Leerstehendes Grundstück in Leipzig-Probstheida
Auf dem Grundstück in Leipzig-Probstheida sollen Wohnungen und Gewerbe entstehen. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Drei Grundstücke freigegeben Stadt Leipzig schreibt sozialen Wohnungsbau aus

Um dem steigenden Bedarf an bezahlbaren Wohnraum gerecht zu werden, geht die Stadt Leipzig neue Wege. Drei Grundstücke in Probstheida, Eutritzsch sowie im Zentrum-Süd werden für die Errichtung von sozialgerechten Mehrfamilienhäusern ausgeschrieben. Wohnungssuchenden mit geringem bis mittlerem Einkommen soll so mehr bezahlbarer Wohnraum geboten werden. Dabei werden die Grundstücke nicht an den Meistbietenden vergeben, ein schlüssiges Konzept entscheidet für den Zuschlag. Am Dienstag wurde der Plan der Öffentlichkeit vorgestellt. Es herrschte großer Andrang, aber auch kritische Stimmen wurden laut.

Leerstehendes Grundstück in Leipzig-Probstheida
Auf dem Grundstück in Leipzig-Probstheida sollen Wohnungen und Gewerbe entstehen. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Wohnraum in Leipzig ist ein rares Gut geworden. Besonders Wohnungssuchende mit geringem bis mittlerem Einkommen finden kaum noch Angebote. Das soll sich nun ändern. Die Stadt Leipzig hat drei Grundstücke für die Errichtung bezahlbarer Wohnungen freigegeben. Dabei werden die Freiflächen nicht an den Meistbietenden vergeben, ein schlüssiges Konzept entscheidet für den Zuschlag.

Hohes Interesse

Am Dienstagmittag stellte die Stadt Leipzig ihr Konzept im Neuen Rathaus vor und zahlreiche Leipziger drängten in den Sitzungsaal. Viele Investoren, aber auch private Gründer kamen, um sich die Bedingungen für einen Erwerb der Grundstücke anzuhören. Die waren dann auch ausschlaggebend, dass viele junge Leute, die hofften, als kreative Eigentümergemeinschaft zum Zuge zu kommen, das Handtuch warfen. "Ich habe gehofft, dass es weniger komplex ist und dass man prinzipiell das Wohnen fördern möchte", sagte ein Leipziger. "Dass es aber so sehr in Bedingungen gegossen ist, das schreckt mich ab." Ein anderer stellte fest: "Diese Ausschreibung hier richtet sich an größere GmbHs und Genossenschaften und nicht an Eigentümergemeinschaften."

Wohnberechtigungsschein Pflicht

Anlass für den Ärger ist die Tatsache, dass der Erwerb an verschiedene Auflagen gebunden ist. Die Wohnungen sollen ausschließlich an Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins vermietet werden. Der Wohnraum ist an einen Mietpreis von 10 Euro pro Quadratmeter gebunden. Die Baukosten sollen maximal 2.200 Euro pro Quadratmeter betragen. Das macht viele Investoren skeptisch. "Ob man dafür heute noch bauen kann – und gut bauen kann – ist fraglich."

Die Abteilungsleiterin im Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, Beate Ginzel, findet das Konzept dennoch schlüssig: "Man muss bedenken, dass wir diese Grundstücke nicht im Bieterverfahren vergeben."

Wenn wir die Grundstücke auf dem freien Wohnungsmarkt vergeben würden, könnten wir deutlich höhere Preise erzielen.

Beate Ginzel Abteilungsleiterin Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung

Schlüssiges Mobilitätskonzept gefragt

Für das Wohnhaus muss zudem ein schlüssiges Mobilitätskonzept vorgelegt werden, das heißt, es sollen ausreichend Stellplätze für Pkw vorhanden sein, die auch Car-Sharing-Angebote berücksichtigen. Für einen Zuschlag kann auch ein ökologisches oder energiesparendes Konzept relevant sein. Alle Wohnungen müssen barrierefrei sein.

Als Anreiz für Interessierte werden die Grundstücke im sogenannten Erbbaurecht verpachtet. Dies ermöglicht den Erwerb eines Grundstücks, ohne dafür einen festen Kaufpreis zu investieren. Vielmehr zahlt der Käufer jährlich einen sogenannten Erbbauzins. Der künftige Bauträger kann es also für einen Zeitraum für 65 Jahre "anmieten". Danach geht das Grundstück wieder in den Besitz der Stadt zurück und der Investor erhält eine Entschädigung im Gegenwert des Hauses.

Fünf weitere Grundstücke geplant

Die Ausschreibung der Stadt beginnt mit drei Grundstücken, fünf weitere, unter anderem in Reudnitz und Stötteritz, sollen folgen. Auf allen Grundstücken sollen Mehrfamilienhäuser mit jeweils mindestens zehn Wohneinheiten entstehen. Man will sich auf Grundstücke in den Vierteln konzentrieren, die wenig preisgünstigen Wohnraum bieten, heißt es in der Ausschreibung. Interessenten können sich bis zum 21. Januar 2019 für eines der Baugrundstücke bewerben.

Erbbaurecht Der Erbbauberechtigte erhält das Recht, sein geplantes Bauwerk auf einem Grundstück der Stadt Leipzig zu errichten. Er leistet dafür einen sogenannten Erbbauzins. Dieser wird auf Basis des Grundstückswertes ermittelt und ist jährlich zu zahlen. Nach 65 Jahren fällt das Grundstück zurück an die Stadt. Als Ausgleich ist eine Entschädigungszahlung im Wert des Gebäudes vorgesehen. Es ist aber in Einzelfällen auch eine Verlängerung des Erbbaurechts möglich.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.11.2018 | ab 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 21. November 2018, 13:04 Uhr

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