Auf einem Fahrzeug der Bereitschaftsfeuerwehr in Bamberg ist der Schriftzug 'Feuerwehr 112' angebracht.
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Steinmeier in Bad Lausick "Keiner kommt - Feuerwehren in Not!"

Es brennt und keiner kommt löschen - eine Horrorvorstellung, aber sachsenweit gar nicht soweit an der Realität vorbei. Personalmangel, wenig finanzielle Unterstützung - das sind wohl die Hauptgründe für die Not der Feuerwehren in Sachsen. Den Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich am Montag in Bad Lausick wollen die Feuerwehrleute dort nutzen, um auf Probleme aufmerksam zu machen.

Auf einem Fahrzeug der Bereitschaftsfeuerwehr in Bamberg ist der Schriftzug 'Feuerwehr 112' angebracht.
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Tim Barczynski steigt den Leuten aufs Dach - beruflich und hin und wieder auch in seiner Freizeit. Hauptberuflich ist er Schornsteinfeger und ganz nebenbei noch Chef der Freiwilligen Feuerwehr Bad Lausick. Doch die muss immer häufiger ohne ihn ausrücken.

Schuld ist der Beruf, sagt Barczynski: "Das Problem ist, ich arbeite in Leipzig und wohne in Bad Lausick. Wenn ich die Alarmierung bekomme, dann blutet das Herz. Man kann nichts tun. Man kann nur anrufen und fragen, ob man noch Hilfe bringen kann."

Keine Arbeit in der Umgebung

So wie ihm geht es vielen Kameraden: Nur wenige haben Jobs in Bad Lausick oder in der direkten Umgebung. Um aber einen Löschzug zu besetzen, muss eine bestimmte Mannschaftsstärke zusammenkommen. Der Personalmangel sei dramatisch, sagt Wehrleiter Tim Barczynski, auch wenn seine Truppe bis jetzt noch keinen Einsatz verpasst hat.

Trotzdem läuft es nicht richtig rund, muss er zugeben: "Das Problem ist, dass wir in der Regel die Ausrückzeiten nicht schaffen. Das heißt, wir haben einen Zeitverzug von drei bis vier Minuten, bis das Fahrzeug besetzt werden kann."

Ins Bewusstsein der großen Politik rücken

André Trautner war bis vor rund zehn Jahren selbst Feuerwehrmann. Als Unternehmer fehlt ihm nun die Zeit. Trotzdem nutzt er beinahe jede freie Minute, den Kameraden zu helfen. Die von ihm ins Leben gerufene Initiative "Keiner kommt - Feuerwehren in Not!" aber war bislang kein Erfolg. Gemeinsam mit den einstigen Kameraden will er nun den Besuch des Bundespräsidenten und des sächsischen Ministerpräsidenten in Bad Lausick nutzen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Wir wollen uns zeigen und respektvoll auftreten. Wir wollen aber auch die beiden Politiker darum bitten, dass sie den Feuerwehren mit aller Kraft zur Seite stehen. Denn die Aufgabe können wir - die Feuerwehren - alleine nicht lösen.

André Trautner ehemaliger Feuerwehrmann

Mehr Geld und Jobs um die Ecke

Wichtig wäre vor allem mehr finanzille Unterstützung, meint Wehrleiter Tim Barczynski: "Die Kommunen müssen finanziell und personell so gut ausgestattet werden, dass sie das Tageseinsatzgeschäft von 6 bis 17 Uhr abdecken können, dass effiziente, gute Technik da ist, die mit wenig Leuten bedient werden kann. Und dass die Leute auf dem Bauhof oder in der Stadtverwaltung der Stadt Bad Lausick oder einer anderen Kommune arbeiten."

Darüber hinaus müsste das Ehrenamt Feuerwehrmann oder -frau wieder größere gesellschaftliche Anerkennung bekommen. Um es auch jungen Leuten wieder schmackhafter zu machen. Anderenfalls könnte es irgendwann einmal so weit sein, dass es brennt und keiner löschen kommt.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.11.2017 | 07:17 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 13.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2017, 14:51 Uhr

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1 Kommentar

13.11.2017 19:01 Walter 1

Zuerst meinen Respekt für Alle die Berlin einer freiwilligen Feuerwehr sind.

Aber:

Für mich gehört diese Aufgabe an den Staat mit Berufswehren. Vielleicht könnte sogar Geld gespart werden, da nicht jedes Dorf ein Feuerwehrhaus und moderne Technik benötigt.
Unsere Feuerwehr im Dorf hat pro Jahr Max. 2 Einsätze, in den letzten 10 Jahren einen Brand, aber siehe oben alles neu.