Porträt von Erich Zeigner
Dieses Bild des früheren OB Erich Zeigner hat die Links-Partei für die Porträt-Galerie im Leipziger Rathaus vorgeschlagen. Die Stadt wird nun zwar ein Bild Zeigners aufhängen - allerdings ein anderes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

OB Jung lenkt ein Porträt von Erich Zeigner kommt doch nach Leipzig

Porträt von Erich Zeigner
Dieses Bild des früheren OB Erich Zeigner hat die Links-Partei für die Porträt-Galerie im Leipziger Rathaus vorgeschlagen. Die Stadt wird nun zwar ein Bild Zeigners aufhängen - allerdings ein anderes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der ehemalige Bürgermeister von Leipzig, Erich Zeigner, soll nun doch in die Porträt-Galerie der Leipziger Bürgermeister aufgenommen werden. Das bestätigte Stadtsprecher Matthias Hasberg auf Nachfrage von MDR SACHSEN: "Herr Zeigner soll in der Galerie, im zweiten Obergeschoss gezeigt werden - in derselben Größe und Aufmachung wie die anderen Bürgermeister auch."

"Es kann nicht den einen Weg geben"

Die Porträt-Galerie der Bürgermeister war im Februar im Rathaus eröffnet worden. Sie zeigt alle demokratisch gewählten Oberhäupter der Stadt seit 1877. Die Bürgermeister zur Zeit des Dritten Reichs und während der DDR sind nicht ausgestellt. Auch Erich Zeigner fehlt bisher. Er war direkt nach dem Zweiten Weltkrieg als Oberbürgermeister eingesetzt worden. Für das fehlende Porträt gab es unter anderem von der Partei Die Linke harsche Kritik. Sie betonte, dass Zeigner 1946 in einer freien Abstimmung gewählt wurde.

Bilder der Porträt-Galerei der Leipziger Oberbürgermeister im Rathaus
Die Reihe der Leipziger Stadtväter wird erweitert: Auch ein Porträt von Erich Zeigner soll ins Zukunft zu sehen sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stadt hat sich offenbar schwer getan mit der Entscheidung, Zeigner in die Galerie mit aufzunehmen. Hasberg sagte dazu: "Die Person Zeigner ist ausgesprochen schwierig. Seine Verdienste als Sozialdemokrat, also Demokrat in den 20er Jahren stehen völlig außer Frage. Auf der anderen Seite steht aber auch die Tatsache, dass er Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg wurde und vielleicht mit seiner Popularität und Integrität auch dazu beigetragen hat, der SED am Ende den Weg zu ebnen. Das gilt es gegeneinander aufzuwiegen. Das ist sehr schwierig und da kann es nicht den einen Weg geben."

Stadt lässt eigenes Zeigner-Porträt aufarbeiten

Das Zeigner-Porträt, soll in den nächsten Wochen aufgearbeitet und dann auch ausgestellt werden. Einen genauen Zeitplan dafür gebe es nicht. Stadtsprecher Hasberg betont aber, dass es auf jeden Fall zusätzlich zum Bild eine kleine Erklärtafel zur Person geben soll.

Was in der ganzen Debatte gar nicht vorkommt, das finde ich auch ein bisschen enttäuschend, ist: Hier durchs Rathaus gehen ja auch Menschen, die unter der SED-Herrschaft gelitten haben. Und inwieweit kann und will ich denen zumuten, dass sie an einer Galerie vorbeigehen, wo SED-Oberbürgermeister gezeigt oder namentlich genannt werden?

Matthias Hasberg Pressesprecher der Stadt Leipzig

Wie die Stadt mit den Oberbürgermeistern aus der Zeit der Nationalsozialisten und der DDR künftig umgehen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Fest steht bisher nur, diese Bürgermeister werden nicht im Bild gezeigt.

Gedenktafel für Erich Zeigner am Erich-Zeigner-Haus in Leipzig
Gedenktafeln für am Erich-Zeigner-Haus in Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erich Zeigner Erich Zeigner war von 1945 bis 1949 Oberbürgermeister der Stadt Leipzig. 1923 war er für sechs Monate sächsischer Ministerpräsident. Während der NS-Zeit wurde der SPD-Politiker mehrmals aus politischen Gründen inhaftiert. Nach dem Attentat auf Hitler wurde er zusammen mit anderen Leipziger Sozialdemokraten in das KZ Sachsenhausen gebracht, später nach Buchenwald. In Leipzig erinnert eine Straße im Stadtteil Plagwitz an den Politiker. Im ehemaligen Wohnhaus von Zeigner befindet sich heute ein Verein, der sich unter anderem gegen Demokratieverachtung und Fremdenfeindlichkeit engagiert.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.03.2018 | ab 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 14:57 Uhr

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4 Kommentare

14.03.2018 08:12 Wachtmeister Dimpfelmoser 4

Zu DDR-Zeiten mussten Anzeigen in Zeitungen bezüglich des An- und Verkaufs von Büchern, Orden, Militaria u.a. den Pflichtzusatz "außer 1933-45" tragen. Bald wir es wohl heißen müssen "außer 1933-89".

13.03.2018 19:15 schmachulke 3

Die OB aus DDR-Zeiten mit denen aus der Nazizeit gleichzusetzen halte ich für eine Frechheit.

13.03.2018 16:38 Teo 2

Liebe Redaktion,

Zeigner ist am 05.04.1949 gestorben, d.h. ein knappes halbes Jahr vor Gründung der DDR und wenn er 1946 Bürgermeister wurde, war das nach dem Ende des dritten Reiches. Folglich werden nicht nur Bürgermeister des dritten Reiches und der DDR nicht gezeigt, sondern auch die anderer Epochen.

13.03.2018 15:27 Fertig ist die Laube 1

Hängt die Porträts einfach alle ab.
Dann gibt es auch so eine überflüssige Diskussion nicht mehr.