07.01.2020 | 13:34 Uhr | Update Connewitz-Krawalle: Staatsanwaltschaft hält am Vorwurf des versuchten Mordes fest

Connewitz
Bildrechte: MDR/Silvio Bürger

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hält im Zusammenhang mit den Silvester-Ausschreitungen am Connewitzer Kreuz in Leipzig am Vorwurf des versuchten Mordes fest. "Wir sehen derzeit keine Veranlassung, davon abzurücken", sagte Behördensprecher Ricardo Schulz am Dienstag in Leipzig. Daran ändere auch ein Video aus der Silvesternacht nichts, das die Vorfälle zeigen soll.

Das Material, das auch dem MDR vorliegt, zeigt, wie Polizeibeamte mit Raketen angegriffen werden. Außerdem ist in dem Video zu sehen, wie ein Polizeibeamter offenbar bewusstlos von Kollegen weggetragen werden muss. "Das massive Einwirken kann man nicht wegreden", so Schulz.

Staatsanwaltschaft: "Wir werden das auswerten"

Wegen des Angriffs auf einen 38 Jahre alten Beamten wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Der Mann war schwer am Ohr verletzt worden. Die Angreifer sind bislang nicht ermittelt. Das Video habe den Ermittlungsbehörden bislang nicht vorgelegen, sagte Schulz. Ein Zeugenaufruf des Landeskriminalamtes hatte keinen einzigen Hinweis erbracht. Nach der Veröffentlichung werde das Video jetzt aber "im Rahmen der Ermittlungen Berücksichtigung finden", so Schulz. Das Video werde ausgewertet.

Bereits am Mittwoch muss sich ein Verdächtiger vor dem Amtsgericht Leipzig wegen der Ausschreitungen verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ein beschleunigtes Verfahren wegen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte gegen den 27-Jährigen beantragt. In solchen Verfahren können Freiheitsstrafen von maximal einem Jahr ausgesprochen werden.

Kretschmer kündigt mehr Polizisten in Leipzig an

Michael Kretschmer, 2017
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Bildrechte: dpa

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich nach der ersten Sitzung des neuen Kabinetts auf die Seite der Polizei gestellt. "Die sächsische Polizei hat meine und unsere Unterstützung", sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Dresden. "Wer Polizisten angreift, greift uns alle an und wird mit aller Härte verfolgt und bestraft", so Kretschmer. Der Regierungschef kündigte zudem an, die Polizeipräsenz in Leipzig weiterhin erhöhen zu wollen.

Die Informationspolitik der Polizei bezeichnete Kretschmer als in Ordnung. Zunächst hatte die Polizei nach einer Attacke auf einen 38-jährigen Polizisten von einer Notoperation gesprochen, den Begriff später aber konkretisiert. Darüber werde man sich unterhalten müssen, so Kretschmer. Das ändere aber nichts daran, dass es bewusst provozierte Angriffe auf Polizisten gegeben habe. Auch die Einsatztaktik der Polizei hatte bei Teilen von SPD und Linken für Kritik gesorgt.

OB Jung fordert mehr uniformierte Beamte für Leipzig

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung fordert unterdessen mehr sichtbare Polizei im Leipziger Stadtbild. Dies ginge jedoch nur mit mehr Personal. "Die größte Sicherheit, die Menschen erleben können, ist die Sichtbarkeit von uniformierten Polizisten", sagte Jung im Gespräch mit MDR SACHSEN. "Wenn wir das nicht hinkriegen, dann wird sich die Unsicherheit, die man fühlt weiter verstärken."

Am Connewitzer Kreuz hatten sich laut Polizei in der Silvesternacht mehr als 1.000 Menschen versammelt. Nach Mitternacht eskalierte die Situation und es gab Attacken gegen Polizisten.

Quelle: MDR/dpa/ms

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.01.2020 | 15:00 Uhr in den Nachrichten

MDR SACHSENSPIEGEL | 07.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2020, 13:34 Uhr

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