29.01.2020 | 14:08 Uhr Sächsischer Apothekerverband verzeichnet Lieferengpässe bei Mundschutzmasken

Eine Frau trägt einen Schutz über Mund und Nase
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Mit Bekanntwerden der ersten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus in Deutschland sind auch in Sachsen Mundschutzmasken schlagartig ein Verkaufsschlager geworden. Der Grund: Viele Menschen denken, sich selbst damit vor einer Ansteckung schützen zu können. Allerdings erklärt dazu das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite: "Dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit das eigene Risiko einer Ansteckung signifikant verringert, ist nicht wissenschaftlich belegt." Aber: Erkrankte Personen können durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes dafür sorgen, andere nicht anzustecken, erklärt das RKI weiter.

Die Grippe ist derzeit viel gefährlicher

Dennoch kommt es laut Sächsischem Apothekerverband derzeit aufgrund der vermehrten Nachfrage zu Lieferengpässen bei Mundschutzmasken. "Umso wichtiger ist es, offensichtlich verunsicherte Patienten über die Risiken und Folgen der Viruserkrankung umfassend zu informieren", sagt Kathrin Quellmalz vom Sächsischen Apothekerverband. Nach Aussage führender Virologen sei das Virus mit der korrekten Bezeichnung "2019-nCoV" nicht so ansteckend, wie beispielsweise Influenza (Grippe) oder Masern. "Jedoch wird die Möglichkeit sich gegen Grippe impfen zu lassen von der Bevölkerung nicht vollumfänglich genutzt", so Quellmalz.

Der Kunde ist König

Auch der Leipziger Apotheker Toralf Stenz hält das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Deutschland derzeit für unnötig. Dennoch hat seine Rosenapotheke vorgesorgt und größere Posten verschiedener Masken auf Lager, wie er MDR SACHSEN sagt. Die besten und zugleich teuersten haben die Schutzklasse FFP3 - sie werden zum Beispiel beim Umgang mir krebserregenden oder radioaktiven Stoffen empfohlen. Aber eine einfache OP-Maske reiche im öffentlichen Raum als Basischutz auch, sagt Apotheker Stenz.

Sächsische Mediziner: Schutzmasken schützen, sind aber nicht nötig

Eine Frau trägt einen Schutz über Mund und Nase
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Auch sächsische Mediziner erachten Mundschutzmasken derzeit für nicht sinnvoll. Prof. Dr. Christoph Lübbert von der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum St. Georg Leipzig erklärte MDR SACHSEN bereits am Montag, dass die Masken zwar vernünftige Schutzmaßnahmen seien, aber in Deutschland derzeit wenig Sinn hätten. "Das sind momentan die Sorgen der Menschen in China", gab er zu bedenken. Im Falle eines Ausbruchs könne der Mundschutz das Infektionsrisiko jedoch erheblich senken, fügt Virologe Uwe Liebert vom Universitätsklinikum Leipzig hinzu. Er müsse jedoch nach einigen Stunden gewechselt werden. Auch einmal mehr Hände waschen sowie nicht in die Handflächen, sondern in die Armbeuge husten, könne helfen. Das entspricht den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Sozialministerin erwartet auch in Sachsen Erkrankungen

In Sachsen wurde bisher keine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt, das Sozialministerium rechnet aber auch hier mit Fällen. "Wir müssen damit rechnen, dass es auch Fälle in Sachsen geben wird", sagte Sozialministerin Petra Köpping. Laut Sozialministerium stehen alle Behörden auf Landes- und lokaler Ebene, die Krankenhäuser, Verbände und Gesellschaften in engem Kontakt und wären auf den ersten Infektionsfall vorbereitet. "Wir haben alle möglichen Schutzvorkehrungen eingeleitet und wissen, was im Fall einer Erkrankung in Sachsen zu tun ist", erklärt Köpping. Falls es in Sachsen Fälle geben sollte, ist sich Köpping sicher, "dass wir die Ausbreitung des Virus verhindern können". Zudem mahnt sie zu Gelassenheit. Das Ansteckungsrisiko sei derzeit gering.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 29.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 14:08 Uhr

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