Die Folgen von Tschernobyl lindern Leipziger Elterninitative reist nach Weißrussland

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 32 Jahren belastet die Region um das weißrussische Dorf Saschirje bis heute. Eine Leipziger Elterninitiative unterstützt seit 24 Jahren Kinder aus diesem Dorf und läd einige jedes Jahr nach Sachsen ein. Bevor die diesjährigen Besucher im Juni anreisen, ist eine Delegation nach Saschirje aufgebrochen, um sich vor Ort um die Kinder zu kümmern, alte Bekannte zu treffen und den Austausch zu planen.

Spielplatz in Saschirje
Spielen im Strahlenland: Die Region rund um das weißrussische Dorf Saschirje kämpft bis heute mit den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Bildrechte: MDR/Elterninitiative für Saschirje

Am Sonnabend ist eine Delegation der "Elterninitiative für Saschirje / Belarus" aus Leipzig zu einem einwöchigen Weißrussland-Aufenthalt aufgebrochen. Ziel ist das Dorf Saschirje. Dort will sich die Elterninitiative um strahlenbelastete Kinder kümmern. Seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 leidet das Dorf unter der radioaktiven Verseuchung. "In Weißrussland essen die Kinder immer noch strahlenbelastete Nahrungsmittel", erklärt Reisekoordinator Rainer Winkler MDR SACHSEN. Um ihnen zu helfen, lädt die Initative jedes Jahr 20 Kinder aus Saschirje nach Laußig in der Dübener Heide ein.

Etwa alle zwei Jahre reise die Initiative selbst nach Weißrussland, um die Freundschaft zu pflegen und ehemalige Gastkinder zu besuchen. Hilfsgüter will die Delegation nicht mitnehmen, erklärt Winkler. "Weißrussland geht es inzwischen materiell nicht mehr so schlecht, es geht mehr um Austausch." Vor Ort will sich die Initiative vor allem in der Schule und im Kulturzentrum engagieren und das Programm für den diesjährigen Aufenthalt der Kinder in Sachsen besprechen.

Besuch in einem Kindergarten in Saschirje
Beim letzten Besuch der Elterninitiative in Saschirje stand ein Besuch im Kindergarten auf dem Programm. Bildrechte: MDR/Elterninitiative für Saschirje

Ein Zeichen setzten

Teil der Delegation ist auch die Grünen-Landtagsabgeodnete Franziska Schubert. "Die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der Menschheit beschäftigt mich fast schon mein ganzes Leben", erklärt Schubert. Sie wolle mit der Erinnerungsarbeit und dem Besuch ein Zeichen setzen und vor den Folgen der Atomkraft warnen.

Mit der Elterninitiative sei sie seit einigen Jahren in Kontakt. "Ich habe im Jahr 2016 [...] alle Hilfsorganisationen aus Sachsen [...] in den Sächsischen Landtag eingeladen. In der Folge habe ich schon zweimal Besuch von Menschen aus dem Dorf Saschirje im Landtag willkommen heißen dürfen. − Jetzt fahre ich selbst hin."

Der Super-GAU und die Folgen

In Saschirje leben heute rund 2.000 Menschen. Das Dorf gehört zu Region Gomel, die durch den Super-GAU im 150 Kilometer entfernten Tschernobyl stark radioaktiv verseucht wurde. Ein Nachbarort musste evakuiert werden, landwirtschaftliche Flächen wurden gesperrt, an Waldrändern warnen Schilder vor dem Verzehr von Pilzen oder Früchten. Besonders betroffen seien Kinder. "Wenn sie in Deutschland sind, sinkt der Wert radioaktiven Belastung innerhalb der drei Wochen oft im zweistelligen Bereich", betont Winkler.

Schulalltag erleben

In Laußig unterhält die Initiative eine Gemeinschaftsunterkunft. "Gemeinschaftsunterkünfte sind in Leipzig einfach zu teuer", erklärt Winkler. Finanziert werde der Erholungsurlaub ausschließlich durch Spenden. Eine offizielle Förderung gibt es nicht, ergänzt er. Neben vielen anderen Aktionen sollen die Gastkinder in diesem Jahr den Alltag an Leipziger Schulen erleben. Eine gemeinsame Sportstunde werde geplant. "Es wird viel zu erleben geben", ist sich Winkler sicher. Am 14. Juni sollen die jungen Gäste in Laußig ankommen.

Quelle: MDR/mar

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2018, 15:12 Uhr