Elektromobilität VW und Porsche testen Elektro-Lkw in Sachsen

Im Automobil-Entwicklungszentrum Stollberg ist ein elektrischer Lkw vorgestellt worden. Der 40-Tonner ist bei VW in Zwickau und bei Porsche in Leipzig im Einsatz. Lautlos rollen dort zwei Elektro-Lkw durch die Autowerke und verteilen Nachschub für die Produktion.

von Steffen Hengst

VW und Porsche sind die ersten Automobilhersteller Europas, die den schnellstraßentauglichen Elektro-Lkw im sogenannten Just-in-Time-Logistikverkehr einsetzen. Das Forschungsprojekt läuft unter dem Namen eJIT - elektromobile Just-in-Time-Logistik. Die elektrisch betriebenen Laster sollen Lärm und Emissionen in Sachsens Automobilwerken reduzieren. Anstelle von Dieseltanks liefern zwei je 400 Kilogramm schwere Batterieblöcke Energie.

Just-in-Time-Logistik "Just-in-Time" heißt übersetzt "gerade rechtzeitig". Statt Lagerhallen zu füllen, wird nur so viel produziert, wie gerade benötigt wird. Dafür ist eine ausgefeilte Logistik zwischen Zulieferer und Kunden nötig.

Testfahrten im Raum Zwickau und Leipzig

Die beiden Teststrecken stellen unterschiedliche Anforderungen. Bei VW in Zwickau gibt es auf der 20 Kilometer langen Strecke Steigungen und Anfahrsituationen sowie die vierspurige Bundesstraße 93. Bei Porsche in Leipzig dagegen sind die Fahrzeuge überwiegend in der Stadt und auf ebenem Gelände unterwegs. Die Lkw erreichen eine Geschwindigkeit von 85 km/h und kommen maximal 70 Kilometer weit.

Eine Herausforderung ist es, einen 24-Stunden-Einsatz der 40-Tonner sicherzustellen. Bei jedem zweiten Stopp zum Be- und Entladen kommt der Elektro-Lkw für etwa acht Minuten zum Tanken an die Ladesäule. Intelligente Ladetechnik sorgt dafür, dass das häufige aber kurze Laden nicht die Batterien verschleißt.

Führerlose 40-Tonner auf der Straße

Im Jahr 2018 sollen die angetriebenen Lkw bei Porsche in Leipzig autonom, also ohne Fahrer unterwegs sein. Die Lkw sind umgerüstete 40-Tonner von MAN. Den Umbau vom Diesel-Truck zum Batterie-Lkw hat die Frankenberger Firma Framo durchgeführt. Framo stand in der DDR für Frankenberger Motorenbau. Dort wurden unter anderem der Kleintransporter Barkas B 1000 produziert. Heute ist Framo ein Spezialist für die Umrüstung von elektrisch betriebenen Transportern. Partner des zwei Millionen Euro teuren Projekts sind neben den beiden Autoherstellern ein Entwicklungsdienstleister und ein Logistikunternehmen sowie das Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen.

Erfolg hängt an der Batterie

Die Kombination von E-Antrieb und Lkw galt noch vor wenigen Jahren als undenkbar. Aber die Batteriekosten werden zwischen 1997 und 2025 um voraussichtlich 60 Prozent sinken. Die Leistung wird im gleichen Zeitraum dagegen voraussichtlich um 250 Prozent steigen. Daraus ergibt sich in den kommenden Jahren eine wirtschaftliche Perspektive. Hinzu kommt: In vielen Städten könnte - international gesehen - künftig emissionsfreies Fahren Pflicht werden; auch für Lkw.

Auch Bayern testet elektrische Lkw

BMW hat bereits 2015 einen elektrisch betriebenen 40-Tonner für Materialtransporte im öffentlichen Straßenverkehr in Betrieb genommen. Das Fahrzeug stammt vom niederländischen Hersteller Terberg und pendelt achtmal täglich zwischen einem Logistikzentrum und dem Münchner BMW-Werk. Noch 2017 will Daimler einen Testbetrieb mit selbstentwickelten elektrischen Lkw aufnehmen.

Vor 100 Jahren: Elektro statt Pferd

Die Idee, besonders bei Lieferwagen auf den Elektroantrieb zu setzen, ist etwa 100 Jahre alt. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden Busse, Postautos und Lastwagen elektrisch betrieben. So wurde schon 1913 zum Beispiel von General Electric der Commercial Electric Truck gebaut und General Motors (GMC) baute von 1912 bis 1917 elektrische Lkw. Lastwagen der Walker Vehicle Company hatten Reichweiten von 80 Kilometern und konnten eine Tonne Nutzlast transportieren. Auch in Deutschland wurden zum Beispiel von Hansa Lloyd oder von der Hannoverschen Waggonfabrik Last- und Lieferwagen gebaut, die nicht mit Diesel oder Benzin betrieben wurden.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.06.2017 | 18:12 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 21.06.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. April 2019, 15:25 Uhr

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