hinter" diesem Autor und habe mich bereits über das Angebot des Verlags kundig gemacht. Man büßt nix ein, muss auf kein tolles Buch verzichten, wenn man diesen Verleger zukünftig meiden wird.