Bechsteinfledermaus
So sieht die Bechsteinfledermaus aus. Bildrechte: dpa

23.08.2019 | 19:10 Uhr Seltene Fledermausart im Wermsdorfer Wald entdeckt

Im Wermsdorfer Wald wimmelt es nachts nur so von Fledermäusen. Nun wurde erstmals die seltene und besonders schutzwürdige Bechsteinfledermaus entdeckt. Ihr Lebensraum soll jetzt besonders geschützt werden.

Bechsteinfledermaus
So sieht die Bechsteinfledermaus aus. Bildrechte: dpa

Forscher haben die bedrohte Bechsteinfledermaus aufgespürt. Im Wermsdorfer Wald östlich von Leipzig entdeckten sie den bedrohten Nachtschwärmer mit Hilfe von Peilsendern und Telemetrie. "Das war eine Überraschung", sagte der Biologe Marco Roßner. Die Kolonie umfasse mindestens 41 Alttiere. Möglich wurde die Entdeckung durch ein neues Forschungsprojekt von Sachsenforst, dem Fachbüro "hochfrequent" und dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Dieses beschäftigt sich mit den Lebensräumen von Fledermäusen.

Wie die Verantwortlichen mitteilen, sind seit Mai bereits 17 Fledermausarten nachgewiesen worden. Die bedrohte Bechsteinfledermaus konnte aufgrund einer ihrer Wochenstuben nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um eine Art Nest, das als Geburts- und Aufzuchtsort für die Jungen genutzt wird. Die markanten Bechsteinfledermäuse mit den großen Ohren und dem langhaarigen Fell wurden zuvor meist nur in Hessen, Nordbayern und Baden-Württemberg gesichtet.

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung machts möglich

Die auf der Roten Liste der besonders schutzwürdigen Tiere stehende Fledermaus konnte sich dank der nachhaltigen Waldbewirtschaftung in Sachsen erfolgreich vermehren. "Durch gezielte Steuerung der Waldentwicklung", so ist sich Landesforstpräsident Utz Hempfling sicher, "schaffen wir struktur- und artenreiche Mischwälder, die viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten beheimaten und stabile Zukunftswälder bilden." Das große zusammenhängende Waldgebiet bei Wermsdorf bietet dabei mit seinen Nadel- und Laubbäumen, kleinen Tümpeln und feucht-sumpfigen Flächen einen idealen Lebensraum. Baumhöhlen und Rindenspalten alter, großer Bäume sind perfekte Verstecke für die Fledermäuse. Eine Vielzahl an kleinen Insekten stehen für sie als Nahrung zur Verfügung.

Zum Schutz der Fledermaus

Eine Mopsfledermaus
Nicht nur die Bechsteinfledermaus hat es sich in Westsachsen gemütlich gemacht. Auch die seltene Mopsfledermaus konnte bereits nachgewiesen werden. Bildrechte: dpa

Durch diese Gegebenheiten wird im Wermsdorfer Wald Artenschutz großgeschrieben. Zum Start hat Sachsenforst 25.000 Euro investiert. Dafür wurden unter anderem hochmoderne Geräte angeschafft. Die können Ultraschallsignale hörbar machen und aufzeichnen. Mit der Hilfe dieser "Horchboxen" werden die Rufe der nachtaktiven Tiere, die für das menschliche Ohr unhörbar sind, erfasst. So lässt sich teilweise nachweisen welche Arten im Wald leben, aber auch wie viele von ihnen durch den Nachthimmel fliegen. Denn nur, wenn man über den Artbestand Bescheid weiß, kann man Fledermäuse, wie zum Beispiel die Bechsteinfledermaus, langfristig schützen und aktiv fördern.

Erkenntnisse für den Waldumbau

"Das ist gut angelegtes Geld", sagte der Geschäftsleiter Naturschutz im Wald bei Sachsenforst, Michael Homann, mit Blick auf die Investition. Der Staatsbetrieb verspricht sich davon Erkenntnisse für den Waldumbau und damit für den Artenschutz. In Sachsen leben mindestens 21 Fledermaus-Arten. Als 22. Art könnte laut Roßner die Alpenfledermaus hinzukommen, die in Leipzig gesichtet worden ist. In der gesamten Bundesrepublik sind 25 Fledermausarten erfasst. Weltweit sind 1200 bekannt. "Außer in den Polarregionen sind sie überall verbreitet", berichtet Biologe Roßner.

Quelle: MDR/kh/sth/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.08.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 19:10 Uhr

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