Passanten gehen vor dem neuen Paulimun der Universität in Leipzig (Sachsen) entlang. Vor der offiziellen Eröffnung im Dezember 2017 sind die Bauarbeiten nun abgeschlossen. Das Paulinum erinnert in seiner äußeren Form an die 1968 gesprengte, Universitätskirche St. Pauli.
Das Paulinum erinnert in seiner äußeren Form an die 1968 gesprengte Universitätskirche. Der 117 Millionen Euro teure Neubau ist am Freitag festlich eröffnet worden. Bildrechte: dpa

Paulinum in Leipzig eröffnet Glocken läuten für neues Wahrzeichen der Stadt

Nach mehr als zwölf Jahren Bauzeit ist das Paulinum der Leipziger Universität eröffnet worden. Der Bau steht an der Stelle, an der die DDR 1968 die Paulinerkirche sprengen ließ. Zum großen Festakt gab es viel Lob, aber auch nachdenkliche Worte über den Neubau zu hören.

von Kathrin König

Passanten gehen vor dem neuen Paulimun der Universität in Leipzig (Sachsen) entlang. Vor der offiziellen Eröffnung im Dezember 2017 sind die Bauarbeiten nun abgeschlossen. Das Paulinum erinnert in seiner äußeren Form an die 1968 gesprengte, Universitätskirche St. Pauli.
Das Paulinum erinnert in seiner äußeren Form an die 1968 gesprengte Universitätskirche. Der 117 Millionen Euro teure Neubau ist am Freitag festlich eröffnet worden. Bildrechte: dpa
Rektorin Beate Schücking in der neuen Aula und Universitätskirche Paulinum.
Die Rektorin der Universität Leipzig, Beate Schücking eröffnete heute mit Festgästen aus aller Welt das neue Paulinum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit Glockenklängen der alten Kirche St. Pauli ist das Paulinum an der Universität Leipzig eröffnet worden. "Was lange währt, wird endlich gut", sagte die Universitäts-Rektorin Beate Schücking zur Begrüßung und verwies auf die acht Jahre verspätete Fertigstellung des Gebäudes. Schücking nannte das Bauwerk "ein herausragendes Gebäude" für die Universität und für die ganze Stadt. Viele Augenzeugen und Leipziger hätten die Sprengung 1968 vier Jahrzehnte lang als "eine nicht heilende Wunde" erlebt. Aber der "barbarische Akt einer staatlichen Diktatur", habe zwar versucht jahrhundertealte Traditionen wegzusprengen, was mit Blick auf das Eröffnungsfest nicht gelungen sei.

Bauwerk für Geist und Geistlichkeit

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) freute sich über "ein tolles Bauwerk", das eines der größten Projekte des Freistaat Sachsens gewesen sei. Zwar habe der Neubau drei mal so lange gedauert, wie geplant und ist mit 117 Millionen Euro Baukosten auch doppelt so teuer geworden. Auch könne der Bau "den Frevel der Sprengung 1968 nicht tilgen, aber: "Dieser Bau schließt eine Wunde in der Stadt". Tillich verwies darauf, dass das Heilen wohl noch dauern werde, weil sich die Sprengung in die Herzen der Stadt eingebrannt habe. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, dass "Toleranz, Verständnis und Respekt der Maßstab für die künftige Nutzung" sein würden. "All das zeichnet Leipzig aus."

Das Gebäude ist ein Zeichen für Mut, des Protests der Studenten 1968 ebenso wie für Mut zum Wiederaufbau und zum Durchhalten.

Eva-Maria Stange Wissenschaftsministerin Sachsens

Für die sächsische Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange (SPD) passe der Bau wie kaum etwas anderes zur Universität und zur Stadt. "Ich bin dankbar, dass es Sachsen und den Bürgern so viel wert ist Geisteswissenschaft so zu unterstützen." Stange hofft, dass das Paulinum Ausstrahlungskraft haben werde, dass darin künftig internationale Kongresse stattfinden. "Den Raum gilt es jetzt zu füllen mit Diskussion, mit Internationalität, mit Geist."

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD)
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung freute sich über die Eröffnung eines neuen Wahrzeichens seiner Stadt. Bildrechte: dpa

Leipzigs Oberbürgermeiser Burkhard Jung nannte das Paulinum ein Haus, das "Geist mit Geistlichkeit verbindet". Jung erinnerte noch einmal an all die zähen Diskussionen um den Neubau, die Bauausführung, den Streit, ob die Universität wirklich eine Kirche benötige, nur eine Aula oder doch beides. "Am Ende des Weges ist es für Leipzig ein großartiges Zeichen. "Wir haben ein neues Wahrzeichen gefunden", resümierte Jung.

Der Festakt am Vormittag war der Beginn eines dreitägigen Festes rings um den Neubau in der Universität. Am Wochenende finden ein Bürgertag mit Konzert und ein Festgottesdienst mit Weihe statt. Das Paulinum soll anschließend als Aula, Universitätskirche und Musikraum für die 30.000 Studenten und mehr als 3.000 wissenschaftlichen Mitarbeiter der Hochschule genutzt werden.

Blick ins Paulinum während des Festaktes zur Eröffnung am 1.12.2017.
Am Wochenende können die Leipziger und Interessenten das neue Gebäude besuchen. Der Festakt zur Eröffnung geht noch bis Sonntag, wenn die Landesbischöfe das Paulinum auch zur Universitätskirche weihen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR Sachsenspiegel | 01.12.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2017, 11:41 Uhr

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2 Kommentare

02.12.2017 17:59 Alexander 2

@#1: und wer zahlt ihre Rente? Immer schön unreflektiert draufhauen und alles schlecht reden. Am Ende findet sich schon was zu Motzen.

Das Paulinum ist ein symbolträchtiger Neubau unserer wunderbaren Stadt! Was so etwas an Strahlkraft und Inspiration bringt ist mit schnödem Geld nicht zu bemessen.

02.12.2017 16:45 Fragender Rentner 1

Die Bauzeit war ja nur wenig länger als geplant und hat bestimmt auch nicht viel mehr gekostet? ;-(

Wer bezahlt die Mehrkosten?