Figurenzeichnung aus der Amerika-Serie: Dig, Dag und Digedag, entworfen von Edith Hegenbarth, 1969.
Zwischen 1955 und 1975 erlebten die Digedags und ihre Leser wundersame Abenteuer. Bildrechte: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Dauerschau für DDR-Comic-Helden Digedags jetzt ständig in Leipzig zu sehen

20 Jahre lang konnten Groß und Klein mit den Comicfiguren Dig, Dag und Digedag durch die Geschichte und die Zeit reisen. Ob zusammen mit dem schrulligen Ritter Runkel, in die Südsee oder nach Amerika: Mit den Digedags wurde es abenteuerlich. Die kleinen Knollnasen aus der Feder von Hannes Hegen laden nun zu einem neuen Abenteuer ein: Im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig hat am Sonntag die Dauerausstellung "DDR-Comic, Mosaik - Dig, Dag, Digedag" ihre Türen geöffnet.

Figurenzeichnung aus der Amerika-Serie: Dig, Dag und Digedag, entworfen von Edith Hegenbarth, 1969.
Zwischen 1955 und 1975 erlebten die Digedags und ihre Leser wundersame Abenteuer. Bildrechte: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Was haben die Digedags nicht alles erlebt: Ein Sultan, der um seine Herrschaft bangen muss, den Planeten Neo, der als Geheimlabor dient, oder einen Ritter, der in Geldnot ist. Zwischen 1955 und 1975 konnten Leser mit den Kobolden Dig, Dag und Digedag in die wildesten Ecken des Globus reisen. Mit den Figuren von Hannes Hegen stand die Welt offen. Eine Ausnahme in der DDR. "Die Mosaik-Hefte waren eine Möglichkeit aus der Enge der Ostzone zu entfliehen", sagt Jürgen Reiche. Der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig ist sichtlich stolz auf die neue Dauerausstellung "DDR-Comic, Mosaik – Dig, Dag, Digedag".

Ein neues Zuhause in Leipzig

150 Zeichnungen, Entwürfe und Vorlagen aus dem Nachlass von Johannes Hegenbarth alias Hannes Hegen finden in der Ausstellung ein neues Zuhause. Bereits 2009 übergab der Zeichner dem Forum in Leipzig Teile aus seinem Archiv. "Man muss es aber auch Wert sein, ein solches Erbe zu übernehmen", so Reiche. Und das Vermächtnis der Digedags ist gewaltig.

Hannes Hegen
Bildrechte: Norman Rembarz/dapd

Ich will mit den farbenfrohen Bildfolgen eine heitere und auch belehrende Unterhaltung für unsere Jugend schaffen.

Hannes Hegen, 1955

Das erste Mosaik-Heft erschien im Dezember 1955 mit 32 Seiten und einer Auflage von 100.000 Stück. Danach kam erst vierteljährlich, ab 1957 monatlich ein neues Heft in die Kioske. Bis zur Einstellung der Comicreihe im Jahr 1975 stieg die Auflage auf 660.000 Exemplare. Heute verkaufen sich die alten "Mosaiks" für mehrere Tausend Euro auf Ebay.

Comics mit Bildungsauftrag

Die Digedags haben Kultstatus erlangt. Sie sind ein Mythos. Weil sie eine Ausnahme in der starren DDR-Welt waren, wie Direktor Jürgen Reiche sagt. Seit den 1950er-Jahren liefen in der DDR Anti-Comic-Kampagnen. Die SED sah in den westlichen Comics eine Gefahr für Kultur und Bildung. Daher hatte der Verlag "Neues Leben" den Auftrag erhalten, "eine eigene sozialistische Bildgeschichte" zu entwickeln, um die "Jugend vor schädlichen westlichen Einflüssen zu schützen." Noch während der Verlag überlegte, wie er diesen Auftrag umsetzen sollte, meldete sich Johannes Hegenbarth. Der Verlagsleiter soll im Gespräch zu Hegen gesagt haben: "Sie kommen wie gerufen."

Besser als jedes Lehrbuch

Ritter Runkel von Rübenstein war neben den Digedags, seinen Knappen, eine Hauptfigur der Comic-Serie. Seine gereimten Ritterregeln durften in den Mosaiks nicht fehlen.
Bildrechte: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

"Eine Kindheit in der DDR ist ohne Mosaik-Hefte nicht vorstellbar", sagt Forums-Direktor Reiche. Jede Reise war eine eigene Unterrichtseinheit. Egal ob für Physik, Geographie oder Geschichte. Mit den Digedags lernte man wie aus Kohle Kraftstoff wird oder wie das erste Düsenflugzeug der DDR funktionierte. Mit ihnen konnte die Jugend die Schlacht von Venedig 1284 erleben oder bei den alten Römern speisen. Heiter, abenteuerlich und lustig war es mit den Digedags.

Ein Ritter, der nicht haut und sticht, ist auch ein echter Ritter nicht!

Ritter Runkel

Doch Mosaik wurde den SED-Funktionären ein Dorn im Auge. Zu unpolitisch waren die Abenteuer der Knollnasen. "Die Geschichten waren nicht durchtränkt mit Doktrin oder mit sozialistischen Weltanschauungen", so der Historiker Reiche. "Damit hatten die Behörden ein Problem." Doch die hohe Auflage und vergriffene Hefte sicherten das Überleben der "Mosaiks". Bis 1975 ein neuer Verlagsleiter kam. Ein scharfer Ideologe. Unter diesem wollte Hegen nicht weiterarbeiten. Die Digedags lässt er in seinem letzten Band einer Fata Morgana entgegen reiten. Winkend.

Die Dauerausstellung "DDR-Comic, Mosaik – Dig, Dag, Digedag" im Zeitgeschichtlichen Forum ist sein Sonntag für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Quelle: MDR/jok

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.12.2017 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2017, 15:07 Uhr

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2 Kommentare

11.12.2017 16:58 Maria A. 2

Da kommen wirklich Wehmutsgefühle an die längst verflossene Kindheit hoch... Aber auch die Erinnerung an ein unangenehmes Erlebnis, als ich damals in einem Geschäft nach der neuesten Ausgabe der "Digedags" fragte und verbal "abgewatscht" wurde, weil es die Verkaufskraft und einige Kunden zu diesem Zeitpunkt bereits schicker fanden, von den "Abrafaxen" zu sprechen. Somit begrüße ich dieses Rückerinnern an eine Kindheitsfreude, jedoch besonders den Gebrauch der mir so liebenswert gewesenen ursprünglichen Bezeichnung...

09.12.2017 15:08 Freiheit 1

Nur die Ausgaben von 1955 bis 1975 sind wirklich interessant. Die Abrafaxe reichten nie an die Digedags ran.