09.08.2019 | 20:49 Uhr Nach Döbeln auch in Grimma Proteste gegen Höcke-Wahlkampfauftritt

Teilnehmer einer Gegendemonstration gehen mit einem Transparent mit der Aufschrift "Den völkischen Vormarsch verhindern" über den Marktplatz. Ein breites Bündnis aus Parteien und Organisationen hat gegen einen Wahlkampfauftritt des Thüringer AfD-Politikers Höcke protestiert
Zum Protest gegen den Auftritt von Björn Höcke waren viele Leipziger nach Grimma gekommen. Bildrechte: dpa

Ein Bündnis aus Parteien und Organisationen hat am Freitag in Grimma gegen einen Wahlkampfauftritt des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke friedlich protestiert.

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD in Thüringen, winkt bei seiner Ankunft zu einer Wahlkampfveranstaltung seiner Partei im Rathaus. Am gleichen Tag hat ein breites Bündnis aus Parteien und Organisationen gegen die Veranstaltung protestiert
Björn Höcke unterstützt den Landtagswahlkampf der AfD in Sachsen - am Freitag kam er dazu nach Grimma. Bildrechte: dpa

Rund 300 Menschen versammelten sich nach Angaben der Stadt am frühen Abend vor dem Rathaus. Dort unterstützte der Gründer des rechtsnationalen "Flügels" in der AfD gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Jens Maier bei einer Veranstaltung den Landtagskandidaten Jörg Dornau. Etwa 180 AfD-Anhänger hatten sich laut Stadt dort in einem Saal versammelt, etwa 100 weitere fanden im Rathaus keinen Platz mehr und warteten auf dem Marktplatz. In seiner rund 50-minütigen Rede prognostizierte er für die AfD in Sachsen ein Wahlergebnis von bis zu 30 Prozent.

Auf dem Markt vor dem Rathaus hatten mehrere Parteien aus dem Grimmaer Stadtrat ein "Sommerfest der Demokratie" als Protest gegen den AfD-Auftritt organisiert. Dort spielte unter anderem Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel Stücke aus seinem Soloprogramm. "Das habe ich erst ganz kurzfristig am Vormittag entschieden", sagte er. Zudem hatte das Bündnis "Leipzig nimmt Platz" eine Demonstration vom Bahnhof in die Innenstadt angemeldet, deren Teilnehmer am Abend friedlich zum Markt zogen.

Matthias Berger (parteilos), Oberbürgermeister von Grimma, beobachtet auf dem Marktplatz eine Gegendemonstration.  Ein breites Bündnis aus Parteien und Organisationen hat gegen einen Wahlkampfauftritt des Thüringer AfD-Politikers Höcke protestiert
OB Berger hat am Freitag das Demonstrationsgeschehen beobachtet. Am Morgen war das Rathaus mit Farbe und Kot beschmiert worden - als Protest gegen die im Ratssaal genehmigte AfD-Veranstaltung. Bildrechte: dpa

Als Bürgermeister bin ich dafür da, dass die Verfassung - und das heißt auch Artikel 3, Gleichbehandlung - hier in Grimma Geltung haben. Nur weil - in diesem Fall irgendwelche linken Chaoten - der Meinung sind, Björn Höcke dürfe nicht ins Grimmaer Rathaus, ist das keine Rechtfertigung. Es ist nur schlicht kriminell, unmoralisch und schwerst zu verurteilen.

Matthias Berger Oberbürgermeister Grimma

OB Berger verteidigt Genehmigung für AfD-Veranstaltung

Am Freitagmorgen hatte ein Farb- und Kotanschlag auf das Rathaus für Unmut gesorgt. Oberbürgermeister Matthias Berger verurteilte die Tat als "dumpfe Gewalt von dummen Menschen". Unbekannte hatten in der Nacht zum Freitag die Vorderseite besprüht und beschmiert. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Nach einem mutmaßlichen Bekennerschreiben auf der Internetplattform "indymedia.org" stehen Personen aus dem linken Spektrum im Verdacht. Berger verteidigte die Entscheidung, dass der AfD-Wahlkampfauftritt im Rathaus stattfinden darf. Es stehe als Veranstaltungsort grundsätzlich offen für jedermann, sagte der Oberbürgermeister. "Wer auf dem Boden des Grundgesetzes steht, darf hier reden", betonte er.

Bereits am Donnerstag hatten Hunderte Menschen in Döbeln mit einer friedlichen und bunten Kundgebung gegen einen Wahlkampfauftritt von Höcke protestiert. In Sachsen wird am 1. September ein neuer Landtag gewählt.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.08.2019 | ab 09:00 Uhr in den Nachrichten

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