19.06.2020 | 13:43 Uhr Große Akzeptanz nach fünf Jahren Friedwald Bennewitz

Bäume stehen in einem Wald
Im Friedwald sind die Gräber schlicht und naturnah. Grabschmuck gibt es dort nicht. Den übernimmt die Natur: So zieren – je nach Jahreszeit – Moose, Farne, Wildblumen, buntes Laub oder Schnee das Baumgrab. Bildrechte: FriedWald GmbH

Auf 66 Hektar stehen Buchen, Eichen, Linden, Kiefern, Birken und Lärchen. Es sind die grünen Grabsteine des Friedwalds in Bennewitz bei Wurzen im Landkreis Leipzig. Seit fünf Jahren kann man sich hier bestatten lassen. Der sogenannte Planitzwald war der erste Bestattungswald im Freistaat. Mittlerweile ist deren Anzahl auf vier gestiegen, auch in Oberau bei Meißen, Markersdorf bei Görlitz und Waldenburg bei Chemnitz kann man sich unter Bäumen beerdigen lassen.

Baum statt Grabstein

Es scheint ein Trend zu sein, sich für ein pflegeleichtes Grab zu entscheiden. Laut einer repräsentativen Umfrage der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V. von 2019, wünscht sich nur noch jeder Vierte ein klassisches Grab. 2013 waren das noch 49 Prozent. Diese Entwicklung zeichnet sich auch im Planitzwald ab. Wie der Betreiber, die Friedwald GmbH, MDR SACHSEN mitteilte, fanden im ersten Jahr 146 Menschen dort ihre letzte Ruhestätte. Inzwischen seien es mehr als 1.680. Und auch die Zahl derer, die sich schon vor ihrem Tod für den Planitzwald als letzten Ort entschieden haben, zeigt, es werden künftig noch mehr: Über 5.400 Menschen wollen Wald statt Friedhof.

Ein Weg durch einen Wald
An den Hauptzugangswegen stehen Waldtafeln, auf denen die Fläche eingezeichnet ist, die als Bestattungsplatz dient. Die Tafel weist auch auf die Besonderheit des Ortes hin und hilft bei der Orientierung im Wald. Bildrechte: FriedWald GmbH

Es gebe viele Gründe, warum sich Menschen für solch eine Bestattung entscheiden, sagte Carola Wacker-Meister vom Friedwald. Während der eine die Nähe zur Natur suche, wünsche sich der nächste eine Alternative zum konfessionellen Friedhof. Ein anderer wiederum möchte seinen Angehörigen ein Grab ohne Pflegeaufwand ermöglichen, sagte die Unternehmenssprecherin.

Auch der Gedanke der Nachhaltigkeit spielt eine zunehmende Rolle bei der Wahl der letzten Ruhestätte.

Carola Wacker-Meister Friedwald GmbH

Akzeptanz statt Bedenken

Sah die evangelische Landeskirche am Anfang die Etablierung von Friedwäldern in Sachsen noch kritisch, weil sie der Bestattungskultur in unserem Raum nicht entsprechen, habe sich die Situation in Bennewitz zwischen Kirchgemeinde und Bestattungswald positiv entwickelt. "Seit der Eröffnung des Friedwald-Standortes ist die Kirche eingebunden" erzählt Carola Wacker-Meister. So finden die regelmäßigen Andachten immer unter Leitung der örtlichen Kirchengemeinde statt, auch Beisetzungen unter kirchlicher Leitung gibt es.

Über die Jahre hinweg hat sich so eine enge Zusammenarbeit ergeben, in der man sich im Rahmen der Möglichkeiten gegenseitig unterstützt.

Carola Wacker-Meister Friedwald GmbH

Und auch in der direkten Nachbarschaft sei die Akzeptanz trotz anfänglicher Bedenken hoch. Viele Anwohner fühlten sich mit dem Planitzwald verbunden und begrüßten die Bestattungsmöglichkeit im selbigen, so Wacker-Meister.

Ein Andachtsplatz in einem Friedwald
Regelmäßig gibt es Andachten im Planitzwald unter Leitung der örtlichen Kirchgemeinde. Bildrechte: FriedWald GmbH

Was kostet der Tod?

Egal ob klassisches Grab oder Baumbestattung, der Preis für eine Bestattung ist abhängig von den Wünschen der Verstorbenen und ihrer Angehörigen. Wie auf konventionellen Friedhöfen gibt es auch im Friedwald Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Grab- und Baumarten, die sich auf den Preis auswirken.

Die günstigste Variante sei der Basisplatz mit 490 Euro plus Beisetzungkosten von derzeit 350 Euro, erklärte Carola Wacker-Meister. Das ist eine Einzelruhestätte an einem gemeinschaftlich genutzten Baum mit einer Ruhezeit von 20 Jahren. Aussuchen darf man sich den Platz nicht, er wird vom Förster zugewiesen. Wer sich einen Platz an einem Baum aussuchen möchte, zahlt zwischen 770 und 1.200 Euro, plus die Bestattungskosten. Ein ganzer Baum mit all seinen Grabstellen kostet ab 2.490 Euro.

Jeden Monat gibt es in den Friedwäldern, auch im Planitzwald, eine Waldführung. Friedwald-Förster erklären dabei das Konzept, informieren unter anderem über Kosten, Baumgrabarten und Beisetzungen. Auf der Internetseite des Betreibers werden die Termine dafür veröffentlicht.

Friedwälder In einem Friedwald werden sogenannte "Baumbestattungen" vollzogen. Dabei wird die Asche eines Verstorbenen unter einen Baum gebracht. Die Bäume können zu Lebzeiten ausgesucht werden. Die Bestattung erfolgt anonym oder es wird ein Schild angebracht. Der erste Waldfriedhof entstand 2002 mitten in einem geschlossenem Waldgebiet in Hessen.

Gesetzliche Maßgaben Bestattungsrecht ist in Deutschland Sache der Länder. 2009 wurde das Sächsische Bestattungsrecht geändert. Dabei wurden die bisher üblichen Bestattungsformen um "andere Bestattungsformen" ergänzt.

Die Errichtung eines Friedhofes in Form eines Bestattungswaldes ist genehmigungspflichtig (§ 1 Abs. 3 SächsBestG). Zuständige Behörde ist der Landkreis oder die Kreisfreie Stadt. Die Genehmigungsbehörde prüft, ob die Voraussetzungen des Sächsischen Bestattungsgesetzes erfüllt sind (z.B. ruhige Lage, Abstandsflächen) und sonstigen Vorschriften nicht entgegenstehen.

Außerdem ist ein geologisches und hydrologisches Gutachten vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und Landwirtschaft einzuholen sowie das Gesundheitsamt zwecks Festlegung der Mindestruhezeit einzubeziehen.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.06.2020 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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