Eingangsbereich einer Agentur für Arbeit
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Bertelsmann-Studie zur beruflichen Bildung Schlechte Chancen für Sachsens Hauptschüler

Abitur, Realschul- oder doch Hauptschulabschluss? Vor dieser Wahl stehen jedes Jahr zehntausende Schüler. Und noch wichtiger: Wie soll es nach der Schule weitergehen? Universität, duale oder schulische Ausbildung? Eine aktuelle Untersuchung hat herausgefunden: Die Ausbildungsplätze werden weniger. Und das bedeutet schlechtere Chancen für junge Menschen mit Hauptschulabschluss.

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Wer in Sachsen mit einem Hauptschulabschluss eine Ausbildung anfangen möchte, hat es schwer: Nur gut die Hälfte aller Hauptschulabsolventen im Freistaat schaffte es 2016 auf Anhieb, eine Ausbildung zu ergattern. Das geht aus dem "Ländermonitor berufliche Bildung" der Bertelsmann-Stiftung hervor. Zum Vergleich: 2007 hatten noch rund 75 Prozent der Hauptschüler direkt mit einer Ausbildung anfangen können.

Schlechte Karten für Hauptschüler und ausländische Jugendliche

Jörg Dräger von der Bertelsmann-Stiftung erklärte: "Wer Abitur macht, hat einen Studienplatz praktisch sicher - wer einen Haupt- oder mittleren Schulabschluss hat, geht dagegen auf dem Ausbildungsmarkt häufig leer aus." Noch schwerer haben es Jugendliche ohne deutschen Pass. Sie bekommen deutlich seltener einen Ausbildungsplatz als ihre deutschen Altersgenossen. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede in Schleswig-Holstein, Sachsen und Bayern. Nur 51 Prozent von ihnen konnten auf Anhieb eine Ausbildung beginnen. Im Jahr 2013 hatten das noch 61 Prozent geschafft. Die im Jahr 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge wurden bei der Untersuchung noch nicht berücksichtigt.

Ganz allgemein erkennt die Bertelsmann-Stiftung einen besorgniserregenden Trend: Der aktuellen Studie zufolge hat die berufliche Ausbildung an Bedeutung verloren. Betriebe hatten im vergangenen Jahr deutlich weniger Ausbildungsplätze als noch vor zehn Jahren angeboten. Dennoch sind die Chancen für Bewerber - zumindest rechnerisch - besser als zuletzt, denn die Zahl der Interessenten ist noch dramatischer gesunken.

"Ausbildungen müssen attraktiver werden"

Vor allem in den neuen Bundesländern wird weniger ausgebildet. In den ostdeutschen Flächenländern ging laut der Untersuchung die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze um knapp 40 Prozent zurück, die Bewerberzahl sank sogar um 46 Prozent. In Sachsen ist das Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot mittlerweile so gut wie ausgeglichen. Das bedeutet allerdings nicht, dass auch alle Schüler mit Abschluss den gewünschten Ausbildungsplatz erhalten.

Stiftungsvorstand Dräger hält diesen Trend für bedenklich. Er forderte mehr Anstrengungen von Betrieben: "Die duale Ausbildung ist zentral für Deutschland, steht aber im Wettbewerb mit den Hochschulen unter Druck." Deshalb sollten die Ausbildungsbedingungen attraktiver sowie Aufstiegs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten bekannter gemacht werden.

Quelle: MDR/kp

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.12.2017 | 06:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 18.12.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2017, 15:54 Uhr

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5 Kommentare

20.12.2017 14:17 MuellerF 5

@3 & 4: Ich habe nirgends behauptet, alle Hauptschüler seien faul oder dumm- bitte genauer lesen! Dennoch muss es Gründe geben, warum jemand nicht Real-, sondern eben Hauptschule macht.
Trotzdem denke ich, dass ein Hauptschüler mit 'nem 2er Schnitt auf dem Abschlusszeugnis bessere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt hat, als ein Realschüler mit 4er Notendurchschnitt. Zumindest würde ich das als Unternehmer so halten.
Wer aber die Hauptschule gerade so mit Ach & Krach schafft, & in vielen Wissensbereichen große Defizite hat, kann natürlich nicht auf steile Karrierechancen hoffen.

19.12.2017 10:56 Fragender Rentner 4

@MuellerF zu 2

Woher weißt du das mit den Hauptschülern?

Nicht immer den Menschen etwas unterstellen, wenn du nicht die persönlichen Gründe kennst.

19.12.2017 10:01 Werner 3

@18:32 MuellerF 2: Es hapert nachweislich nicht nur bei Hauptschülern. Traurig, muss aber unwahr sein, da angeordnete Massen-Fachkräfte-Schwemme. Manche tappen wie im stockdunklen Keller herum, und rennen sich dabei immer wieder den Kopf ein, oder fallen brutal auf die Dings, weil sie vergessen haben, wo genau sie ihre "Gerätschaften zur Dings" aufgebaut hatten.

18.12.2017 18:32 MuellerF 2

@1: Ja, das liest man immer wieder. Trotzdem suchen Firmen ja nicht einfach irgendwen, sondern GEEIGNETE Bewerber. Lesen, Rechnen, Schreiben sowie Interesse & Engagement am/im Beruf werden als Fähigkeiten schon verlangt-und genau da wird es insbes. bei Hauptschülern hapern - traurig,aber wahr!

18.12.2017 16:48 Fragender Rentner 1

Sinngemäß stand doch erst, das sie alle Azubis suchen und jetzt das?