21.12.2019 | 14:21 Uhr | Update Streik bei Amazon in Leipzig verlängert: Kommen die Pakete noch vor Heiligabend an?

Im Leipziger Amazon-Versandzentrum wird bis Weihnachten gestreikt. Ein bis Sonnabend angesetzter Streik soll bis Heiligabend fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft Verdi wertet den Arbeitsausstand als Erfolg.

Amazon-Versandzentrum in Leipzig
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Der Streik bei Amazon in Leipzig soll mindestens bis zum Heiligabend fortgesetzt werden. Rund 200 Mitarbeiter des Onlinehändlers sind am Sonnabendfrüh erneut in den Ausstand gegangen. Ursprünglich wollte die Gewerkschaft Verdi den Standort nur von Montag bis Sonnabend bestreiken. "Wir verlängern, weil wir gesehen haben, dass unser Streik wirklich Auswirkungen auf die Lieferungen hat", erklärte Verdi-Streikleiter Thomas Schneider auf Nachfrage von MDR SACHSEN. "In der letzten Woche haben wir Informationen von Amazon gesehen, in denen Kunden mitgeteilt wurde, dass sie ihre Waren nicht wie geplant erhalten werden." Dem Onlinehändler gelinge es nach Ansicht der Gewerkschaft nicht, die in Leipzig ausgefallene Arbeit komplett abzufangen.

Augenwischerei bei Amazon?

Amazon selbst will davon nichts wissen. Kunden würden von den Arbeitsniederlegungen nichts bemerken. "Alle Pakete kommen pünktlich an", erklärte ein Amazon-Sprecher. Für Streikleiter Schneider ist das Augenwischerei: "Ich glaube das Amazon die Öffentlichkeit hinters Licht führen will, weil das Kundenversprechen für das Unternehmen ein ganz wichtiges ist und man ist nicht bereit einzugestehen, dass die Streiks Wirkungen haben."

Kommt Bewegung in den jahrelangen Tarifkonflikt?

Hintergrund des neuerlichen Streiks ist ein Tarifkonflikt, der bereits seit sechs Jahren schwelt. Die Gewerkschaft verlangt von Amazon die Aufnahme von Tarifverhandlungen nach den Konditionen des Einzelhandels. Der Onlinehändler wollte sich darauf aber bislang nicht einlassen. Deshalb ruft Verdi immer wieder zum Arbeitskampf auf. In diesen Tagen haben auch Amazon-Beschäftigte im hessischen Bad Hersfeld und Koblenz in Rheinland-Pfalz ihre Arbeit niedergelegt.

Von Amazon selbst heißt es, dass die Mitarbeiter Tätigkeiten der Logistikbranche ausüben und nicht des Einzelhandels. Die Bezahlung orientiere sich am oberen Ende des branchenüblichen Lohns in der Logistik. Möglicherweise kommt nun doch etwas Bewegung in den Tarifkonflikt. "Die Lebensmittelzeitung hat jüngst darüber berichtet, dass Amazon Mitglied des Handelsverband HDE werden will", sagte Verdi-Streikleiter Schneider. Für ihn sei das ein Signal, dass der Onlinehändler an der ein oder anderen Stelle ins Überlegen komme.

Quelle: MDR/cg/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.12.2019 | 09:00 Uhr in den Nachrichten

8 Kommentare

Hotzenplotz vor 33 Wochen

ver.di hat eine Lieblingsgegner der heißt Amazon. Was sollte man tun? Wie wärs damit ver.di für ein halbes Jahr zu sperren, da geht auch nur den Bonzen gut, die kleinen Mitglieder bleiben auf der Strecke.

DavidM vor 33 Wochen

Ein Trauerspiel! Unzufriedenheit zieht sich durch alle Berufsgruppen egal ob ü er die Öffentlichkeit ausgetragen oder nicht. Jeder von uns hat sich zu bestimmten Konditionen anstellen lassen. Warum fängt man dann nach Monaten oder Jahren zu diskutieren an? Jeder ob Amazon oder Post Angestellter, Pilot oder Lockführer wusste genau was auf ihn zukommt. Sollte einem dies nicht zusagen, konnte immernoch die Möglichkeit der fristlosen Kündigung innerhalb der Probezeit wahrgenommen werden. Warum haben sie das nicht gemacht, wenn es soooo unerträglich ist, für diese Konzerne zu arbeiten?! Kleiner Hinweis zum Schluss alle streikenden haben immer noch die Möglichkeit zu kündigen, wenn sie meinen derart ausgebeutet zu werden und unter unwürdigen Bedingungen zu arbeiten. Das Arbeitsamt ist voll von potentiellen Mitarbeitern. Dann macht doch bitte Platz für Menschen die arbeiten möchten!!

Wenzel vor 33 Wochen

Super günstige Preise und schnelle Lieferung ... aber irgendjemand muss den wirklichen Preis zahlen ... nicht die Kunden, nicht der Konzern ... wer wohl?
Die Werbung mit den singenden Amazon-Paketen ist eine Verhöhnung aller Amazonmitarbeiter. Zum Schluss darf die dauerlächelnde Paketbotin zu Weihnachten mal kurz ihre Kinder drücken und weiter geht's. Eine Realsatire?
Ich wünsche den Streikenden viel Kraft und Ausdauer. Die Arbeiterfahne ist rot ... wovon wohl?

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