Bergsport Klettern am Böhlitzer Holzberg wieder möglich

Der nördliche Teil des Landkreises Leipzig mit den Hohburger Bergen ist mit seinen Steinbrüchen seit Jahren ein beliebtes Klettergebiet. Vor allem der Holzberg, mit Nordsachsens höchster Felswand, ist für den Klettersport in Mitteldeutschland wichtig. Doch nicht immer kann das Hobby uneingeschränkt ausgeübt werden. Neben dem Naturschutzrecht sind auch das Bergrecht und Eigentumsrechte zu beachten.

Natur, Pflanzen und Kletterfreunde haben den ehemaligen Steinbruch Holzberg vereinnahmt.
Das Klettern am Holzberg ist nach sechsmonatiger Zwangspause wieder möglich. Allerdings nicht für Jedermann. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Was lange währt, wird endlich gut. Das wird sich der Landesverband Sachsen des Deutschen Alpenvereins vergangene Woche auch gedacht haben. Bereits im Frühjahr hatte sich der Verein für die Hohburger Berge um eine Klettererlaubnis in den Steinbrüchen Gaudlitzberg (Röcknitz), Holzberg (Böhlitz) und Zinkenberg (Röcknitz) bemüht. Im Sommer gab es die erste Antwort vom zuständigen Landratsamt des Landkreises Leipzig, Wochen später die letzte und wichtigste.

Gaudlitzberg - Klettern erlaubt, Zinkenberg - Kletterverbot

Kein Problem mit der Kletterei besteht am Gaudlitzberg. Laut Landratsamt gilt er als abgeschlossener Steinbruch und unterliegt nicht mehr dem Bergrecht. Anders sieht das am Zinkenberg aus. Er gilt als aktiver Steinbruch, hier gilt das allgemeine bergrechtliche Betretungsverbot - und das voraussichtlich die nächsten 30 Jahre. So lang steht der Zinkenberg unter Bergaufsicht. Danach könnte das Klettern erlaubt werden, wenn zwischen dem Eigentümer, der Basalt-Actien-Gesellschaft, und dem Deutschen Alpenverein eine privatrechtliche Regelung getroffen wird.

Natur und Pflanzen haben den ehemaligen Steinbruch Holzberg vereinnahmt.
Der Steinbruch Holzberg in Böhlitz ist bei Klettersportlern sehr beliebt. Seit 20 Jahren wird das Gelände von Bergsportlern genutzt. Trotz des Kletterns haben sich Biotope entwickelt. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Genehmigung mit Auflagen für Holzberg

Eine privatrechtliche Regelung - einen Nutzungsvertrag - gab es auch am Holzberg. Bis zum Frühjahr. Dann flatterte beim DAV die außerordentliche Kündigung des Nutzungsvertrages mit dem Eigentümer, der Unternehmensgruppe Kafril, ins Haus. Hintergrund waren unterschiedliche Ansichten zur umweltrechtlichen Schutzbedürftigkeit des Gebietes. Im Juni dann der erste Teilerfolg für die Bergsportler. Bei einem gerichtlichen Vergleich wurde die außerordentliche Kündigung aufgehoben und vom Eigentümer die Klettergenehmigung erteilt.

Ringen um Klettergenehmigung

Jetzt hätte es eigentlich wieder in die steile Wand des Holzberges gehen können, doch der Landkreis verweigerte weiterhin die im Frühjahr beantragte naturschutzrechtliche Genehmigung. Die Behörde sei der Auffassung gewesen, dass es sich beim Holzberg um einen aktiven Bergbaubetrieb handelt, erklärte Lutz Zybell, Vorsitzender des Deutsche Alpenvereins Landesverband Sachsen MDR SACHSEN. Doch dort wird seit Jahrzehnten kein Rohstoff mehr abgebaut. Es habe offensichtlich Missverständnisse zwischen dem Oberen Bergamt und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises gegeben, erklärt Zybell. Das kommunikative Problem sorgte für langwierige Nachverhandlungen inklusive Gesprächen mit dem sächsischen Wirtschafts- und Umweltministerium. Nach zwei Monaten Diskussion gab es vergangene Woche dann endlich die Genehmigung vom Landkreis.

Dass ab sofort der Holzberg als größtes und bedeutendstes Klettergebiet in Nordsachsen unseren Mitgliedern und deren Gästen wieder zugänglich gemacht werden kann, stimmt uns sehr froh.

Lutz Zybell DAV-Landesverband Sachsen

Natur und Pflanzen haben den ehemaligen Steinbruch Holzberg vereinnahmt.
Die Wand im Steinbruch Holzberg ist die höchste in Nordsachsen. Mit der Ausrichtung nach Süden ist Klettern selbst im Winter möglich. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Allerdings darf am Holzberg nicht jeder klettern. Lediglich Mitglieder des Deutschen Alpenvereins und der IG Klettern dürfen den Steinbruch betreten und sich in die Wand wagen. Ein allgemeines Betretungsrecht bestehe nicht, so das Landratsamt des Landkreises Leipzig.

Mit der nun erteilten Genehmigung hofft der DAV, dass sich die Situation an den anderen Kletterwänden in der Region entspannt. Die waren während der Sperrung des Holzberges laut Zybell überlaufen. Und das widerspricht einem Anliegen des Deutschen Alpenvereins, sich für einen sanften, nachhaltigen und naturverträglichen Klettersport einzusetzen.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.09.2020 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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