Leipzig Haftstrafe nach Anschlag auf Ministerwohnung

Als im November 2015 erst Steine und dann mit Buttersäure gefüllte Christbaumkugeln in die Wohnung von Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow fliegen, ist es nur Glück, dass weder der Minister noch seine Familie verletzt werden. Die Spur der Täter führt in die rechte Szene in Leipzig. Einer der beiden Angeklagten wurde am Montag zu einer Haftstrafe verurteilt. De andere verließ den Gerichtssaal als freier Mann.

Für den Anschlag auf die Wohnung des sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow ist ein 30-Jähriger aus der rechten Fußballszene zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Das Amtsgericht Leipzig sprach den Mann am Montag der versuchten gefährlichen Körperverletzung sowie der Sachbeschädigung schuldig. Da er aufgrund einer Verurteilung wegen Körperverletzung aus dem Jahr 2015 unter Bewährung stand, muss er nun in Haft. Ein zweiter Angeklagter aus Nordrhein-Westfalen wurde freigesprochen.

Das Gericht geht allerdings davon aus, dass der Angriff im November 2015 gar nicht Gemkow gegolten hat. Vielmehr hätten die etwa zehn vermummten Angreifer, zu denen einer der Angeklagten gehört habe, eine benachbarte linke Wohngemeinschaft treffen wollen. Die Täter hatten laut Gericht mitten in der Nacht zwölf große schwere Granitsteine gegen die Fenster der Erdgeschosswohnung geschmettert. Die Scheiben waren mit einer Folie gesichert. Trotzdem landeten zwei Steine im Wohnzimmer. Anschließend wurden noch mit Buttersäure gefüllte Weihnachtsbaumkugeln hinterhergeworfen. Gemkow schlief zu der Zeit mit seiner Familie in der Wohnung.

Im Fall des gleichaltrigen Mitangeklagten, einem Autohändler aus Nordrhein-Westfalen, folgte die Richterin der Argumentation eines Sachverständigen. Seine DNA-Spuren seien über die Kleidung in das Auto übertragen, mit dem die Steine zum Tatort transportiert worden waren. Das Auto hat er nach eigenen Aussagen aus Frankreich überführt. Später wurde der Wagen nach Leipzig verkauft. Der Mann hatte im Prozess zudem ausgesagt, keine Verbindung zum anderen Angeklagten zu haben und noch nie in Leipzig gewesen zu sein.

DNA-Analyse führte die Ermittler auf die Spur

Den beiden Männern wurde vorgeworfen, am 24. November 2015 zunächst die Scheiben von Gemkows Leipziger Wohnung mit Pflastersteinen eingeworfen haben. Anschließend sollen sie mit Buttersäure gefüllte Christbaumkugeln durch die zerstörten Fenster geschleudert haben. Gemkow und seine Familie schliefen zu dem Zeitpunkt in der Wohnung. Die Steine trafen allerdings nicht das Schlafzimmer, sodass niemand verletzt wurde. Inzwischen ist die Familie umgezogen.

Die Ermittler waren über eine DNA-Analyse am Tatort auf die Spur der Verdächtigen gekommen. Wegen vorhergehender Ermittlungsverfahren seien die DNA-Daten der Angeklagten bereits erfasst gewesen, erklärte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz MDR SACHSEN.

Täter kommt aus der rechten Szene

Der am Montag verurteilte Thomas K. gilt als stadtbekannter, mehrfach vorbestrafter Neonazi. Er war unter anderem an einem Überfall auf einen Nachtbus nach einem Courage-Konzert beteiligt und soll Anfang Januar 2016 unter den 200 Hooligans gewesen sein, die die Wolfgang-Heinze-Straße in Connewitz verwüsteten.

Quelle: EPD/dpa/mar/dk

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.09.2017 | ab 17:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 18.09.2017 | ab 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2017, 12:10 Uhr

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