Ferngesteuert Leipzig überwacht Flughafen Saarbrücken

Technik macht es möglich: Vom Tower auf dem Flughafen Leipzig/Halle werden seit 4. Dezember 2018 auch die Flugbewegungen im 450 Kilometer entfernten Saarbrücken gesteuert, 15.000 Starts und Landungen im Jahr. Ein Modell, das Zukunft haben soll. Die Flugsicherung plant in den kommenden Monaten, auch Erfurt und Dresden von Schkeuditz aus zu manövrieren.

Fluglotsin vor Monitoren am Schreibtisch im Tower
Zehn Fluglotsen aus Saarbrücken steuern von Leipzig aus das Fluggeschehen im Saarland. Sie beobachten die Starts und Landungen an zahlreichen Monitoren und geben die Freigaben an die Piloten in den Maschinen. Bildrechte: Deutsche Flugsicherung

Der Fluglotse gibt den Start 6:53 Uhr am Morgen für die Bombadier CRJ 700 von Saarbrücken nach Berlin-Tegel frei. Doch er sitzt im 450 Kilometer entfernten Schkeuditz bei Leipzig. Dorthin hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) zum Stichtag 4. Dezember 2018 die Kontrolle des Flughafens Saarbrücken verlegt. Saarbrücken ist damit, nach Aussagen der Deutschen Flugsicherung, europaweit der erste Flughafen, der über eine solche Distanz ferngesteuert betrieben wird. Nur in Schweden gebe es zwei Regionalflughäfen, die weniger als 100 Kilometer auseinanderlägen und ähnlich kontrolliert würden, so DFS-Sprecher Stefan Jaekel.

Effizienz und Flexibilität

Flughafengebäude mit Tower und Straße davor
Der Flughafen in Saarbrücken. Nachdem die Fluglotsen nach Leipzig/Halle umgezogen sind, steht der Tower leer. Lediglich ein Lotse wird für eine Übergangszeit von vier Wochen noch die Stellung halten. Bildrechte: Deutsche Flugsicherung

Die Deutsche Flugsicherung verspricht sich von diesem neuen Verfahren vor allem Einsparungen. Denn mit der Zusammenlegung des Lotsenbetriebes auf dem Flughafen Leipzig/Halle würden in Saarbrücken Kosten für Instandhaltung von Gebäuden und Infrastruktur eingespart, hieß es. Zudem sei auf dem Flughafen Saarbrücken der Neubau eines Kontrollturms notwendig gewesen. Darauf könne nun verzichtet werden.

In Schkeuditz hingegen habe es auf dem Gelände des Flughafens genügend vorhandene Gebäude und Räume gegeben, um das Projekt umzusetzen. Das sei auch ein entscheidendes Argument für den Flughafen Leipzig/Halle als Sitz des sogenannten Remote Tower Control Centers gewesen, sagte DFS-Sprecherin Kristina Kelek MDR SACHSEN.

Sicherheit bleibt bestehen

Flughafentower vor blauem Himmel
Tower auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Die Lotsen aus Saarbrücken sitzen jedoch nicht hoch über dem Boden, sondern im Erdgeschoss eines Nebengebäudes. Bildrechte: Deutsche Flugsicherung

Für den Laien ist die Vorstellung vielleicht befremdlich. Fluglotsen geben von Schkeuditz aus Freigaben für Piloten, die über dem Saarland kreisen. Für Profis ist dies Herausforderung und hochtechnisierter Alltag. Auch ohne Blick aus dem Tower haben die Fluglotsen den Luftverkehr in Saarbrücken im Blick. Auf dem dortigen Flughafen wurden schwenk- und neigbare Video- und Infrarotkameras aufgebaut, die auf den Monitoren in Schkeuditz einen 360-Grad-Blick nach Saarbrücken ermöglichen. Die Lotsen können Bildausschnitte frei wählen und Details heranzoomen. Auch statische Kameras zur Vorfeldüberwachung gehören zur Ausstattung. All das gibt es, wie in der Luftfahrt üblich, zur Sicherheit mehrfach.

Bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit biete die Infrarottechnik sogar eine verbesserte Sicht, hieß es. Das System erkenne Bewegungen automatisch und hebe Flugzeuge auf den Bildschirmen der Lotsen hervor. Und damit das Wetter keinen Strich durch die Fernsteuerung macht, sind die Kameras in beheizbaren Gehäusen verpackt, die über eine automatische Reinigungsfunktion verfügen.

Beginn eines neuen Zeitalters

Geschäftsführer der Deutschen Flugsicherung
Klaus-Dieter Scheurle, Geschäftsführer der Deutschen Flugsicherung Bildrechte: Deutsche Flugsicherung

Dass Fluglotsen keinen direkten Sichtkontakt zu den Flugzeugen haben, die sie kontrollieren, ist außerhalb des Towers bereits üblich. Die Deutsche Flugsicherung überwacht den Flugverkehr im gesamten deutschen Luftraum lediglich von vier großen Kontrollzentralen in München, Langen, Bremen und Karlsruhe. "Dass wir nun auch die Starts und Landungen an den Flughäfen aus der Ferne kontrollieren, ist der nächste logische Schritt", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheurle.

Die Entwicklung des Remote-Tower-Systems, wie es die Flugsicherheitsexperten nennen, hat vier Jahre gedauert. Wenn die vierwöchige Testphase in Leipzig abgeschlossen ist, wird in den kommenden Monaten auch die Kontrolle der Flughäfen Erfurt und Dresden nach Leipzig verlagert. Dafür werden auch die Lotsen ihren Arbeitsplatz an die Pleiße verlegen müssen. Denn jeder Lotse ist Experte für seinen Sektor. Sie sind besonders für einen bestimmten Korridor geschult. Langfristig werden die Lotsen aber wohl für mehr als einen Sektor im Lauftraum ausgebildet, um an den zentralisierten Schaltstellen flexibler einsetzbar zu sein.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.12.2018 | ab 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2018, 16:59 Uhr

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