19.08.2019 | 14:10 Uhr Erfolgreiche Berufung gegen Connewitz-Urteil

16.08.2018 Sachsen, Leipzig: Zwei wegen besonders schweren Landfriedensbruchs Angeklagte betreten vor Prozessbeginn einen Gerichtssaal im Amtsgericht.
Im August 2018 wurden die beiden Männer verurteilt. Bildrechte: dpa

In der ersten Berufungsverhandlung zu den Neonazi-Krawallen von Leipzig-Connewitz Anfang 2016 hat das Landgericht Leipzig das Urteil der Vorinstanz korrigiert. Die Haftstrafen gegen zwei Angeklagte von je einem Jahr und acht Monaten werden in Bewährungsstrafen umgewandelt, wie der Vorsitzende Richter am Montag verkündete. Zudem müssen die beiden 27-Jährigen jeweils 150 Sozialstunden leisten.

Gericht: Angeklagte sozial gut eingebunden

Das Amtsgericht Leipzig hatte Martin K. und Dennis W. am 23. August 2018 wegen besonders schweren Landfriedensbruchs verurteilt. Gegen das neuerliche Urteil kann Revision zum Oberlandesgericht eingelegt werden. Ausschlaggebend für die Abmilderung des Urteils war laut Gericht, dass die beiden Angeklagten zum Tatzeitpunkt nicht vorbestraft waren und sozial gut eingebunden sind. In den gut dreieinhalb Jahren seit der Tat hätten sie sich nichts mehr zuschulden kommen lassen, erklärte der Richter. Ob sie zu den Hintermännern oder Rädelsführern des Angriffs zählten, könne ihnen nicht nachgewiesen werden. Das Gericht sei daher zu der Überzeugung gelangt, "dass auch diese beiden Angeklagten eine zweite Chance verdient haben", resümierte der Richter.

215 Tatverdächtige

Am Abend des 11. Januar 2016 waren 250 bis 300 schwarz gekleidete, zum Teil vermummte Randalierer durch den linksgeprägten Leipziger Stadtteil Connewitz gezogen. Bewaffnet mit Eisenstangen, Schlagstöcken und Holzlatten, demolierten sie insgesamt 25 Geschäfte, Bars und Wohnungen, 18 Autos und zündeten Böller und Leuchtraketen. Laut Staatsanwaltschaft entstand ein Sachschaden von rund 113.000 Euro. Die Polizei nahm 215 Tatverdächtige fest. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat insgesamt 103 Anklagen gegen 204 Tatverdächtige an mehreren Amtsgerichten in der Region erhoben. Weitere Fälle wurden nach Dresden abgegeben.

Aktueller Stand bei Connewitz-Prozessen In der am 16. August 2018 begonnenen Prozessreihe am Amtsgericht Leipzig stehen allein 92 Verfahren an. Aus organisatorischen Gründen stehen dabei in der Regel jeweils zwei Angeklagte gemeinsam vor dem Richter. Während der ersten zwölf Monate der Reihe hat das Amtsgericht nach Angaben der Leipziger Staatsanwaltschaft bislang in 20 Prozessen insgesamt 37 Angeklagte verurteilt. Im Rahmen einer Verfahrensabsprache wurden geständige Angeklagte in der Regel zu Bewährungsstrafen in Höhe von durchschnittlich rund eineinhalb Jahren verurteilt. Vereinzelt wurden auch Haftstrafen verhängt. In 21 Fällen sind die Urteile bereits rechtskräftig, 14 Verurteilte haben Berufung eingelegt. Bis März 2020 sind demnach bislang zehn weitere Prozesse mit insgesamt 19 Angeklagten terminiert.

Quelle: MDR/dk/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.08.2019 | ab 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 14:10 Uhr

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11 Kommentare

21.08.2019 09:12 der_Silvio 11

@ Hippi(langstrumpf);
Was wollen Sie denn? 10 Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung?
Es geht hier um eine heftige Sachbeschädigung, weder Körperverletzung, noch Mord!
Dass Sie ihre politischen Gegner offenbar am liebsten lebenslang wegsperren wollen, ist ihre Sache und spricht für sich, aber nicht für Rechtstaatlichkeit.
Da haben Sie durchaus noch Raum, an sich zu arbeiten. Viel Erfolg.

20.08.2019 17:33 Hippiehooligan 10

@Uwe du hast den Artikel nicht verstanden. Es wird ja eben niemand eingeknastet. Das ist ja der Punkt. Dabei war der Artikel eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen. Naja... du hast es versucht...
@Sachse und der Umstand, dass man eine Freundin hat, sollte deiner Meinung nach strafmildernd sein? Bist nicht grade du es, der an anderer Stelle für Andersdenkende ständig lächerlich hohe Strafen fordert und das unabhängig von deren sozialem Umfeld? Du widersprichst dir selbst...

20.08.2019 16:18 bürger 9

Umgekehrt wäre es doch auch nicht anders.

20.08.2019 13:57 Eulenspiegel 8

Also das war der Strafprozess. Offen ist aber wer den Sachschaden von rund 113.000 Euro bezahlt. Leute die im Gefängnis sitzen können kein Schadenersatz leisten.

20.08.2019 07:37 Ole Wels 7

Ein schönes Signal der sächsischen Justiz in Richtung organisierter Faschisten, welche in SA-Manier den Terror wieder auf die Straße tragen wollen. Es reiht sich ein in Untätigkeit, Verharmlosung und Ignoranz, welche wohl auch dem ein oder anderen Richter oder Beamten in seiner stramm rechten Gesinnung zur Last gelegt werden müsste. Sachsen auf dem Weg zum Unrechtsstaat .... gegen das was uns erwartet, war das ein Witz, was wir in der DDR erleben mussten.

20.08.2019 07:26 MuellerF 6

Ich finde die Urteilsbegründung schlüssig & für Ersttäter angemessen. Die widerliche Ideologie dieser Typen ist juristisch nicht von Belang, sofern es nicht um Taten geht, die nachweislich (!) durch diese motiviert wurden.
Da gibt es nun wirklich andere Fälle, bei denen Täter wiederholt schwere Straftaten begehen & trotzdem immer wieder mit Geld-oder Bewährungsstrafen davonkommen.

19.08.2019 16:27 Sachse43 5

@1: Vielleicht gehen die Angeklagten einer sinnvollen Arbeit nach, haben eine Freundin und ein Elternhaus?

19.08.2019 15:47 OTTO 4

Das ist doch ein schlechter Witz.

19.08.2019 15:28 Phrasenhasser 3

Nr. 1, haben wir nicht generell eine milde Richterschaft? Wenn für Brandstiftung im schweren Falle anderthalb Jahre Bewährung verhangen wird, für einen Toten auch noch Bewährung, wie auch Bewährung für Vergewaltigung, dann klingt Ihre Begründung für dieses Urteil nun wirklich makaber.

19.08.2019 15:24 Uwe 2

@1
Schon klar.
Wenn ich mir überlege das deine 160 in Leipzig bei genau den selben Handlungen auch eingekesselt, also zweifelsfrei festgestellt und denen laut Presse genau das selbe nachgewiesen werden konnte noch nicht mal angeklagt wurden hast du natürlich recht. Vorausgesetzt man versteht unter Kuscheljustiz Rechtsbeugung und Gesinnungsjustiz. Ich verlange übrigens keinen Freispruch der rechten. Ich verlange das ihr endlich genau so eingeknastet werdet.

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