16.07.2019 | 17:30 Uhr Grüne Grütze: Wasserstadt Leipzig steht in der Kritik

In Leipzig macht das "Wohnen am Wasser" derzeit wenig Freude. Der Kanal am Lindenauer Hafen, der erst 2015 mit vielen Fördermillionen errichtet worden ist, verschwindet zunehmend unter einem grünen Algenteppich.

von Sylvia Stadler

Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf der schmalen Kanalrinne am Lindenauer Hafen in Leipzig schwimmt vor allem eins: Grüne Grütze. Fachleute nennen das Wasserpest. Bewohner der neuen Wohnungen, die mit "Wohnen am Wasser" und mit Blick zum Wasser gelockt wurden, sind sauer: "Das ist nicht schön. Dadurch kommen keine Boote durch. Eigentlich war der Sinn und Zweck des Durchstiches am Kanal, dass Boote durchfahren können", sagte eine Anwohnerin.

Stephan Lademann betreibt eine Motorbootvermietung am Elster-Saale-Kanal und kann nicht begreifen, dass man das Kanalstück davor so zuwachsen ließ.

Ich finde es schrecklich. Es fängt an zu stinken und es ist optisch nicht schön. Wer anfängt ein solches Gewässer zu öffnen, der muss damit rechnen, dass irgendwann Folgekosten zur Gewässerpflege entstehen.

Stephan Lademann Betreiber einer Motorbootvermietung
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aber nicht nur das Kanalstück am Lindenauer Hafen scheint sich selbst überlassen. Weiter stadteinwärts: Am Karl-Heine-Kanal staken Paddler im Grünen und in den freigelegten Kanalabschnitten am Bundesverwaltungsgericht sieht es ähnlich wüst aus. Müll verfängt sich in Schlingpflanzen.

Für Frank Fechner vom Verein "Wasserstadt" ist das schon seit Jahren ein Problem: "Ich kann es nicht verstehen, dass man ein Bauwerk, das mehrere Millionen gekostet hat, in kürzster Zeit so verkommen lassen kann. Verantwortlich ist die Stadt Leipzig und die Ämter der Stadt Leipzig. Wenn da nicht geschaut wird, dann rühmt man sich nur Wasserstadt zu sein, aber es passiert nichts."

Bildergalerie Leipzigs Kanäle sind zugewachsen

Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
In Leipzig macht das "Wohnen am Wasser" derzeit wenig Freude. Der Kanal am Lindenauer Hafen, der erst 2015 mit vielen Fördermillionen errichtet worden ist, verschwindet zunehmend unter einem grünen Algenteppich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
In Leipzig macht das "Wohnen am Wasser" derzeit wenig Freude. Der Kanal am Lindenauer Hafen, der erst 2015 mit vielen Fördermillionen errichtet worden ist, verschwindet zunehmend unter einem grünen Algenteppich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
Motorboote können hier gar nicht fahren und auch die Paddler haben Schwierigkeiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
Auf der schmalen Kanalrinne am Lindenauer Hafen in Leipzig schwimmt vor allem eins: Grüne Grütze. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
Fachleute nennen das Wasserpest. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
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Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
Am Karl-Heine-Kanal und am Elsterwehr sieht es etwas besser aus. Dort gibt es vereinzelt Wasserpest. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
Allerdings finden sich hier am Uferrand... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
...braun-grüne Ablagerungen von Dreck und möglicherweise auch Schiffsölresten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
An freigelegten Kanalabschnitten am Bundesverwaltungsgericht sieht es auch wüst aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
Lange Graspflanzen wachsen... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grüne Grütze am Lindenauer Hafen, Schlingpflanzen am Karl-Heine-Kanal und am Bundesverwaltungsgericht
...und auch hier Grüne Grütze. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Stadt Leipzig verspricht Reinigung

Beim Amt für Stadtgrün und Gewässer erklärt ein Sprecher MDR SACHSEN, alles läge an starren Verwaltungsvorschriften. Es dürfe nur von Juli bis September gekrautet werden. Zum Schutz von Libellenlarven und Großmuscheln. Bevor im August das Wasserfest in Leipzig gefeiert wird, soll der Kanal gereinigt werden. Und zwar auf dem gesamten Abschnitt, beginnend bei der Nonnenbrücke bis einschließlich des Lindenauer Hafens. Ein spezielles Mähboot werde eingesetzt, um den Kanal von den Algen und Pflanzen zu befreien.

Das Wachstum der Algen kann von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen, hieß es vom Amt für Stadtgrün und Gewässer weiter. Im Vergleich zum Vorjahr sei eine deutliche Vegetationszunahme aber nicht festgestellt worden.

Quelle: MDR/sst/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.07.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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4 Kommentare

18.07.2019 08:19 der Lange 4

Es ist ein generelles Problem in D. Die Verantwortlichen können nicht längerfristig denken. Man könnte es verantwortungslos nennen. Und ja - das mit der Verkrautung ist Schulwissen. Ansonsten hält sich mein Mitleid in Grenzen. Wählste Dubrau, kriegste Dubrau.

17.07.2019 21:28 Sascha10 3

Es war nichts anderes zu erwarten. Ein naehrstoffreicher kanal ohne stroemung waechst zu. Leipzig liegt nun mal nicht im karstgebirge, wo das wasser eine bessere qualitaet hat und wegen hoher fliessgeschwindigkeit auch viel sauerstoff. Wer was anderes glaubte hat in der siebten klasse in bio und chemie geschlafen.

17.07.2019 11:22 J.Heder 2

Das Bewuchsthema im "Kanal" ist doch aber schon viel länger bekannt und hat einen 'Bart bis dahinaus". Als kleines Kind bin ich bei Dölzig im Kanal schon Baden gegangen, später auf dem Heimweg von der Baustelle im Sommer "mal schnell eine Erfrischung im Kanal" mitnehmen und nach der Wende habe ich neben der Feuerwache West einige Jahre direkt am Kanal gewohnt und die (Zer)Sanierung des Kanal teilweise Live erlebt. Solange sich keiner professionell um den Bewuchs und den Nährstoffeintrag mit aktiver Fischwirtschaft kümmert, bleibt das Problem erhalten. Allein mit ernten der Pflanzen ist das unlösbar, da gehören z. B. Graskarpfen rein und GEPFLEGT!

16.07.2019 20:49 Steffi Schulze 1

Nun haben die Herrschaften am Wasser gebaut und bezahlen hornente Summen an Geld für die Wohnungen und nun das.
Bitte ein Taschentuch, mir kommen die Tränen.
Schämt Euch andere alt eingesessene Bewohner dieser Stadt müssen unter viel schlechteren Bedingungen für
unverschämte Mieten wohnen.

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