16.06.2019 | 14:00 Uhr Hunderte fordern Gedenken statt Neonazi-Treff in Leipzig

Demonstration gegen Neonazi-Treff am Gedenkort für Zwangsarbeit Leipzig, 15. Juni 2019
Bildrechte: MDR/Christian Modla

Etwa 500 Menschen haben am Sonnabend gegen einen Kampfsporttreff an einem historisch belasteten Ort demonstriert. Wie die Initiatoren vom Bündnis "Ladenschluss" mitteilten, richtete sich der Protestzug gegen die Nutzung der Kamenzer Straße 10/12 in Leipzig-Schönefeld als Szene-Treffpunkt für Neonazis.

Auf dem Areal befand sich am Ende des Zweiten Weltkrieges ein Außenlager des KZ Buchenwald, in dem mehrere Tausend Frauen und Mädchen Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten mussten. Deshalb stand der Demonstrationszug unter dem Titel: "Neonazitreff schließen! Gedenkort schaffen!"

Was ist das Bündnis "Ladenschluss"? Das Ladenschluss-Aktionsbündnis aus Leipzig besteht seit 2007 und gründete sich als Reaktion auf die Eröffnung einer "Thor-Steinar"-Filiale. Es ist ein antifaschistisches und antirassistisches Bündnis, das vor allem Unterstützung bei linkspolitischen Kräften findet. Es wendet sich dezidiert gegen Neonazi-Strukturen und fordert ein "aktives, kämpferisches Gedenken" an NS-Verbrechen.

Seit 2007 befinde sich das Gelände in der Kamenzer Straße in privater Hand. Seither hätten dort wiederholt Konzerte rechtsextremer Bands stattgefunden. Der Kampfsportverein "Imperium Fight Team" sei ebenfalls dort ansässig. "Diese Nutzung ist für uns ein Skandal", sagte Luca Jamblowski vom Bündnis "Ladenschluss": "Es kann nicht sein, dass ein Ort mit solch historischer Bedeutung als Veranstaltungs-, Lager- und Vernetzungsfläche für Neonazis, Hooligans und rechts-offene Rocker fungiert, während ein Gedenken nahezu unmöglich ist". Nach Angaben des Bündnisses wurde die Gedenktafel bereits sechs Mal zerstört und ihre Unterstützer fordern die Stadt Leipzig auf, ein Konzept für diesen Ort der Zwangsarbeit zu entwickeln und die Nutzung als Neonazi-Treff zu unterbinden.

Zwangsarbeit in Leipzig-Schönefeld am Ende des Zweiten Weltkrieges In Leipzig-Schönefeld hatte die Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft (HASAG), einer der größten Rüstungsproduzenten und Profiteure des nationalsozialistischen Zwangsarbeitssystems, ihren Hauptsitz. Hier mussten etwa 10.000 Menschen, vorwiegend Frauen aus Polen und der Sowjetunion, Panzerfäuste, Munition und andere Rüstungsgüter herstellen.

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig, Permoserstraße 15, bietet regelmäßig Führungen durch die Dauerausstellung sowie Geländerundgänge an. www.zwangsarbeit-in-leipzig.de

Quelle: MDR/epd/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.06.2019 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

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13 Kommentare

17.06.2019 13:18 Mediator an aus Dresden(12) 13

Ich denke sie irren hier gewaltig! Die Stolpersteine nimmt man sehr wohl wahr. Um diese Stolpersteine wahrzunehmen muss man schon Aufmerksam durch unsere Städte gehen, denn sie sind dort nur vereinzelt anzutreffen. Ginge es nach der Zahl der Menschen die im Namen des Deutschen Volkes durch das NS-Regime ermordet wurden, dann müsste man ganze Fußgängerzonen damit pflastern.

Ansonsten müssen sie den Aspekt szenetypischer Kleidung von Rechtsextremisten nicht ins Lächerliche ziehen. Sie scheinen wohl kein Sachargument dagegen zu haben, dass sich aus vielen Indizien irgendwann sehr klar ableiten lässt, welcher Gesinnung jemand anhängt. Wer mit Neonazis abhängt, sich wie Neonazis anzieht und wie Neonazis redet, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er ein Neonazi ist. So einfach ist das meistens! Es geht ja diesen Leuten gerade darum in nicht justiziabler Form Flagge zu zeigen.

17.06.2019 11:00 aus Dresden 12

@10
Ich trage deswegen Mao-Anzug. Alles andere tragen die Rechtsextremisten auch, aber nicht meinen Mao-Anzug, mit dem ich klar Haltung zeige und mich gegen räääääääächts abgräääääänze.

Und mit Rechtsextremismus beschäftige ich mich als Demokrat nicht genauer, das überlasse ich den Rechtsextremisten (oder ihren Brüdern und Schwestern im Geiste von der anderen Seite des politischen Spektrums).

@11
Mit den Stoplersteinen, eigentlichen eine gute Sache, traten genau diese Effekte der Gewöhnung ein. Man nimmt sie nicht mehr wahr. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

16.06.2019 23:30 Rubikon 11

"Gedenkort schaffen" - das Gleiche wie in Frankenberg/Sachsenburg. Da muss ich mal ganz ohne politisch korrektes Fingerspitzengefühl nachhaken. Warum sollte man 74 Jahre nach dem Kriegsende anfangen neue NS-Gedenkstätten einzurichten? Gibt da nicht schon genug davon? Warum kommt man da erst jetzt drauf? Sollte dies wirklich noch so viele Leute interessieren oder ist das nur Wichtigtuerei einer Minderheit?

16.06.2019 23:08 Mediator 10

Die Demonstration macht gut darauf aufmerksam, dass sich Rechtsextremismus in unserem Land in unterschiedlichster Form zeigt. Man könnte auch sagen, dass er zielgruppenorientiert um Mitglieder wirbt und vom Testosteron gesteuerten Schlägertypen aus der Kampfsportszene bis hin zum eher intellektuellen Typen Angebote attraktive Anschlusspunkte bietet um anschließend die Ideologie hinterher zu schieben. Dass solche Aktionen auf dem Gelände eines ehemaligen KZ stattfinden ist beschämend.

@Bernd(8): Wollen sie ernsthaft behaupten, dass in der rechtsextremen Szene und ihren Ablegern keine szenetypischen Marken gibt, die in ihrem Design klar auf diese Szene abzielen? Der Verfassungsschutz benennt klar, dass es sich hier um Erkennungszeichen und oft auch um Ersatzsymbole für verbotene Zeichen handelt. Wer sich auch nur Ansatzweise mit Rechtsextremismus beschäftigt hat, der ist darüber im Bilde. Solch eine Klamottenauswahl ist also ein Indiz für eine Affinität in diese Szene unter vielen.

16.06.2019 20:08 Guy Montag 9

@ 7: Wir leben in einer "Symbolrepublik" der "Zeichensetzer".
Wenn die einen staendig "Zeichen gegen rechts" setzen, dann reagieren die Zielgruppen dementsprechend.
Dass damit niemandem geholfen wird (die staatlichen "Zeichensetzer" verschleudern Steuergeld, die Modemarken unterstuetzen "ihren" nationalen Widerstand auch nicht) erschliesst sich niemandem in der jeweiligen Zielgruppe.

Eine klassische "lose-lose situation", sozusagen.

16.06.2019 19:40 Bernd 8

16.06.2019 18:59 Mediator an Thore (1)
Bei H&M oder C&A gab es früher die Marken Fred Perry und Lonsdale. Beiden Marken wurde nachgesagt Kleidungsmarken der rechten Szene zu sein und beide haben es wiederlegt. Lonsdale gab es sogar bei Otto, Neckermann und Quelle zu kaufen. Quelle und Neckermann gibt es nicht mehr, Otto verkauft es noch heute.
Ihre Marken sind sicher eher "Opór", "True Rebel" und "Mob Action"!


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16.06.2019 18:59 Mediator an Thore (1) 7

Ich empfehle ihnen einmal die Broschüren des Verfassungsschutzes zum Thema "Zeichen und Symbole von Rechtsextremisten".

Dass sie keinen Zusammenhang zwischen der Marke Thor Steinar und der rechtsextremen Szene erkennen können passt wie die Faust aufs Auge dazu, dass sie sich als AfD Wähler outen. Da diese Marke nicht bei H&M oder C&A im Angebot ist muss man sich schon aktiv bemühen sich diese Dinge zu beschaffen. Stellt sich die Frage warum. Die Verfassungsschutzbehörden verschiedener Länder und viele andere Organisationen sehen auf jeden Fall in dieser Marke ein Erkennungszeichen der rechtsextremistischen Szene.

Aber sicher helfen sie nur altruistisch einer angeblich zu unrecht durch die Medien diffamierten Marke die Insolvenz abzuwenden. Sehr nobel!

16.06.2019 18:47 Motzi 6

Hmmm, „Londsdale“ trugen auch Leute aus sogenannten rechten Kreisen, heute rennen damit viele Bürger mit Migrationshintergrund rum, das gleiche mit „New Balance“ in den 90ern usw.
Heute kräht kein Hahn mehr danach.

16.06.2019 17:20 Hippiehooligan 5

Die Umdichtung von Thor Steinar zu einer unpolitischen Marke könnt ihr euch echt schon lange sparen. Es gibt da auch keinen Graubereich. Die Marke ist klar rechtsextrem. Und das heutige Neonazis gemäß eines ihrer geistigen Vorbilder, nämlich Heinrich Himmler, einen gewissen Runenfetisch haben, ist ebenfalls unbestreitbar.
Aber all das lenkt nicht vom Kern des Artikels ab. Nämlich dass Neonazis auf dem Gelände eines ehemaligen KZs Partys veranstalten wollen...

16.06.2019 16:51 aus Dresden 4

@MDR1
Runen sind germanische Schriftzeichen, vermutlich basierend auf aus dem Mittelmeerraum importierten Schriftzeichen. Das sind auch keine Fälschungen von Nazis, um sich eine nicht-vorhandene Authentizität zu verleihen, um diesem Argument gleich vorzugreifen.
Da ist auch nichts mit Graubereich. Den Natinalsozialismus gibt es erst seit 1919/1920 (Gründung der DAP und Umbenennung in NSDAP), also etliche Jahrhunderte nach Aufkommen der Runenschrift.
Die Nazis favorisierten eher die jetzt auch vom MDR für ihre eigenen Texte gewählten lateinischen Buchstaben.

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