28.08.2019 | 12:35 Uhr Proteste gegen Stadträte und Attacken in Wurzen

Markt in Wurzen
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In Wurzen haben am Dienstagabend etwa 100 Menschen gegen den Einzug der rechtspopulistischen "Neuen Forums für Wurzen" und der AfD in den Stadtrat protestiert. Laut Polizei standen den Leipziger Bündnissen "Ladenschluss" und "Rassismus tötet" etwa 50 rechte Gegendemonstranten gegenüber. Es sei zu verbalen Attacken unter den Demonstranten gekommen. Die Polizei erteilte einige Platzverweise wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Aus den Reihen rechter Gegendemonstranten sei der Hitlergruß gezeigt worden. Dazu ermittelt die Polizei.

Ein Polizist steht im Regen vor einem Streifenwagen dessen Blaulicht aktiviert ist.
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MDR-Reporter berichteten auch von körperlichen Attacken und Angriffen rechter Sympatisanten auf Kameraleute. Ein Fotograf sagte MDR SACHSEN, er ist auf den Arm geschlagen worden. Im Beisein der Polizei seien zudem antisemitische Beschimpfungen laut geworden. Insgesamt beschrieben Augenzeugen die Stimmung unter den teils betrunkenen Rechten als aggressiv.

Leipziger Bündnisse kritisieren Ignoranz in Wurzen

Nach der Kommunalwahl hatte sich am Dienstag der Stadtrat in Wurzen neu zusammengefunden. Gegen den Einzug rechter Gruppierungen riefen Leipziger Bündnisse zu Protesten vor dem Rathaus auf. "Wir finden, dass es nicht unkommentiert bleiben kann, wenn blau-braune Strukturen sich in der Stadt immer weiter breit machen und nur ein einziges Ziel verfolgen: die Zerschlagung der Zivilgesellschaft", sagte die Sprecherin des Ladenschlussbündnisses, Stephanie Kesselbauer. Die Organisatoren kritisierten, dass sich in Wurzen immer nur dann Empörung rege, wenn Linke auf rechte Gewalt und Strukturen dahinter aufmerksam machten. "Wenn rechte Schläger in den Stadtrat einziehen oder regelmäßig Menschen, die nicht ins Weltbild von Neonazis und Rassisten passen, angegriffen werden, dann herrscht in der Stadt absolute Ignoranz."

Die Ergebnisse der Kommunalwahl

Die AfD und das rechtsgerichtete "Neue Forum für Wurzen" (NFW ) hatten bei der Stadtratswahl Ende Mai zusammen rund 27 Prozent der Stimmen bekommen und damit sieben Mandate im Stadtparlament. Der Stadtrat hat insgesamt 26 Sitze. Für das NFW sitzt unter anderem Benjamin Brinsa im Stadtrat, der einem Freefight-Team angehört und dem der Staatsschutz enge Verbindungen in die nordsächsische Neonaziszene nachsagt.

Wurzen war in den vergangenen Jahren wegen rechter Gewalt unter anderem gegen Ausländer und Flüchtlinge immer wieder aufgefallen. Linke Gruppen demonstrieren regelmäßig in der Stadt, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Quelle: MDR/kk/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.08.2019 | 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2019, 12:35 Uhr

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