Stiller Protest RB-Fangruppen wollen gegen Montagsspiele protestieren

Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga stoßen bei vielen Fangruppen auf Unmut. Die Proteste ziehen sich durch alle Stadien und lassen das Geschehen auf dem Rasen mitunter in den Hintergrund treten. Nun wollen auch Anhänger von RB Leipzig ihren Protest gegen die Montagsspiele ins Zentralstadion tragen. Schweigend!

Beim Montagsspiel zwischen RB Leipzig und Bayer Leverkusen soll der heimische Fanblock 45 Minuten ruhig bleiben. So wollen es zumindest 13 von 40 Fangruppen. Diese haben in einem öffentlichen Schreiben zu dieser Maßnahme aufgerufen, um so gegen die Montagsspiele zu protestieren, die von vielen Fangruppen der Bundesliga als nicht fanfreundlich abgelehnt werden. Während der ersten Halbzeit soll es dem Aufruf nach keinen organisierten Fan-Support geben.

Protest gegen Vermarktungsräume

Die Initiatoren beklagen, dass es bei den Montagsspielen weniger um die Entlastung der Mannschaft gehe, als vielmehr darum, die "Fernsehgelder aufzustocken und Vermarktungsräume zu erweitern". Weder für die Mannschaft noch für die Fans sei die Terminierung sinnvoll. Montagsspiele ließen sich nicht mit Arbeit, Schule, Ausbildung und Universität vereinbaren.

Protestaktion der Frankfurter Fans gegen Montagsspiele.
Im Spiel zwischen Leipzig und Frankfurt zeigten die Heimfans ihren Unmut über die Montagsspiele. Bildrechte: imago/Thomas Frey

Verein widerspricht den Protestlern

Die Leipziger Chefetage widerspricht der Argumentation im Protestaufruf. In einem offenen Brief begründeten Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff die Montagsspiele mit der Doppelbelastung der Mannschaft. Damit die Mannschaften, die am Donnerstag auf internationaler Bühne spielen, nicht schon am Sonnabend wieder antreten müssen, seien zehn Ausweichtermine beschlossen worden – und das von allen Vereinen, so Mintzlaff und Rangnick im Schreiben an die Fangemeinde. Fünf davon entfallen auf einen Montag. Kommerzielle Gründe hätten dabei nie eine Rolle gespielt. Lediglich ein Prozent der Medienerlöse entfallen auf die fünf Montagspartien, so Rangnick und Mintzlaff.

Rangnick und Mintzlaff appellierten an die Fans, die Mannschaft in der entscheidenden Phase der Saison weiter zu unterstützen, um die Saisonziele zu erreichen. "Dafür muss die Mannschaft in diesen wichtigen, aber auch harten Wochen alles geben. Und wir hoffen, dass wir ALLE die Mannschaft so unterstützen, wie sie es verdient hat." Für RB Leipzig ist die Partie gegen Leverkusen das zweite Montagsspiel dieser Saison.

Fans von RB Leipzig
Auch auswärts zeigen die Fans von RB Leipzig ihren uneingeschränkten Support mit Choreografien. Hier im Spiel gegen Hannover 96. Bildrechte: Picture Point

Hasenhüttl glaubt an 80 Prozent Unterstützung

Nach Meinung von RB-Trainer Ralph Hasenhüttl sind 80 Prozent der Heimfans gegen den Protest. In einer Pressekonferenz appelliert er an diese, so laut zu sein, dass die fehlenden 20 Prozent gar nicht auffallen. Die Protestler könnten zudem ihre Karten einfach an jene weiterreichen, die ein Spitzenspiel sehen wollen.

Aus den genannten Gründen will sich der Großteil der Fans dem Protest nicht anschließen. Öffentliche Statements wollte niemand abgeben. Inoffiziell hieß jedoch es, dass das Nichtunterzeichnen des Protestaufrufs schon Statement genug sei.

Fanverband plädiert für differenzierte Sichtweise

Der Fanverband wollte sich nicht zum Aufruf positionieren. Da es viele Gründe für und gegen die Montagsspiele gebe, könne keine klare Position bezogen werden, sagte Verbandssprecher Sebastion Horn MDR SACHSEN. "Wir haben es den Fan-Clubs freigestellt, sich am Boykott zu beteiligen. Jeder Club ist hierbei selbst verantwortlich." Bezüglich der Montagsspiele plädiert Horn trotz nachvollziehbarer Kritik für eine differenzierte Sichtweise.

Unterstützung kommt vom Gegner

Heiko Herrlich, Trainer bei Bayer Leverkusen, versteht dagegen die Fan-Wut. Im Vorfeld des Spiels sagte er: "Man muss auch die Fans hören." Es sei ein Riesen-Aufwand für sie, sich Urlaubstage zu nehmen. Herrlich regt an, Diskussionen über eine Abschaffung der Montagsspiele zu führen: "Wir leben von der Atmosphäre im Stadion. Und wenn sowas komplett boykottiert wird, muss man nochmal drüber sprechen, ganz klar."

Quelle: MDR/mar/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.04.2018 | ab 6 Uhr in den Nachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2018, 15:47 Uhr

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19 Kommentare

10.04.2018 06:35 Sr.Raul 19

Nicht zu vergessen die BSG Traktor Rotes Banner Illertissen! In Gedenken an die einst stolze BSG aus Trinwillershagen, @18 (DDR-Oberliga).Nun aber abschließend ernsthaft: Den "Protest" aus Teilen dieser Ecke kann ich gar nicht nachvollziehen. Gehen selber zum "Deutschen Premiumprodukt" des sog. "Modernen Fußballs" und nur unter diesen Gegebenheiten konnte es überhaupt entstehen, um jetzt gegen Kommerzialisierung des Fußballs zu protestieren. Also, Humor kann ich Euch bestätigen und habe herzlich gelacht. Zudem finde ich mehr Protestgrund in den ständigen Spätspielen sonntags und nicht die "erlesenen 5" montags.

09.04.2018 21:33 DDR-Oberliga 18

Wenn der Westen sich dem Osten angeschlossen hätte, gäbe es heute Mannschaften wie BSG Motor Wolfsburg, BSG Chemie Leverkusen oder Robotron Hoffenheim.

09.04.2018 21:16 Bruno 17

Protestiert doch, interessiert doch keinen. Wir haben auch alle gegen euer Konstrukt protestiert. Leider ist es doch gekommen.

09.04.2018 20:41 Der Annaberger 16

Ich muss hier mal Eines loswerden:
Wie RB spielt interressant mich so viel , als ob in China ein Sack Reis umfällt! Aber sich hinstellen und den Finger auf LEV , WOB und Hoffenheim zeigen, nach dem Motto "Die sind ja auch nicht anders", finde ich widerwärtig!
Bayer und Wolfsburg sind wie bei uns zu Ostzeiten Betriebssportgemeinschaften , nur das es diesen Namen im Westteil nicht gab , und Dietmar Hopp ist ein Privatie , der seiner Jugendliebe unterstützt , ohne Kapital daraus schlagen zu wollen!
Ihr seit ein reiner Kommerzverein , der sein Produkt verkaufen will!
Glück Auf und nur die BSG!⚒

09.04.2018 20:20 Marcel 15

Seit wann hat RedBull "Fangruppen"? Witz des Jahres :-D

09.04.2018 20:10 Fußball-Romantiker 14

@Voice
Fast richtig! Der Unterschied ist/war das dei Ressourcen der Stadt für Lok und Chemie begrenzt waren (mMn auch richtig so, es gibt Wichtigeres als Fußball) aber Geldquelle von RB versiegt nicht so schnell, nur deshalb existieren die noch. Wieviel werden wohl die Extrarunden in den unteren Ligen gekostet haben. Nur dem unermüdlichen Nachfluss finanzieller Mittel ist ein Kollaps verhindert worden. Mittel die Lok und Chemie nicht zur Vefügung standen. Leipzig hätte sich längst im deutschen Fussbaloberhaus etablieren können. 1994 gab es die Möglichkeit, aber Stadt und regionale Wirtschaft haben geschlafen und den kommenden Marktwert der Bundesliga nicht erkannt. Leider! Muss erst der Ösi über die Alpen kommen, wie in einer Sage um eine Gestalt in Hameln ;-)
Grüße vom Alpenrand

09.04.2018 19:25 Voice 13

@10 Fußballromantiker

Alles richtig, was Du sagst, keiner hätte sonst so in Liga 2 investiert etc. Und nun? Sollen wir, weils Dir nicht passt, das alle kollektiv furchtbar finden?

Auch richtig, dass Du schreibst, 2 andere Leipziger Vereine haben Millionen verballert.
Und? NIX auf die Kette bekommen. DAS ist der entscheidende Unterschied!!
Bei RB werden die Mittel optimal eingesetzt. Auch was, das man können muss. Da könnte Einer der BSG und Lok noch so viel Kohle hinkippen. Die können mit Geld nicht umgehen, beweist ja die Vergangenheit.

Merkste selbst....?!
Beste Grüße aus der Messestadt!

09.04.2018 18:04 Chemieschwein 12

@10 wer hat der kann .. solange wie wie ein müllauto nach dem anderen millionen hinkippt ,bleibt das auvh so ...das lustige ist , ausgerechnet diese klatschpappen motzen gegen gegen den komerz .. mir kommen de tränen ..

09.04.2018 17:38 jörg 11

Red Bull gegen Bayer unter Regie der DFL und da quatschen welche von Boykott für mehr Fanrechte u.s.w. Welcher Hohn oder.. das Zeug, daß DIE nehmen möchte ich auch haben. Realsatire pur. Dynamische Grüsse

09.04.2018 17:33 Fußball-Romantiker 10

@Schnappio5
ich muss dir nicht den Unterschied zwischen Eigentümer und Sponsor erklären. Ich kenne keinen Sponsor der in der 2.Liga solche Summen in einen Aufsteiger investiert hätte. Dazu wurde in der Winterpause nochmals nachgebessert. Ich höre von den Konsumenten immer nur das zwei alteingesessene Leipziger Vereine mehrere Millionen verbraten haben. Stimmt! Aber RB hat schon mehr verballert als beide zusammen. Nur das das Konstrukt noch nicht zusammengebrochen ist !