Verbotsschild und Autoauspuff mit Abgasen
Bildrechte: imago/Christian Ohde

Interview "Feinstaub ist das größere Gesundheitsrisiko"

Die Diskussion um ein Fahrverbot von Dieselfahrzeugen in stark belasteten Innenstädten wird kontrovers geführt. Die einen plädieren für ein "Weiter wie bisher" die anderen malen den Schadstoffteufel an die Wand. Das Bundesverwaltungsgericht hat am Dienstag eine Grundsatzentscheidung getroffen: Städte dürfen grundsätzlich Fahrverbote für Dieselautos zur Luftreinhaltung erlassen. Aber was können Fahrverbote eigentlich leisten? Welche Rolle spielen Automobilschadstoffe für die Luft unserer Städte? MDR SACHSEN hat darüber mit Ulrich Franck vom Umweltforschungszentrum Leipzig gesprochen.

Verbotsschild und Autoauspuff mit Abgasen
Bildrechte: imago/Christian Ohde

Wie beurteilen Sie die aktuelle Diskussion um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge?

Ich würde zwei Thesen zurückweisen. Die erste ist, es schadet sowieso nicht und man kann fahren wie man will. Aber auch Panikmache ist nicht der richtige Weg. Wir müssen eine allmähliche Verringerung der Belastung anstreben. Anderseits ist im Vergleich zu anderen Gesundheitsgefahren diese Gefahr relativ klein. Man sollte so schnell wie möglich die Belastung senken, aber auch nur so schnell wie es vernünftig möglich ist. Auf Teufel komm raus den Privatverkehr und die Wirtschaft lahmzulegen, ist sicherlich keine gute Entscheidung.

Was bringen Dieselfahrverbote?

Da sich die Außenluftkonzentrationen von Stickoxiden kleinräumig stark unterscheiden können, sind unter Umständen Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge in stark belasteten Straßen sinnvoll. Das wird allerdings dazu führen, dass sich der Verkehr andere Wege sucht. Dadurch werden größere Strecken gefahren und unter Umständen wird mehr Abgas in der Stadt freigesetzt und nicht weniger. Im Sinne der Umweltgerechtigkeit mag es sinnvoll sein, dass mehr Menschen weniger stark belastet werden. Insgesamt denke ich aber, sollten auch andere Möglichkeiten stärker in Betracht gezogen werden.

Welche sind das Ihrer Meinung nach?

Eine Nachrüstung von Dieselfahrzeugen käme beispielsweise in Frage. Zuerst bei vorwiegend innerstädtisch fahrenden Bussen, dem städtischen Lieferverkehr und Taxis. Eine weitere Maßnahme ist die Verflüssigung des Verkehrs. Durch grüne Wellen könnten wir den Stop-and-go-Verkehr vermeiden und unnötige Beschleunigungsphasen verringern. Der Schadstoffausstoß erhöht sich, wenn ich häufig abbremsen und wieder starten muss. Die Verringerung der Geschwindigkeit in bestimmten, stark belasteten Straßenabschnitten wäre ebenfalls denkbar.

Durch grüne Wellen könnten wir den Stop-and-go-Verkehr vermeiden und unnötige Beschleunigungsphasen verringern.

Ulrich Franck Umweltforschungszentrum Leipzig

Welche Rolle spielen die Stickoxide bei der Schadstoffbelastung? Gibt es andere Schadstoffe, die ein Risiko darstellen?

Stickoxide in der Stadt werden hauptsächlich durch den Automobilverkehr verursacht. Sie sind aber nicht die einzigen Luftschadstoffe. Feinstaub ist meiner Meinung nach das größere Gesundheitsrisiko. Sogar Elektrofahrzeuge verursachen Feinstaub. Nicht nur bei der Produktion des Stroms, sondern auch durch den Reifen- und Bremsenabrieb sowie Aufwirbelung. Auch eine Reduzierung von Feinstaub sollten wir im Auge behalten.

Sie sagen, dass Feinstaub ein größeres Problem darstellt, als die vom Automobilverkehr verursachten Stickoxide. Führen wir eine Scheindiskussion?

Nein. Eine Scheindiskussion ist es nicht. Wir müssen die Belastung durch sämtliche Luftschadstoffe kontinuierlich verringern. Die Situation hat sich in den letzten Jahren verbessert. Wir können Gesundheitsbelastungen aber nie ganz beseitigen, weil der Mensch immer etwas emittieren wird. Bezahlbare Maßnahmen, um die Belastungen so gering wie möglich zu halten, sind hierbei am sinnvollsten. Ob hohe Kosten bei geringer Schadstoffentlastung und Verzicht auf Wohlstand der richtige Weg sind, würde ich anzweifeln.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 27.02.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.02.2018 | ab 11:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 02. April 2019, 15:26 Uhr

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