21.01.2020 | 19:54 Uhr 3.000 Leipziger sollen zur Waffenverbotszone befragt werden

Hinweisschild zu Waffenverbotszone in Leipzig
Bildrechte: imago/PicturePoint

Rund 3.000 Anwohner und Gewerbetreibende der Leipziger Eisenbahnstraße sollen ab Frühjahr zur Waffenverbotszone befragt werden. Das hat die Hochschule der Sächsischen Polizei am Dienstag mitgeteilt. Sie kommt damit einem Beschluss des Leipziger Stadtrates nach. Er hatte am 7. November des vergangenen Jahres auf Antrag der Linken beschlossen, auch die Menschen vor Ort - Anwohner, Vereine, Händler - in die Bewertung der Waffenverbotszone einzubeziehen. Das war ursprünglich nicht geplant.

Wir wollen nicht, dass die Evaluation lediglich am grünen Tisch und auf Basis von Statistiken stattfindet. Wir wollen, dass die Menschen, die von den verdachtsunabhängigen Kontrollen der Polizei am meisten betroffen sind [...] mitreden dürfen. Es geht nicht nur um harte Zahlen, es geht auch um ein Lebensgefühl, das durch Stigmatisierung ganzer Straßenzüge und vorteilsbehafteter Polizeikontrollen beeinträchtigt wird.

Juliane Nagel (Linke) Stadträtin Leipzig - vor der Beschlussfassung im Stadtrat

Wer befragt wird, entscheidet der Zufall

Wie der wissenschaftliche Leiter des Forschungsprojektes, Marcel Schöne, am Dienstag im Fachausschuss "Umwelt und Ordnung" des Leipziger Stadtrates erklärte, sollen im Frühjahr über ein externes Institut Fragebögen an Bürgerinnen und Bürger in den beiden Leipziger Ortsteilen Neustadt-Neuschönefeld und Volkmarsdorf verschickt werden. Wer einen Fragebogen erhält, das soll über eine Zufallsstichprobe entschieden werden. Neben der schriftlichen Befragung der Anwohner werden zehn bis 15 Experten interviewt. Die Ergebnisse werden im Herbst erwartet. 

Was genau in den Fragebögen steht, ist bislang nicht bekannt. Auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion erklärte Sachsens Innenminister Roland Wöller, er habe darüber keine Kenntnis. Das sei allein Sache der Polizeihochschule. Antragstellerin Kerstin Köditz zeigte sich daraufhin überrascht: "Das Ministerium muss doch wissen, womit genau es die Fachhochschule beauftragt hat, und über das wissenschaftliche Vorgehen muss man im Hause Wöller doch zumindest informiert sein."

Unser Ziel ist es, die Sichtweise der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure in der und um die Leipziger Eisenbahnstraße abzubilden, die mit der Waffenverbotszone in Verbindung stehen. Dabei werden wir die wesentlichen Parameter der empirischen Forschung wie Objektivität, Reliabilität und Validität gewährleisten.

Marcel Schöne Leiter des Forschungsprojektes

Waffenverbotszone Leipzig Am 5. November 2018 ist in der Leipziger Eisenbahnstraße Sachsens erste und bisher einzige Waffenverbotszone eingerichtet worden. Auf einem rund siebzig Fußballfelder großen Areal um die Eisenbahnstraße gilt seitdem ein Verbot von Schusswaffen, Messern, Reizstoffsprühgeräten sowie anderen gefährlichen Gegenständen, wie Elektroschockgeräten oder Baseballschlägern. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Mit der Einrichtung der Waffenverbotszone soll die allgemeine Sicherheit im Viertel, das als Kriminalitätsschwerpunkt gilt, erhöht werden.

Die Stadt Leipzig und der Freistaat Sachsen hatten sich darauf geeinigt, ein Jahr nach Inkrafttreten der Waffenverbotszone eine Evaluierung vorzunehmen und ihre Wirkung wissenschaftlich zu untersuchen. Quelle: Hochschule der Sächsischen Polizei

Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.01.2020 | 22:00 Uhr in den Nachrichten

8 Kommentare

nasowasaberauch vor 39 Wochen

Was soll die Umfrage bringe? Will man der linken Lobby im Stadtrat einen Gefallen tun. Die Waffenverbotszone kam doch aus gutem Grund und nicht aus Jux und Dollerei. Eine Stigmatisierung kann ich deshalb nicht erkennen. Die Abschaffung kann man ins Auge fassen, wenn min. 1 Jahr Ruhe im Stadtteil ist. Davon ist man bisher weit entfernt.

Rotti vor 39 Wochen

Die Frau Nagel macht anscheinend ihrem Namen alle Ehre. Sie will wohl der Sargnagel der inneren Sicherheit werden? Gott sei Dank sind es Wahlen unter freien rechtsstaatlichen Bedingungen. Nicht, wie in der ehemaligen DDR. Davon hat sich die Frau Nagel noch nicht entschieden distanziert.

Torsten W vor 39 Wochen

In der Öffentlichkeit sind Waffen sowieso passé! Warum also noch dieser Hinweis??? Hat möglicherweise mit der sinkenden Kriminalität in unserem Land zu tun?

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