Schließung Karstadt Leipzig
Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Nach Kaufhausschließung in Leipzig Richter bewerten Klagen gegen Karstadt-Kündigung unterschiedlich

Vor dem Arbeitsgericht hat die Schließung des Karstadt-Kaufhauses in Leipzig ein juristisches Nachspiel. Am Freitag wehrten sich weitere Mitarbeiter gegen ihre Kündigungen - mit unterschiedlichem Erfolg.

Schließung Karstadt Leipzig
Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Vor dem Arbeitsgericht Leipzig sind am Freitag vier weitere Verfahren von ehemaligen Karstadt-Mitarbeitern verhandelt worden, die gegen ihre Kündigung geklagt hatten. Im Zuschauerraum verfolgten viele ehemalige Kollegen der Kläger das Geschehen. Die vier Fälle wurden von den Richtern unterschiedlich bewertet: In zwei Fällen wies das Gericht die Klagen ab und sah die Kündigungen von Karstadt als rechtens an. Der Klage einer weiteren Mitarbeiterin wurde stattgegeben. Die Frau ist schwer behindert und unterliegt deshalb per Gesetz anderen Kündigungsbedingungen. Ob Karstadt dagegen in Berufung gehen wird, stand am Freitag nach Informationen von MDR SACHSEN noch nicht fest. In einem vierten Fall fällte das Arbeitsgericht am Freitag noch kein Urteil.

Kündigung ist nicht gleich Kündigung?

Schon Anfang Februar waren zwei Klagen von zwei Kammern des Arbeitsgerichts unterschiedlich beurteilt worden. Einmal wurde die Kündigung für rechtens erklärt, weil mit der Karstadt-Schließung die Betriebsstätte weggefallen sei. Im zweiten Fall war die Kündigung unwirksam, weil sie im August 2018 viel zu früh erfolgt sei, denn damals sei noch mit dem Vermieter verhandelt worden. Diese gegensätzlichen Bewertungen der Kündigungen lägen oft auch daran, auf welcher Sachgrundlage die jeweiligen Anwälte argumentierten, erklärte der Richter bei der Urteilsverkündung am Freitag. Mit anderen Worten: Ob eine Kündigungsklage Erfolg hat, hängt von der cleveren Argumentationsstrategie des Anwalts ab.

Insgesamt sind rund 50 Verfahren anhängig. Der Gang in die nächste Instanz ist wahrscheinlich. Es wird erwartet, dass das Sächsische Landesarbeitsgericht in zweiter Instanz über die Kündigungen entscheidet.

Karstadt und der Mietvertrag Im April 2018 wurde bekannt, dass der Mietvertrag zwischen Karstadt und dem Eigentümer der Immobilie - Even Capitol - in der Leipziger Innenstadt zum 31. März 2019 gekündigt werden soll. Bis August 2018 versuchte das Unternehmen das Mietverhältnis doch noch zu verlängern bzw. einen neuen Standort in Leipzig zu finden. Daraus wurde nichts.

Mit Ende des Mietvertrages wurden auch die Arbeitsverhältnisse für 250 Beschäftigte beendet. Viele von ihnen erhielten sogenannte Änderungskündigungen. Darin wurden ihnen Arbeitsplätze in München oder Berlin angeboten. Nahmen sie das Angebot nicht an, galt die Kündigung als Beendigungskündigung.

Am 8. Februar hatte Karstadt die Filiale in Leipzig geschlossen. Die Immobilie soll in den nächsten zwei Jahren umgebaut werden. Wer oder was in das ehemalige Warenhaus einziehen wird, ist nicht bekannt.

Quelle: MDR/sth/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.02.2019 | 08:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Wahlhelfer zählen in einem Wahllokal die abgegebenen Stimmen. 1 min
Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 20:54 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

24.02.2019 13:30 karstde 1

Das ist wie in der Kneipe. Jeder Quatscht irgendwas und alle haben recht. Traurig, dass dieses Niveau schon bei der Rechtsprechung angelangt ist.

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen

Wahlhelfer zählen in einem Wahllokal die abgegebenen Stimmen. 1 min
Bildrechte: dpa